BAD RELIGION: Brooks Wackerman - Schlagzeuger aus Überzeugung
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BAD RELIGION: Brooks Wackerman - Schlagzeuger aus Überzeugung
BAD 4 GOOD (mit Steve Vai), INFECTIOUS GROOVES, SUICIDAL TENDENCIES, THE VANDALS, AVRIL LAVIGNE, KORN, TENACIOUS D, HOT POTTY - die Liste der Bands, mit denen Brooks Wackerman gespielt und an deren Alben er beteiligt war, ist lang. Er steigt 2001 bei BAD RELIGION ein. Zusammen mit Bassist Jay Bentley fundiert er den neuen aggressiven, punktierten Sound der nordamerikanischen Ausnahmepunkband.
Der zweifache Familienvater wirkt introvertiert und zurückhaltend. Dem dominierenden Gespann Greg Graffin/Brett Gurewitz ordnet er sich unter. Er hat seinen Platz im Hintergrund der Band, scheint sich dann am Wohlsten zu fühlen, wenn er im Studio oder auf der Bühne seine schlagzeugtechnischen Fähigkeiten zur Geltung bringen kann. Keine vielen Worte. Kein überkandideltes Gelabere um den heißen Brei. Progressive Bescheidenheit - Wackerman weiss was er kann.
Zum Geburtstagskonzert "30 Jahre BAD RELIGION" im Hamburger Docks trafen wir uns mit Brooks Wackerman zum jährlichen Informationsabgleich.
IYF: Stimmt es, dass im Haus deiner Eltern zu Zeiten deiner Kindheit und Jugend in jedem Zimmer ein Schlagzeug stand?
Wackerman: (lacht) Das stimmt. Dadurch, dass meine beiden Brüder auch Schlagzeug spielen, sowie mein Vater, stand in fast jedem Zimmer ein Drum-Set. Das "Headquarter" war die Garage. Das war der größte Raum und dort standen die größten Schlagzeug Sets. Wenn du unser Haus betreten hast, fiel der erste Blick auf Schlagzeug Teile, Becken und Zubehör. Ich war bereits zu frühen Kindheitstagen von Schlagzeugen umgeben, da konnte man nichts machen und wurde zwangsläufig Musiker.
IYF: Wer war dein erster einflussreichster Schlagzeuglehrer?
Wackerman: Definitiv Murray Spivak. Er war bereits über 80 Jahre alt, als er mein Schlagzeuglehrer wurde. Ich war 7 Jahre alt, als ich Schlagzeugunterricht bei ihm nahm. Er hatte sehr viel Geduld mit mir. Er sagte, dass er, wenn er nicht meinen Vater und Bruder kennen würde, mich nicht mehr unterrichten wolle, denn ich war am Anfang alles andere als motiviert und muss ein relativ anstrengender Schüler gewesen sein. Er hat aber trotzdem versucht, mir die technischen Varianten des Schlagzeugspielens beizubringen. Ich erinnere mich daran am Anfang sehr frustriert gewesen zu sein, weil mein Gehirn musikalisch unentwickelt gewesen war. Aber ich habe trotzdem nie aufgegeben und bin meinen Weg gegangen. Meine Eltern haben mich auch immer ermutigt weiter zu machen. Mein Vater hat mich immer unterstützt, gerade auch was das Lesen von Schlagzeugnoten, den technischen Aspekt betraf. Er hat sich viel Zeit für mich genommen. Ich glaube an Einsteins Theorie von 10% Talent und 90% harte Arbeit an sich selber (lacht). Spivak hat mir die Möglichkeit gegeben, meinen eigenen Style zu entwickeln, ohne zu kopieren, sondern gerade den technischen Aspekt im Vordergrund der Schlagzeug-Stunden zu setzen.
IYF: Gibst du mittlerweile auch selber Schlagzeug Unterricht?
Wackerman: Ja, soweit es mein Terminkalender zulässt. Ich hatte da einen sehr talentierten Schüler, den ich unterrichtet habe. Es hängt viel von den Schülern selber ab. Ich hatte Schüler, die eigentlich nur kamen, um mit jemanden von BAD RELIGION abzuhängen, daran habe ich natürlich kein wirkliches Interesse. Wenn ein junger Schüler aber interessiert ist Schlagzeug zu lernen und es ihm Ernst ist Schlagzeug spielen zu lernen, gebe ich noch Unterricht.
IYF: Welche Rolle spielte Robert Trujilo (METALLICA) in deiner musikalischen Entwicklung?
