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CALLEJON: "Diese ganzen Dinge schreien ja geradezu nach Zombies"

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CALLEJON: "Diese ganzen Dinge schreien ja geradezu nach Zombies"

CALLEJON ist ein Name, der nun schon seit längerer Zeit in der Hardcore-Szene herumgeistert. Das neue Album "Zombieactionhauptquartier" steht in den Läden und es wurde Zeit, dass auch wir uns mal mit dem Phänomen dieser Band auseinandersetzen. Im Gespräch mit Gitarrist Bernhard wurden wir über die Hintergründe der Zombie-Thematik des neuen Albums, die Zusammenarbeit mit K.I.Z. und den Traum, mit IRON MAIDEN in Japan zu spielen, aufgeklärt. Aber lest selbst:

IYF: Euer neues Album steht ja sozusagen in den Startlöchern. Wie sind die Reaktionen bisher?

Bernhard: Die Reaktionen sind bislang sehr positiv, sowohl von den Fans als auch von der Presse. Natürlich ecken wir auch bei Leuten an, aber wir machen ja schließlich keine Musik, die es allen recht machen soll. Insgesamt hätten wir bei Weitem nicht so viel Zuspruch erwartet, was uns natürlich sehr glücklich macht.

IYF: Wer hat euch denn mit dem Zombie-Virus infiziert? Was verbindet euch mit diesem Genre?

Bernhard: Das mit den Zombies hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir einige Verehrer von Zombiefilmen und -literatur in der Band. Außerdem waren wir während der Recording-session in Hamburg in einem leerstehenden Verwaltungsgebäude, das im obersten Stock eine Künstlerwohnung hat, untergebracht. Dieses Gebäude stand auf dem Parkdeck eines verlassenen Karstadt-Parkhauses. Diese ganze Gruselatmosphäre hat uns dazu bewegt, dem Album dann auch wirklich diesen Namen zu verpassen. Die verlassenen Gänge eines seit 20 Jahren ungenutzten Gebäudes, das stockdunkle Parkhaus, das verlassene Einkaufszentrum... diese ganzen Dinge schreien ja geradezu nach Zombies! Die Thematik passt einfach gut zur Band, weil ein Zombie das Paradoxon von Leben und Tod in einer Person verkörpert. Bei Callejon drehen sich fast alle Songs um die Zerrissen zwischen Verzweiflung und Lebensbejahung, zwischen Reflexion und Betäubung. Auch wenn unsere Texte oft eine auf den ersten Blick negative Botschaft vermitteln, sehen wir doch immer auch die Ironie darin, das Licht am Ende des Tunnels. Außerdem solltest Du uns mal nach einer durchzechten Nacht sehen, da sehen wir schlimmer aus als manche Film-Zombies.

IYF: Die neuen Songs klingen sehr viel Metal-lastiger, als die älteren Sachen. War es an der Zeit für eine Veränderung im Hause Callejon?

Bernhard: Wir haben auf jeden Fall unsere technischen und Songwriting-Fähigkeiten ausgebaut, und ich denke, die neue Platte ist einen ganzen Schlag metallsicher. Andererseits gibt es auf dem Album auch Dinge, die für uns absolutes Neuland waren, wie zum Beispiel die beiden ruhigen Nummern oder der Song mit Nico von K.I.Z. Natürlich hatten die Besetzungswechsel auch einen Maßgeblichen Einfluss auf unsere Weiterentwicklung, da bei uns die Songs von allen zusammen geschrieben werden, und nicht einer alleine für das Songwriting verantwortlich ist. Wir wollten ein Album machen, das möglichst abwechslungsreich ist und bei dem sich die einzelnen Songs trotzdem in ein schlüssiges Gesamtbild einfügen. Und auch die Produktion bzw. der Sound sind qualitativ in einer ganz anderen Liga als unsere vorangegangenen Veröffentlichungen. Wir haben natürlich den Drang, uns weiterzuentwickeln, anders wäre es ja auch extrem langweilig, für uns als Musiker und auch für die Fans. Aber wir haben nicht krampfhaft versucht, drastische Veränderungen zu erzwingen, es war eine natürliche Entwicklung.  Aus meiner Sicht ist "Zombieactionhauptquartier" definitiv das stärkste, was Callejon je herausgebracht haben. Aber das sagt natürlich jeder Musiker über sein neues Album, hahaha...

IYF: Auch das Artwork spricht für Veränderung. Normalerweise war ja bis jetzt immer euer Sänger Basti für die Gestaltung der Cover verantwortlich. Das Artwork von ZAHQ sieht aber dieses Mal nicht nach einem typischen Artwork aus seiner Feder aus. Wen habt ihr euch denn dieses Mal für die Gestaltung ausgesucht? Oder ist es etwa doch von Basti?

Bernhard: Das Artwork hat tatsächlich wieder Basti gemacht. Wir wollten diesmal einfach mal ein Stück raus aus unserer üblichen Ecke und etwas neues machen. Basti hat ja auch beispielsweise das Artwork für die letzte Heaven Shall Burn Platte gezeichnet, die viel Aufmerksamkeit bekommen hat, und wir wollten unser Cover von diesem bereits etablierten, typischen Basti-Stil abheben. Aber all die Leute, die sich auf so ein Artwork gefreut haben und nun vielleicht etwas enttäuscht sind, kann ich auch beruhigen: Im Booklet sind jede Menge typischer Basti-Artworks.

IYF: Zur Zusammenarbeit mit K.I.Z.: Wie kam es denn dazu? Kanntet ihr euch vorher schon?

