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Die Toten Hosen - Ballast der Republik

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Die Toten Hosen - Ballast der Republik

Bandname: 
Die Toten Hosen
Titel der CD: 
Ballast der Republik
Releasetermin: 
4. Mai 2012

DIE TOTEN HOSEN sind so ein Thema für sich: Viele, die die Band in ihren Anfangstagen kennengelernt haben, beobachteten die Entwicklung oftmals sehr kritisch; sprachen ihnen sogar den "Punkrock"-Status ab und verabschiedeten sich aus den Fankreisen der Band. Jüngere Fans, die die Band erst mit späteren, kommerziell erfolgreicheren Releases kennen gelernt haben, sind da viel weniger kritisch und stehen auch heute noch in der Schlange, wenn DIE TOTEN HOSEN wieder eines ihrer Konzerte vor über 10.000 Fans spielen.

Zum 30-jährigen Bandjubiläum gibt es nun ein neues Album, dass einerseits die gute alte Zeit wieder aufleben lässt, dabei aber nicht die jüngere Bandgeschichte aus den Augen verliert und sogar einen Schritt weiter geht. Die aktuelle Single "Tage wie diese" könnte die erfolgreichste Single der Bandgeschichte werden und JUPITER JONES' "Still" vom Thron der meistgespielten Single im Radio ablösen. Wie man mittlerweile von der Band selbst erfahren konnte, war dieser Song kurz davor, von der Trackliste des Albums gestrichen zu werden; aber andererseits war "Alex" das seinerzeit auch und es ist heute noch einer der beliebtesten Songs der Band.

Den Spagat, den DIE TOTEN HOSEN auf ihrem neuen Album vollbringen, merkt man auch an anderer Stelle. Einerseits feiern sie ihr 30-jähriges Jubiläum als Headliner bei Rock am Ring und Rock im Park - zwei der meistgehassten Festivals unter Punkern. Andererseits befindet sich die Band gerade auf "Magical Mystery"-Tour quer durch die Wohnzimmer dieser Welt. Und wenn man Wohnzimmer sagt, meint man das im Hause von DIE TOTEN HOSEN auch genau so. Anschließende Übernachtung der Bandmitglieder inbegriffen. Wenn das nicht Punk ist, was dann?

Doch zurück zum eigentlichen Thema dieses Artikels: "Ballast der Republik" wird durch ein klassisches Intro namens "Drei Kreuze (dass wir hier sind)" eröffnet und mündet direkt im Titeltrack des Albums. Der wirkt wie eine Zeitreise zurück zu "Hier kommt Alex" oder "Auf dem Kreuzzug ins Glück" und gehört sicherlich zu den Songs, die unaufhaltsam den Weg in's Liveset der Hosen finden werden. Zweieinhalb Minuten Sing-A-Long-Potential ohne Ende. Direkt im Anschluss folgt das anfangs bereits erwähnte "Tage wie diese" - hier gibt es nicht viel zu sagen. Die einen lieben, die anderen hassen ihn! Eingerahmt wird die Single von einem weiteren Punkrock-Knaller mit dem Titel "Traurig einen Sommer lang", der allerdings mit einem ultra-melodischem Refrain gesegnet ist, so dass die mitunter etwas platt wirkenden Strophen nicht weiter ins Gewicht fallen.

"Altes Fieber", der nächste Song auf "Ballast der Republik", schlägt melancholischere Töne an und wirkt wie ein Klagelied auf längst vergangene Zeiten. Hier geraten DIE TOTEN HOSEN tatsächlich in Gefahr, selber zu den "früher war alles besser"-Nörglern zu werden, mit denen sie teilweise zu kämpfen haben, wenn man den Text denn so verstehen will. "Zwei Drittel Liebe" wiederum ist ein merkwürdiger Song. Klingt irgendwie elektronisch mit stampfendem Beat unterlegt und fällt somit definitiv aus dem Gesamtkontext des Albums.

Mit "Europa" folgt eine weitere typische "ruhige" Hosen-Nummer. "Reiß dich los" greift noch einmal den alten Rhythmus von "10 kleine Jägermeister" auf, ist aber längst nicht so "trashig" (um den alten Fehlgriff mal höflich zu umschreiben), wirkt teilweise sehr kraftvoll und gleichzeitig schön melodisch. Mit "Drei Worte" scheint es dann sehr ernst im Hosen-Imperium zu werden, doch nach den anfänglich traurig-wirkenden Tönen folgt als bald auch schon wieder ein typischer Hosen-Punkrock-Song, mit durchgezogenen Gitarrenriffs und hymnenhaftem Campino-Vocals.