Wackerman: Eine sehr Wichtige. INFECTIOUS GROOVES suchten einen neuen Schlagzeuger. Bei einer Show von BAD 4 GOOD sah er mich spielen und sprach mich direkt nach dem Konzert an, ob ich nicht vorspielen wolle. Ich hatte mich auf 4 Tracks vorbereitet, um dann engagiert zu werden. Somit konnte ich auch später bei SUICIDAL TENDENCIES einsteigen. Robert hat mich quasi entdeckt und ich verdanke ihm sehr viel, gerade was den Aspekt "Spielen in großen Bands" und Studioaufenthalte betrifft.
IYF: Stimmt es, dass du gerne einmal mit John Frusciante (Ex-Gitarrist RED HOT CHILI PEPPERS) zusammen arbeiten würdest? Warum nicht Chad Smith (Drummer RED HOT CHILI PEPPERS), dass läge doch näher?
Wackerman: Ironischerweise habe ich bereits mit Chad Smith zusammen gearbeitet. Das war eine "DW" Kooperation. Chad Smith moderiert auf der Internet Seite von "DW" eine Schlagzeug Sendung und er hat mich eingeladen, um zusammen mit Terry Bozzio im Rahmen der Channel-Show zu spielen. Danach wurden Terry und ich von Chad Smith interviewt.
Ich bin ein großer Fan von John Frusciante. Ich liebe seine Solo Eskapaden, neben seiner Arbeit für die RED HOT CHILI PEPPERS. Seit meinen High School Tagen beobachte ich seine kreative und innovative Arbeit. Johns Einflüsse sind meinen sehr ähnlich.
IYF: Integrierst du Stilistiken anderer Musikrichtungen in Songs von BAD RELIGION, um euren reinen Punkrock Sound zu variieren?
Wackerman: Ja, das stimmt. Ich mag Reggae und Ska sehr gerne, mit dem Schwerpunkt auf Reggae. Wenn du dir "Sorrow" anhörst, weißt du was ich meine.
IYF: Bei BAD RELIGION stehst du in einer Tradition von vielen Schlagzeugern, ganz unterschiedlicher technischer Fähigkeiten und musikalischer Herkunft. Wo siehst du dich aufgrund deiner Fähigkeiten selber im direkten Vergleich?
Wackerman: Ich vergleiche mich nicht mit den alten Drummern von BAD RELIGION, weil es keine Vergleichsmöglichkeit gibt. Ein Bobby Schayer oder Pete Finestone haben halt ganz andere Vorraussetzungen als ich. Ich schätze deren Beitrag für den Sound und vor allem die Entwicklung von BAD RELIGION zu den Zeiten in denen meine Vorgänger aktiv waren. Es sind halt ganz andere Drummer.
IYF: Wie packst du dein Familienleben und deine Arbeit bei BAD RELIGION unter einen Hut?
Wackerman: Das ist nicht einfach, gerade weil ich erst kürzlich Vater geworden bin. Meine Frau ist was diese Bereiche betrifft allerdings sehr verständnisvoll. Schließlich habe ich mich dazu entschieden Musiker zu sein und damit mein Geld zu verdienen. Touring gehört halt dazu.
IYF: BAD RELIGION ist die Band von Greg Graffin und Brett Gurewitz und deren Meinung und Richtungsvorgabe. Wie wirst du in Entscheidungen die Band betreffend integriert?
Wackerman: Das sehe ich anders. Ich denke, dass BAD RELIGION eine basisdemokratische Formation sind. Wir diskutieren und besprechen die wichtigen Themen. Es wird unglaublich viel gesprochen und debattiert. Es gibt eine Menge verschiedener Meinungen zu den unterschiedlichsten Themen in der Band. Musikalisch hast du Recht. Trotzdem lassen mir Brett und Greg die Freiheit, die ich brauche, um meine Ideen in die Songstrukturen zu integrieren. Freiraum ist mir da sehr wichtig, ansonsten hätte ich die Band schon längst verlassen.
IYF: Wie wichtig ist Jay Bentley am Bass für dein Schlagzeugspiel auf der Bühne und im Studio?
Wackerman: Jay ist sehr wichtig. In meinen Augen ist er ein unglaublich guter Punk-Bassist. Seine Attacken am Bass sind einzigartig. Er hat seine eigene aggressive Art zu spielen. Sowohl auf der Bühne, als auch im Studio bildet er eine Art Fundament für mein Schlagzeugspielen.
IYF: Vielen Dank für das Interview, viel Erfolg bei den anstehenden Shows!
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Kommentare
Sehr cool und aufschlussreich! :)