Bernhard: Wir fanden die Idee ziemlich cool, die Leute mal ein wenig vor den Kopf zu stoßen, und das kann man natürlich besonders gut mit einem Rap-Part auf einer Metal-Platte. K.I.Z. schätzen wir alle sehr, und die geben ja auch einen Dreck um die Maximen der HipHop-Szene, deshalb passte das sehr gut zusammen. Wir kannten die Jung vorher nicht, haben also einfach mal unverbindlich nachgefragt, und Nico hat gleich bekundet, dss er da Bock drauf hätte Das war alles sehr unkompliziert, wir haben Nico im Vorfeld eine Demoversion von dem Song zugeschickt, er kam dann mit dem Zug aus Berlin nach Hamburg, rief morgens um 11 aus dem ICE an und meinte, dass er wegen irgendwelchen Gleisarbeiten später kommt, dass das aber auch egal ist, weil er eh noch an seinem Text arbeiten muss. Wir haben ihn dann am Bahnhof abgeholt und zum Studio gefahren, ein bisschen gequatscht, und als wir dann da waren, hat er seinen Text fertig geschrieben und eingerappt. An dem Abend sind wir dann noch in Hamburg losgezogen, waren zuerst in einem Metalschuppen, bis Nico uns bei einer R'n'B Party eingeschleust hat, bei der wir uns aufgrund eines amtlichen Alkoholpegels ziemlich daneben benommen haben, hahaha...

IYF: Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass "Porn From Spain" nicht sonderlich ernst gemeint ist. Aber ein Quäntchen Wahrheit scheint mir dann doch in dem Text zu stecken: Habt ihr manchmal ein Problem mit gewissen Leuten der "Szene"? Oder andersrum?

Bernhard: Auf jeden Fall ist es ein ironischer Seitenhieb, aber der Song hat einen ernsteren Hintergrund, das Stimmt. Darin geht es eher um festgefahrene Konventionen innerhalb einer Szene und ist eine Ansage für die Leute, die meinen bestimmen zu können, was Hardcore oder Metal ist und was nicht, was okay ist und was peinlich, was eine Band darf und was sie zu lassen hat. Viele scheinen vergessen zu haben, dass das Wichtigste gerade im HC-Bereich Toleranz und gegenseitiger Respekt ist. Wir haben kein Problem mit Leuten, die uns kacke finden, aber hinzugehen und anonym zu sagen: 'Die sind ne beschissene, trendgeile Tuckenband' ist einfach, und zeugt weder von Courage noch von Intellekt. Startet selber ne Band und macht es besser, dann können wir uns auf Augenhöhe unterhalten, Mädels...

IYF: Wie war eigentlich die Zeit im Studio? Gehört das Aufnehmen von Songs für euch eher zu den unangenehmeren Sachen oder habt ihr im Studio Spaß?

Bernhard: Die Aufnahmen waren natürlich ein hartes Stück Arbeit, aber auch eine unglaublich geile und intensive Erfahrung. Wir hatten endlich mal Zeit, verschiedene Dinge auszuprobieren, und nicht nur einfach alle Songs innerhalb von zehn Tagen einzuprügeln, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Wir haben dann auch nichts dem Zufall überlassen, von der Auswahl der Mikrophone über die Gitarrenamps bis zu den Arrangements. Unser Produzent Eike Freese hat echt alles aus uns herausgeholt, und wir haben extrem gut zusammen arbeiten können. Prinzipiell standen die Songs schon vorher, aber natürlich baut man im Studio noch Feinheiten und Overdubs ein, die die Songs noch mal aufwerten. "Fremdkörper" ist der einzige Track, der erst während der Recording-Phase entstanden ist.

IYF: Die Zeit um Weihnachten verbringt ihr ja auf der "Darkness Over X-Mas Tour". Seid ihr nicht so die Familienmenschen mit drei Tagen Gänsebraten und Weihnachtsbaum-Idylle?

Bernhard: Die Band und unsere Crew ist unsere zweite Familie, wir verbringen einfach unglaublich gerne Zeit zusammen und haben einen Höllenspaß. Natürlich ist es schwer, wenn das Familienleben unter unseren Bandverpflichtungen leiden muss, genauso, wie unsere Jobs, uns Studium oder unsere Beziehungen. Aber wir haben uns für die Band entschieden, und das respektiert jeder. Außerdem gehen wir einfach zu gerne auf Tour...

IYF: Das Line-Up der Tour ist ja ein ziemlicher Brecher. Habt ihr vorher schon mit der ein oder anderen Band gespielt?

Bernhard: Mit Neaera haben wir schon das eine oder andere Festival bestritten, und mit den Jungs verstehen wir uns total super. Sonic Syndicate haben wir auf deren Tour mit In Flames getroffen, und die sind auch supernett und sympathisch. Mit den anderen Bands hatten wir zwar noch nicht die Ehre, aber ich denke, das wird eine große und feuchtfröhliche Party. Wir freuen uns jedenfalls tierisch drauf.

IYF: Mit welcher Band wollt ihr unbedingt nochmal auf der Bühne stehen?

Bernhard: Ich glaube nach einer Show mit Iron Maiden in Japan kann ich die Gitarre an den Nagel hängen, da drüber kommt nichts.

IYF: Was können wir denn in der Zukunft so von Callejon erwarten? Ihr werdet jetzt bestimmt erstmal viele Shows spielen ... aber was kommt danach? Irgendwelche Planungen, die ihr bekannt geben könnt?

Bernhard: Wie gesagt, erst mal steht touren, touren und danach touren auf dem Plan, und wir werden nächstes Jahr auch im Ausland unterwegs sein und auf einigen großen Sommerfesivals, was natürlich der Hammer ist. Um den Rest haben wir uns noch nicht so viele Gedanken gemacht, die Platte ist ja auch quasi gerade erst draußen, aber unsere letzte wird es garantiert nicht sein. Alles Andere steht noch in den Sternen...

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