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Reload Festival: "Man sollte uns grundsätzlich auf dem Zettel haben!"

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Reload Festival: "Man sollte uns grundsätzlich auf dem Zettel haben!"

Das Reload Festival, das in diesem Jahr bereits 10-jähriges Jubiläum feiert, hat sich in den vergangenen Jahren vom Geheimtipp zum ernstzunehmenden Metal- und Hardcore-Festival gemausert. Die Besucherzahlen haben sich seit den Anfangstagen verzehnfacht und man konnte in den letzten beiden Jahren mit Headlinern wie LIMP BIZKIT, SLASH, GUANO APES, DROPKICK MURPHYS oder auch PAPA ROACH überzeugen.

In diesem Jahr stehen mit MOTÖRHEAD, HATEBREED, PAPA ROACH, AT THE GATES, SICK OF IT ALL und vielen weiteren hochkarätigen Bands aus den Bereichen Metal, Punk und Hardcore ebenfalls wieder großartige Namen auf dem Line-Up des Festivals.

Passend zum Jubiläum haben wir uns mit Julian Knickmann vom Veranstalter-Team unterhalten und einen Blick hinter die Kulissen des Festivals gewagt - und dabei erfahren, mit wie viel Herzblut dieses Festival Jahr für Jahr organisiert wird.

IYF: Hey Julian, erstmal herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen Jubiläum!

Julian (Reload): Hey - Vielen Dank.

IYF: Wie fühlt es sich an, ein Festival über einen so langen Zeitraum zu organisieren und zu sehen, wie es immer erfolgreicher wird?

Julian (Reload): Das ist wirklich ein geiles Gefühl! Es ist einfach schön zu sehen, dass aus einer kleinen Indoorveranstaltung, die mein werter Kollege und seine Band vor 10 Jahren in Twistringen aus der Taufe gehoben haben, nunmehr ein über die regionalen Grenzen hinaus bekanntes Festival geworden ist, welches bisher auch noch soviel positives Feedback von den Fans widerfahren hat. Da ist das Ganze für viele von uns natürlich über die Jahre zum "eigenen Kind" geworden, bei dem man stolz darauf ist, es aufwachsen zu sehen.

IYF: Seit dem ersten Reload Festival haben sich die Zuschauerzahlen fast verzehnfacht. Zuletzt haben sogar Bands wie Limp Bizkit und Slash bei euch gespielt ...

Julian (Reload): Ja, es ist durchaus beachtlich, was in den letzten Jahren hier mobilisiert wurde und ich denke, wir haben noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, auch wenn gerade die von dir genannten Bands sicherlich bisher zu den Highlights der Festivalgeschichte gehören.

"Ich denke, uns sollte man da einfach grundsätzlich auf dem Zettel haben."

IYF: Andere Festivals haben in diesem Jahr mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen und mussten teilweise sogar abgesagt werden ...

Julian (Reload): Naja, man muss bedenken, dass gerade das Veranstaltungsgeschäft in Deutschland doch sehr schnelllebig ist und die jüngsten Miseren anderer Festivals natürlich auch an uns nicht spurlos vorbeigezogen sind.

IYF: Ein Blick in die Zukunft - sagen wir zehn Jahre - wäre also nicht möglich?

Julian (Reload): An sich erstmal nicht. Deshalb male ich auch noch keine Gedankenspiele, inwieweit sich das Festival in einem Jahrzehnt noch entwickeln wird, denn es kann einfach alles passieren. Klar erhoffen wir uns nur das Beste und die bisherige Entwicklung zeichnet schon ein gutes Bild, aber wie weit das Ganze noch geht, dass kann ich dir leider noch nicht sagen. Uns ist es erstmal wichtig auch bundesweit als etabliertes Festival zu gelten, das wäre für uns der erste Schritt in nächster Zeit und sich gegebenenfalls eben auch durch solche Überraschungen wie eben 2011 Limp Bizkit auszuzeichen. Ich denke, uns sollte man da einfach grundsätzlich auf dem Zettel haben.

IYF: Sorgen um das Reload Festival müssen wir uns aber nicht machen, oder? Wie läuft der Vorverkauf?

Julian (Reload): Nein, Sorgen muss man sich nicht machen. Der Vorverkauf der Frühbuchertickets, die noch im letzten Jahr angeboten wurden, hätte eigentlich besser nicht laufen können. Innerhalb der Rekordzeit von zwei Wochen waren die "Early Bird" Tickets restlos vergriffen und wir waren selber überwältigt von dieser Resonanz. Auch danach konnten weitere Ausrufezeichen gesetzt werden und wir sind guter Dinge, im Sommer 2013 eine neue persönliche Bestmarke im Bereich der Kombikarten aufzustellen, zumal wir noch nicht einmal unser Line-Up finalisiert haben und wir noch einen Schwung von Bands nachlegen werden. Der positive Trend wird also in jedem Fall fortgesetzt.

