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NERVECELL: "Wir sind uns der sozialen Verantwortung als Metal-Band aus Dubai bewusst."

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NERVECELL: "Wir sind uns der sozialen Verantwortung als Metal-Band aus Dubai bewusst."

"Global Metal" und "Metal in Baghdad" haben unsere Augen für Bands aus sogenannten "exotischen" Länder geöffnet. Während die Israeli ORPHANED LAND von allen Seiten gepusht werden, gibt es aber auch noch Bands aus arabischen Ecken dieser Welt und die sind ja nicht von der Landkarte zu wischen. Obskurer Weise beschäftigen sich dort Bands mit dem Erbe von abendländischen Bands wie METALLICA, SLAYER oder DEATH und können dem westlichen Mainstream locker das Wasser reichen. Also habe ich ganz schnell ganz viele digitale Signale in die Vereinigten Arabischen Emirate gesendet und nach einiger Zeit eine Rückmeldung von Barney und Rami von NERVECELL bekommen. Und die hatten so einiges zu sagen.

IYF: Fangen wir doch einfach mal damit an, die Band vorzustellen und uns einen kurzen Abriss der Geschichte NERVECELLs zu geben. Wann habt ihr die Band gegründet, woher kam die Idee eine Death Metal Band zu formieren und wie hat sich die Band bis hin zum neuen Album "Psychogenocide" entwickelt?

Barney: Ich habe die Band zusammen mit unserem ersten Schlagzeuger im Jahr 2000 gestartet. Wir studierten zusammen und wollten unbedingt eine eigene Band gründen und eigene Songs schreiben. Also habe ich mir ein paar Jungs zusammengesucht und wir haben angefangen, bei mir zu Hause zu jammen. Ich war schon immer an Death- und Thrash-Metal interessiert, konnte aber nie Musiker finden, die das Zeug spielen konnten, so dass NERVECELL zu Beginn eher eine Hardcore-Band mit starken Metal-Einflüssen war. Wenn du zwischen 2000 und 2003 auf einem Gig von NERVECELL gewesen wärest, hättest du vielleicht ein paar eigene Songs und viele Cover von HATEBREED und OBITUARY gehört. Ha ha!

Wie auch immer, so gegen Ende 2003 und Anfang 2004 wurde aus NERVECELL eine Death-Metal-Band und wir begannen aus der lokalen Szene auszubrechen. Rami und James sind gerade zur Band gestoßen und die Ausrichtung der Musik wurde weitaus aggressiver und wir schrieben immer mehr eigene Songs. Daraus folgte die EP "Human Chaos", die die Presse und Kritiker im Sturm nahmen, was dazu führte, dass wir in andere Länder aufbrechen konnten, wie z.B. Australien, Ägypten und Slowenien zum Metal Camp Festival.

Das Feedback war überall positiver als wir es je erwartet hatten, was dafür sorgte, dass wir von diesem Punkt an unsere Musik sehr viel ernster nahmen. Ein paar Jahre später veröffentlichten wir endlich unserer erstes Album "Preaching Venom" in Eigenregie, so dass wir daraufhin mit Lifeforce Records in Kontakt kamen, die uns für Europa unter Vertrag nahmen und Spellbind Records für den Mittleren Osten. Zu diesem Zeitpunkt entschlossen wir uns, unser ganzes Leben der Musik zu widmen und unterschrieben bei CSM, die uns auch heute noch managen.

Und in diesem Jahr am 2. Mai haben wir bekannterweise unseren zweiten Longplayer "Psychogenocide" veröffentlicht und ich muss zugeben, dass alles immer besser für uns läuft. Die Reviews zu unserem Album sind hervorragend soweit und wir können es kaum erwarten, auf Tour durch die Welt zu gehen, um unser neues Album den Metalheads da draußen vorzustellen.

IYF: "Psychogenocide" ist bereits eure zweite CD bei Lifeforce Records aus Leipzig. Wie kam der Kontakt zustande?