"Schade, wie kann das passieren?" ist, man muss es so sagen, leider wieder einer dieser Songs, der zwar auf den Konzerten lauthals mitgesungen werden wird, aber irgendwie auch platt und stumpf wirkt. Die Textzeile "Schade, scheisse, wie kann das passieren?" brennt sich sofort in den Kopf und kann auch von einer Meute sturzbetrunkener Fußball-Fans noch fehlerfrei mitgesungen werden. Perfekt also als Hymne für Fortuna Düsseldorf, denn das war die eigentliche Intention beim Schreiben dieses Songs.

"Draußen vor der Tür" ist Campino's sehr persönlicher Nachruf für seinen Vater. "Das ist alles so lange her, so unendlich weit weg. Doch es fällt mir nicht schwer, mich zu erinnern, wie's beim letzten Mal war, als wir uns sahen. Da draussen vor der Tür" - große ehrliche Gefühle eines Mannes, der nicht das beste Verhältnis zu seinem Vater gehabt hat, aber mittlerweile merkt, dass er ihm viel ähnlicher geworden ist, als er früher mal gedacht hat.

"Das ist der Moment" dürfte dann wieder ein Stück sein, dass dazu in der Lage ist, die unbeschreibliche Verbrüderungs-Mentalität auf einem Hosen-Konzert hervorrufen zu können. Hier werden sich die Menschen bierseelig in den Armen liegen und den Song lauthals mitsingen. "Ein guter Tag zum fliegen" kann das sicherlich nicht - der Song kann das ansonsten beachtlich hohe Niveau des Albums nicht ganz halten. "Oberhausen" hingegen lädt dann aber wieder dazu ein, bengalische Fackeln zu zünden und ausgiebig zu Feiern.

Mit "Alles hat seinen Grund" und "Vogelfrei" bilden zwei Songs, die nicht unterschiedlicher sein könnten, den Abschluss von "Ballast der Republik". Ballade auf der einen Seite, Punkrock-Kracher auf der anderen. Beide Songs sind ein Paradebeispiel für die Ambivalenz dieses Albums. "Ballast der Republik" schwankt zwischen ruhigen, nachdenklichen Momenten und energiegeladenen, kraftvollen Punkrock-Hymnen. Trotz dieser Ambivalenz wirkt das Album aber wie aus einem Guss und fügt sich nahtlos in die Historie der Bandgeschichte ein.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Hosen gibt es aber auch noch ein kleines Schmankerl in Form von "Die Geister, die wir riefen". Ein Album mit insgesamt 15 Coverversionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, wurde als Bonus-CD zum Release gepackt, ist aber irgendwie doch mehr Spielerei, als ernstzunehmendes Hosen-Material. "Rock Me Amadeus" ist erwartungsgemäß grauenhaft ausgefallen, "Schrei nach Liebe" nah am Original und natürlich auch als Statement zu verstehen und "Das Model" irgendwie nichtssagend. Über die restlichen Songs soll hier an dieser Stelle nicht weiter referiert werden - wer sich ein Bild davon machen möchte, sollte sich einfach das Album zulegen und sich die Songs anhören.

Tracklist

Disk: 1

1. Drei Kreuze (dass wir hier sind)
2. Ballast der Republik
3. Tage wie diese
4. Traurig einen Sommer lang
5. Altes Fieber
6. Zwei Drittel Liebe
7. Europa
8. Reiß dich los
9. Drei Worte
10. Schade, wie kann das passieren?
11. Draußen vor der Tür
12. Das ist der Moment
13. Ein guter Tag zum Fliegen
14. Oberhausen
15. Alles hat seinen Grund
16. Vogelfrei

Disk: 2

1. Computerstaat
2. Sirenen
3. Das Modell
4. Die Moorsoldaten
5. Im Nebel
6. Heute hier, morgen dort
7. Rock Me Amadeus
8. Industrie - Mädchen
9. Keine Macht für niemand
10. Einen großen Nazi hat sie!
11. Schrei nach Liebe
12. Manche Frauen
13. Innenstadt Front
14. Stimmen aus dem Massengrab
15. Lasset uns singen

Bewertung

(Bewertung: 8 von 10 Lumpis)

Leserbewertung

Eigene Bewertung: Keine Average: 7.8 (24 Bewertungen)

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Kommentare

Bild des Benutzers Ego

Ja nicht unterschiedlicher sein! Was kriegt man fuer so ein Review?

Bild des Benutzers MCA

Heute hier, morgen dort.
Grossartig!!!!

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