IYF: Kommen wir mal zur diesjährigen Ausgabe des Reload Festivals. Die bisher bekannt gegebenen Bestätigungen zeichnen ein sehr homogenes Gesamtbild. War es euch wichtig, ein stimmiges und zueinander passendes Line-Up für das Jubiläum zu buchen?

Julian (Reload): Natürlich! Grundsätzlich ist es schon so, dass wir uns sehr viele Gedanken um das Booking machen, bevor wir in die Verhandlungen gehen, eben auch mit dem Hintergrund, ein passendes Gesamtbild im Line-Up zu präsentieren. Wir haben gerade in den Jahren des Festivals in Twistringen immer mal wieder Sachen ausprobiert, von denen wir uns dann letztendlich haben überzeugen lassen oder halt eben auch nicht. Daher ist es uns über die Jahre umso wichtiger geworden, Bausteine im Programm zu schaffen, die irgendwo aufeinander aufbauen. Umso glücklicher bin ich, dass meine beiden Mitstreiter Calvin und Andre in diesem Jahr ein sehr stimmiges Line Up zusammenstecken konnten, was nicht immer die leichteste Aufgabe für die Beiden ist. Denen ist schon daran gelegen, das Optimum an Möglichkeiten auszuschöpfen und ich denke, das ist ihnen durchaus gelungen. Gerade Bands wie Motörhead oder auch Hatebreed passen super in die Entwicklung der letzten Jahre, aber auch der Rest ist passend ausgewählt.

"Wenn Tokio Hotel vor den Festivaltoren stünde, würde ich direkt meine Koffer packen."

IYF: Wenn man sich die Bands anschaut, die in den vergangenen Jahren auf dem Reload Festival gespielt haben, liegt der Verdacht nahe, dass sich Fans von Metal, Hardcore und Punkrock hinter der Organisation verbergen. Wäre es für euch denkbar, auch außerhalb diese Stilrichtungen Bands zu buchen?

Julian (Reload): Durchaus. Die Vergangenheit hat oftmals gezeigt, dass wir immer wieder mal Genres bedient haben, die der ein oder andere vielleicht nicht im ersten Atemzug bei uns erwartet hätte. Klar verfolgen wir schon ein klares Ziel was die grundlegenden Stilrichtungen des Festivals betrifft, nicht zuletzt, um die jahrelangen Fans nicht zu vergraulen, aber ich denke, es hat niemand etwas dagegen, wenn man auch mal etwas Neues beziehungsweise eben Anderes auffährt. Auch, um nicht immer wieder im selben Bandtopf fischen zu müssen, denn dann passiert es schnell mal, dass man sich musikalisch in einer monotonen Umgebung bewegt. Daher möchten wir uns auch gar nicht zu 100 Prozent in eine Ecke drängen lassen, auch wenn wir schon deutlich erkennbar machen möchten, was man ungefähr Jahr für Jahr bei uns erwarten kann. Aber dazwischen sollte auch mal ein gesunder Mix aus dem weitläufigem Spektrum anderer Genres herschen. Da sind zum Beispiel auch solche Exoten wie die Bloodhound Gang zu nennen, die 2009 bei uns eine Welle der Begeisterung ausgelöst haben oder eben die Guano Apes im letzten Jahr, bei denen der Platz am späten Abend bis weit hinter den Tower gefüllt war. Ich denke, das zeigt auch, dass unsere Fans nicht zu fixiert auf bestimmte Genres sind, sondern auch offen anderer Musik gegenüberstehen. Ebenso wie wir es als Team des Festivals tun und daher auch mal die Augen und Ohren in alle Richtungen offen halten.

IYF: Wenn du die Wahl hättest - völlig unabhängig von den Kosten - eine bestimmte Band spielen zu lassen, welche wäre das?

Julian (Reload): Das ist eine echt schwierige Frage ... national wäre das bei mir sicherlich Rammstein, Wahnsinns-Show und einfach eine Bank! Ansonsten könnte ich mir eine Band wie Slipknot oder auch Volbeat ganz gut vorstellen. Allerdings gibt es da unter dieser Vorraussetzung noch viele weitere Namen, die hier stehen müssten. Aber das wären so im ersten Gedankengang meine Kanidaten.

IYF: Und welche Band würde auf keinen Fall auf dem Reload Festival auftreten?