Barney: Ich habe Stefan von Lifeforce einfach per Mail kontaktiert, als wir "Preaching Venom" im Mittleren Osten veröffentlicht hatten. Eigentlich habe ich ihn einfach gefragt, ob sie immer noch Bands unter Vertrag nehmen und ob er an uns interessiert sei. Ich hatte ihnen schon mal eine CD geschickt. Abgesehen von den ganzen Labels, die wir kontaktiert hatten, war Lifeforce das einzige, was sich zurückgemeldet hatte. Wir dachten, sie sind ein gutes Label, weil sie ernste und aufrichtige Leute sind und es ganz unkompliziert ist, mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Wir wussten, dass wir uns verändern mussten und einen Ansprechpartner in Europa brauchten. Das war ganz wichtig für uns. Wir hatten noch ein paar andere Angebote, aber wir hatten das Gefühl, dass Lifeforce die beste Option für uns ist. Zufälligerweise hatte uns unser Management gerade darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir auf dem With Full Force Festival spielen sollten, als wir noch mitten in den Verhandlungen mit Lifeforce steckten, die ja auch in Leipzig ansässig sind. "Das passt doch perfekt!", dachten wir. Also haben wir uns nach unserem Auftritt zusammengesetzt. Einem Killer-Set übrigens! Ha ha! Es hat alles großartig gepasst!

IYF: Kommen wir zu eurem neuen Album "Psychogenocide". Ihr habt es in Australien aufgenommen. Warum gerade dort? Was für eine Idee steckt hinter "Psychogenocide"? Mir ist aufgefallen, dass ihr nicht mit der typischen Death-Metal-Ideologie arbeitet, wie Blut und Gedärmen. Worüber schreibt/singt ihr in euren Songs?

Rami: Im Grunde haben wir "Psychogenocide" in Dubai, Quatar und Australien aufgenommen. Die meisten Gitarren, Bass und ein wenig Schlagzeug haben wir in Dubai im Spellbind Studio eingespielt. Die Vocals und noch einige Gitarrenriffs haben wir in Quatar aufgenommen. Den Großteil der Drums hat dann Dave Haley von PSYCROPTIC in Australien im Red Planet Studio eingespielt. Das Engineering und die Produktion habe ich übernommen, während der Mix und das Mastering im Hertz Studio (VADER, BEHEMOTH, DECAPITATED) in Polen von statten ging.

Die grundsätzliche Idee hinter "Psychogenocide" ist die "psychologische Massenvernichtung", die allumfassende Gehirnwäsche des menschlichen Geist'. Der Titel setzt sich dementsprechend aus den Wörtern "Psychologie" und "Massenmord" zusammen. Die Songs selber haben unterschiedliche Themen, aber im Großen und Ganzen handeln sie von den "Starken, die die Schwachen kontrollieren" und wie das Böse die Welt beherrscht. Wir schreiben schon seit der "Human Chaos"-EP über menschliche und gesellschaftliche Themen, nur dieses Mal viel detaillierter. Es ist auf jeden Fall wert, sich die Texte zum Album genauer anzuschauen, um unser Anliegen genauer zu verstehen.

IYF: Ihr werdet im Sommer einige Festivals spielen, aber wart ihr schon richtig auf Tour in Europa? Was für ein Gefühl ist es für euch, in Europa, der Wiege des Heavy Metals, aufzutreten? Haben sich eure Erwartungen erfüllt?

Rami: Wir waren schon ein paar mal in Europa. 2009 hatten wir zwei Tourneen, eine war eine Festival-Tour, auf der wir auf großen Festvals aufgetreten sind, wie dem Wacken Open Air, With Full Force, Rock am Ring, Rock im Park und noch weitere. Ende 2009 haben wir eine Headliner Tour absolviert, um "Preaching Venom" vorzustellen. Im März und April 2010 haben wir SUFFOCATION, ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY, FLESHGOD APOCALYPSE und BURNING THE MASSES supported. Das war bis jetzt unsere größte Tour durch Europa. Und es war die Beste, die wir bis dahin gemacht haben. Seit dem ersten Mal in Europa haben wir konstant neue Fans hinzugewinnen können und wir haben es genossen. Besonders auf den Festivals, die wir in Deutschland gespielt haben. Auf jeden Fall haben die Besuche unsere Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen. Die Fans, das Wetter (Noch nie so viel Regen gesehen, was? – der Tipper), das Essen und die anderen Bands! Es hat so viel Spaß gemacht!