Julian (Reload): Wenn Tokio Hotel vor den Festivaltoren stünde, würde ich direkt meine Koffer packen. (lacht) Nein, mal im Ernst, so etwas ist grauenhaft. Aber ich will mich da jetzt auch nicht durch das Benennen bestimmter Bandnamen unbeliebt machen, andererseits ... kann man das in diesem Fall überhaupt?

"Viele sind noch immer erstaunt wenn sie von uns erfahren, dass wir das nicht hauptberuflich machen"

IYF: Hm, ich glaub eher nicht ... Das Festival ist seit den Anfangstagen ein ehrenamtlich organisiertes Festival. Wenn man eine Größenordnung wie das Reload Festival mit 10.000 Besuchern erreicht hat, wird das dann nicht manchmal schwierig?

Julian (Reload): Es ist schon eine enorme Herausforderungen, ein Festival mit einer solchen Größenordnung ehrenamtlich zu organsieren. Es gibt über das Jahr gesehen eigentlich immer etwas zu erledigen und dazu zählt halt eben auch weitaus mehr, als über 30 Bands ins Programm zu lotsen. Es fallen halt viele kleine Aufgaben und notwendige andere Arbeiten an, die im Vorfeld einer Veranstaltung zu erledigen sind: Anmeldungen, Behördengänge, Gespräche mit der Securityfirma oder den Rettungsdiensten. Dann rüber zu den grundlegenden Dingen wie "Was benötigen wir dieses Jahr an Abperrungen, Dixies, Duschen, Armbändern" usw., bis hin zur notwendigen Öffentlichkeitarbeit in Punkto Onlinewerbung via Homepage, Facebook und was es nicht alles mittlerweile gibt. Wir haben innerhalb unseres Teams eine Aufteilung geschaffen, wer für was genau bei uns zuständig ist, so dass die Lasten für den Einzelnen nicht übermäßig groß werden.

IYF: Ist es nicht auch manchmal problematisch, neben dem normalen Beruf noch einen solch zeitintensiven Job zu machen?

Julian (Reload): Definitiv - das ist das größte Problem. Alles neben den eigentlichen Berufen, denen wir tagtäglich nachgehen, unter einen Hut zu bringen. Da kann man schonmal schnell die Geduld verlieren, wenn nach Feierabend quasi direkt die zweite Schicht beginnt. Aber wenn man dann am Ende der Anstrengungen sieht, dass sich die Arbeit in 10.000 begeisterten Gesichtern widerspiegelt, dass ist dann Balsam genug für die eigene Seele und man merkt dann doch wieder ganz schnell wofür man seine Freizeit opfert.

IYF: Wissen die Leute eigentlich, dass ihr das Festival ehrenamtlich organisiert?

Julian (Reload): Viele sind noch immer erstaunt, wenn sie von uns erfahren, dass wir das nicht hauptberuflich machen. Mittlerweile ist es uns selbst schon unheimlich, aber wir können uns dankenswerterweise auf eine große Basis von freiwilligen Helfern verlassen, ohne die das Festivalwochenende an sich so sicherlich nicht machbar wäre. Da packt jeder einfach mit an, egal wo es gerade brennt, da sind wir wie eine große Familie geworden und es ist fantastisch ein solches Rückgrat zu haben.

Daher an dieser Stelle auch mal ein Dankeschön an unsere Jungs und Mädels!

"Ein solcher Vorfall wäre für ein Festival unserer Größe ein mittelschwerer Super-Gau"

IYF: Das Festival hat viele Jahre in Twistringen stattgefunden. 2011 ging es dann nach Sulingen. Plant ihr auch die kommenden Jahre mit Sulingen oder ist der Standort "noch nicht in Stein gemeißelt"?

Julian (Reload): Wir wurden in Sulingen herrvoragend aufgenommen, da hätte ich so eigentlich nicht mit gerechnet, gerade wenn man erfährt, dass ein Rockfestival sich direkt vor der eigenen Haustür platziert.

IYF: Wie ist das mit den Anwohnern? Von anderen Festivals kennt man es ja, dass das durchaus ein Problem sein kann ...

Julian (Reload): Die Leute in Sulingen haben sich schon nach kurzer Zeit mit der Veranstaltung identifiziert und sind reihenweise begeistert, dass auch mal etwas los ist in der doch recht kleinen Stadt Sulingen, die sonst gerade mal 13.000 Einwohner aufweist. Klar, Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber für uns gibt es dadurch noch lange keinen Anlass am Standort zu zweifeln.

IYF: Wie sieht es in diesem Jahr mit Neuerungen beim Festival aus?