IYF: Nach Dokumentarfilmen wie "Global Metal" von Sam Dunn, gibt es ein gesteigertes Interesse an Metal-Bands aus "exotischen " Ländern. Die Emirate sind ein solch "exotisches Land". Also, erzählt mal, wie junge Menschen in den Emiraten an Heavy Metal und speziel Death Metal geraten konnten. Und wie ist es, eine Death-Metal-Band in der Emiraten und vor allem in der arabischen Welt zu sein? Gibt es dort eine Szene, Übungsmöglichkeiten und Clubs, wo ihr auftreten könnt? Gibt es noch weitere Bands aus den Emiraten, die es wert ist, erwähnt zu werden?

Barney: In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde Metal akzeptiert, nachdem das "Desert Rock" Festival stattgefunden hatte. Es findet jedes Jahr statt und hat vielen Menschen die Augen für diese Art von Musik geöffnet. Typisch für den Charakter der Menschen hier, ist es ständig etwas zu finden, über dass man sich beschweren kann und das macht den Organisatoren das Leben schwer. Leider gab es Gründe, dass das Festival zwei Jahre aussetzen musste. Inzwischen gibt es eine Gruppe lokaler Organisatoren, die die Geschicke in die Hand genommen haben und wöchentliche Events veranstalten, was der lokalen Szene sehr gut tut.

Es ist großartig eine Metal-Band in den VAE zu sein, aber damit lassen sich leider noch keine Rechnungen bezahlen, weil die Szene hier noch einen langen Weg vor sich hat bis wir eine große, ernstzunehmende Bewegung sein werden. Trotzdem bleiben wir dabei, Metal zu spielen. Und wir sind uns der sozialen Verantwortung als Metal-Band aus Dubai bewusst und daher sehen wir die Tatsache, dass wir in verschiedenen Ländern der Welt spielen können, mit Stolz.

Musikalisch sind wir vom Death- und Thrash-Metal als auch ganz stark vom Hardcore beeinflusst, weshalb unsere Texte auch eher menschliche und gesellschaftliche Aspekte zum Ausdruck bringen.

IYF: Zur Zeit haben sich viele revolutionäre Bewegungen in der arabischen Welt rund um das Mittelmeer entwickelt, von den Medien "Frühlingsrevolution" genannt. Was habt ihr davon in Dubai mitbekommen? Hatten diese Bewegungen auch Einfluss auf die Emirate und insbesondere auf eurer Leben? Wie denkt ihr über diese Demonstrationen? Werden sie etwas ändern?

Rami: Ich bin mit dem, was in der arabischen Welt passiert und den Revolutionen, vertraut. Wir sind glücklich, nicht davon betroffen zu sein, da wir in den VAE leben. Wir haben aber Freunde und Familien, die in den Länder der Revolution leben, so dass wir sehr viel darüber hören. Unsere Gefühle sind eher gemischt. Ich persönlich denke, dass einige Revolutionen die Zukunft für bestimmte Menschen und ihre Länder verbessern. In anderen Fällen führen sie nur zu Blutvergießen und Verlust von Menschenleben, was eine Schande ist.

IYF: Dann bleibt mir nur noch euch und NERVECELL alles Gute für die Zukunft zu wünschen und hoffe, dass weiterhin Bands aus "exotischen" Ländern die Beachtung und Anerkennung finden, die ihnen gebührt.

Rami: Ich danke dir für deine Zeit und wir hoffen, dass eure Leser jetzt alle los rennen, um sich "Psychogenocide" zu kaufen und uns auf unseren Konzerten in Europa besuchen kommen. Wir werden dieses Jahr auf dem Summer Breeze, dem Brutal Assault und dem Rock am Betonwerk Festival spielen.

Barney: Ich danke dir für deine Unterstützung und vielleicht sieht man sich auf einem der Festivals diesen August.

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