Julian (Reload): Im großen und ganzen bleibt alles beim Alten, nur was das sonstige Programm angeht, da kann man so erstmal ein deutliches JA in den Raum werfen. Wir arbeiten natürlich nicht nur mit Hochdruck an den Bands, sondern machen uns selbstverständlich auch wahnwitzige Gedanken, wie wir unser Rahmenprogamm verbessern können, so dass wir uns vielleicht dadurch von anderen Festivals und Veranstaltungen abheben können.

IYF: Kannst du uns schon Näheres sagen?

Julian (Reload): Naja, neben dem im letzten Jahr eingeführten Partyzelt für After-Show Partys werden wir in diesem Jahr auch wieder auf einen Bungee-Kran zurückgreifen, damit man nicht nur vor Vorfreude auf die Lieblingsband mal in die Luft gehen kann. Ansonsten planen wir noch an diversen kleinen Überraschungen, die wir ausprobieren werden. Was genau das sein wird, sollte man sich dann am besten direkt vor Ort anschauen. Soviel sei aber gesagt, wir betreten mit einem Partner, mit dem wir seit diesem Jahr zusammenarbeiten, Neuland in Sachen Unterhaltung auf dem Campingplatz.

IYF: Hinter einer Veranstaltung wie dem Reload Festival steckt sicherlich auch ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Risiko - wie groß ist die Angst vor einem Unwetter oder tagelangem Regen, wie beispielsweise in Wacken im letzten Jahr?

Julian (Reload): Groß! Nein mal im Ernst, gerade das vergangene Festivaljahr hat uns durch die Vorfälle in Roitzschjora und auf anderen Veranstaltungen doch aufhorchen lassen. Wir versuchen schon so gut es geht, alles zu kalkulieren, aber gegen solche dann eher unkalkulierbaren Einflüsse ist man in dem Moment, in dem es passiert, erstmal machtlos und wir wünschen auch keinem Veranstalter eine solche Situation miterleben zu müssen. Das Wichtigste ist natürlich,  mit solchen Gefahren richtig umzugehen und das Wohl der Besucher so gut es geht in einer solchen Lage aufrecht zu erhalten, bevor man schwere Schäden riskiert. Andererseits wäre natürlich ein solcher Vorfall für ein Festival unserer Größe ein mittelschwerer Super-Gau, daher TOI TOI TOI das wir abgesehen von zuviel Sonne oder etwas Regen in diesem Jahr vor größeren Naturereignissen verschont bleiben.

IYF: Da drücke ich natürlich auch beide Daumen! Ab wann fängt die Planung für das Reload Festival an? Von anderen Veranstaltern kennt man es, dass ein solches Festival durchaus ein Job für ein ganzes Jahr sein kann ...

Julian (Reload): Das ist auch bei uns nicht anders. Auch bei uns gilt der Grundsatz "Nach dem Festival ist vor dem Festival". Speziell für 2013 haben wir schon sehr früh mit den Planungen begonnen. Motörhead beispielsweise standen bereits kurz nach dem Reload 2012 als erste Band für die diesjährige Ausgabe fest. Teilweise ist es auch einfach notwendig, sich früh in Bemühungen um Bands einzuschalten, da eben auch größere Festivals teilweise noch deutlich vor uns mit ihren Planungen beginnen. Es kann aber auch durchaus passieren, dass sich Verhandlungen über Monate erstrecken, bevor man ein finales Ergebnis präsentieren kann, so z.b. geschehen 2011 mit Limp Bizkit. Daher ist es gar nicht verkehrt schon früh am Ball zu bleiben.

IYF: Dann bleibt mir an dieser Stelle nur noch vielen Dank für das tolle Interview und die Einblicke, die du uns gewährt hast, zu sagen. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der diesjährigen Ausgabe des Reload Festivals ...

Julian (Reload): Vielen herzlichen Dank auch von meiner Seite für das Interview, hat wirklich Spaß gemacht und wir freuen uns sehr euch als Präsentator auf dem Festival begrüßen zu dürfen und hoffentlich auch eine Menge "In-Your-Face" Fans und Leser!

Weitere Infos zum Reload Festival

http://www.in-your-face.de/festival/reload-festival-2013
http://www.reload-festival.de

Kommentare

Bild des Benutzers Bang-a-lore

Absoluter Pflichttermin - das Line-Up ist der Hammer! Freue mich schon wieder auf die "drei Tage Chaos"!!!

Bild des Benutzers Gringe

Vor Regen muss man sich dieses Jahr wohl nicht fürchten ... eher vor Schnee :)

Bild des Benutzers Volbeat

Volbeat auf dem Reload wäre der Oberhammer - auf Rammstein würde ich aber lieber verzichten! Freu mich dieses Jahr besonders auf Sick Of It All - das wird der totale Abriss!

Bild des Benutzers Metzgermeister

Respekt an die Leute, die dieses Festival organisieren! Macht weiter so!

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