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SKI KING: Es ist mein Leben, auf der Bühne zu stehen - ich kann nichts anderes.

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SKI KING: Es ist mein Leben, auf der Bühne zu stehen - ich kann nichts anderes.

Am 6. Mai hatten wir die Gelegenheit, den SKI KING auf dem Holstenbrauereifest in Hamburg nach seinem Auftritt zu interviewen. Wir sprachen in gemütlicher Backstage-Bauwagenatmosphäre über ihn, seine Musik und seine Pläne für die Zukunft. Aus einer gelanten halben Stunde wurden über 60 Minuten und deshalb wurde das Interview auch umfangreicher als anfangs geplant. Nichtsdestotrotz haben wir einen sehr entspannten SKI KING kennengelernt, der bereitwillig auf alle unsere Fragen antwortete.

IYF: Die Neverending Road-Tour ist fast vorbei und du hast gerade als THE MIGHTY SKI KING solo auf der Bühne hier in Hamburg gestanden - warum so schnell? Brauchst du nicht irgendwann einmal Ruhe oder ist es dein Leben, auf der Bühne zu stehen?

Ski King: Es ist mein Leben, auf der Bühne zu stehen - ich kann nichts anderes, aber ich muss sagen, es ist schon verdammt schnell. Ich habe das wirklich total unterschätzt, was die Tour angeht. Ich weiß nicht, ob ich einfach so alt bin, dass die Stimme das nicht mehr aushält - ich habe mich wohl erkältet, die Stimme ist total im Arsch. Am Samstag haben wir in Hamburg gespielt, am Montag eine Soloshow, danach am Freitag eine Show in Halle - von Nürnberg nach Halle, danach wieder nach Hause, 6 Stunden schlafen, danach eine private Party als SKI KING, dann mit der Band gespielt und heute früh um 6:00 Uhr ins Bett und um 9:00 Uhr in den Zug nach Hamburg.

Ich liebe es total, auf der Bühne zu sein. Mein Ding ist auf der Bühne. Die momentane Lage mit der Erkältung, da hätte mir ein bisschen Erholung einfach gut getan. Aber das ist einfach nicht drin.

IYF: "Neverending Road" ist dann Programm bei dir.

Ski King: Ja, deswegen habe ich auch den Albumtitel ausgesucht. Mein Leben ist eine Neverending Road, das ist es für jeden Menschen.

IYF: Die "Neverending Road" wird aber nicht wie im Song dein Grab werden ...

Ski King: Nee, ich hab‘s noch nicht vor, aber irgendwann wird es mein Grab werden - da ich nichts anderes mache, wird zwangsläufig die Musik mein Grab werden. Ich kann mir aber auch kein schöneres Grab vorstellen.

IYF: Wenn du mit BELOVED ENEMY, COUNTRY TRASH und als SKI KING unterwegs bist, dann spielt ihr/Du von ganz groß bis ganz klein. Was war denn die kleinste Show, die du jemals gespielt hast?

Ski King: Ich habe mal in einem Wohnzimmer, eine private Geburtstagsfeier, für 4 Leute gespielt.

IYF: Welches Publikum würdest du denn gerne bespielen? Hast du da ein Lieblingspublikum, Rockabillys oder Ähnliches? Oder bevorzugst du bunt gemischt?

Ski King: Ganz ehrlich, also irgendeine bestimmte Szene möchte ich nicht unbedingt anziehen. Ich möchte auch keinen ausschließen, da ich selber so breit gefächert bin in meiner Musik, die ich mache. Es liegt einfach daran, dass ich total auf Verschiedenes stehe, ich mag keine Grenzen und Schubladen. Und das Publikum ist total gemischt und das Publikum, vor dem ich am liebsten spiele, ist das, was sich total begeistern lässt, die mitgehen. Ich brauche nicht unbedingt den Tollenträger oder den Langhaarigen, aber solange die kommen und sich begeistern lassen und mitfeiern und ein schönes Erlebnis mit mir teilen, ist es geiles Publikum.

IYF: Du genießt es richtig.

Ski King: Ich genieße es. Mein Leben ist die Bühne, und Leute haben mich mal beschimpft als Rampensau. Ich steh drauf! Es gibt kein geileres Gefühl, als wenn du ein Publikum hast, das richtig mitgeht - man merkt mir das auch an. Ich versuche professionell damit umzugehen und immer dieselbe Show zu liefern, aber es ist definitiv so: Wenn das Publikum einfach da steht und eine Fresse zieht und nicht mitgeht, dann ist man schon dementsprechend nicht so gut, als wenn ein Publikum vor mir steht und richtig abfeiert. Weil das mich richtig anspornt. Es ist ein Geben und Nehmen.

IYF: Wenn du vor die Wahl gestellt werden würdest zwischen Coversongs und eigenen Songs (COUNTRY TRASH und BELOVED ENEMY), wofür würdest du dich entscheiden?

Ski King: Ich würde mich nicht entscheiden wollen, ich mach so weiter wie bisher, aber ganz ehrlich, das ist ein Thema, das ich die ganze Zeit auf der Tour hatte: Die Leute kommen und ich steh auf der Bühne und sie wollen JOHNNY CASH und die ganzen Coversongs hören. Ich möchte aber auch, dass die Leute mich als Künstler zu schätzen wissen, der eigenes Material macht. Das ist für mich, ganz ehrlich, tausendmal wichtiger. Ich lebe davon die Covergeschichte zu machen, damit verdiene ich mein Geld, wenn ich alleine unterwegs bin, bezahle ich davon meine Rechnungen. Ich liebe es auch, JOHNNY CASH zu singen und habe Respekt vor der Musik, aber ich möchte nicht bekannt sein als der Typ, der JOHNNY CASH und ELVIS singt. Ich möchte, dass die Leute mich kennen als Ski. Ich bin ein eigenständiger Künstler, mache Musik seit über 20 Jahren - ELVIS und den JOHNNY CASH mache ich erst seit 10. Schreibe meine eigenen Songs schon seit den 90ern und möchte schon dafür geschätzt werden und nicht nur als der beste Johnny Cash-Sänger oder was auch immer. Das ist schon nett, aber ich möchte, dass die Leute mich schätzen für die Songs, die ich schreibe.

IYF: Das mit dem Namen Ski und Ski King, wo ist der Unterschied?

Ski King: THE MIGHTY SKI KING ist ein Coverkünstler. Wenn ich mit den WONDERBRAS spiele, sind es Coversongs, dann heißt es SKI KING AND THE WONDERBRAS. Wenn ich meine eigenen Sachen mache, lasse ich den King weg, dann ist es Ski.

IYF: Du ziehst ganz klare Grenzen zwischen den Projekten.

Ski King: Ich versuche Grenzen zu ziehen und den Leuten beizubringen, dass es auch was anderes ist. Wenn die auf einem Plakat lesen "Ski King", dann stehe ich da mit Laptop oder den WONDERBRAS. Wenn da steht "Ski" oder "SKI'S COUNTRY TRASH", dass ich dann da mein eigenes Zeug mache. Ich habe auch ein Album gemacht, auf dem ich mich selbst gecovert habe, Material von allen Bands der letzten 20 Jahre, und das hieß auch nur Ski. Weil es mein eigenes Zeug war.

IYF: Du trittst auf als Ski mit Band, als Ski King mit und ohne Band. Was hat es auf sich mit "Sing with the King"?

Ski King: Ganz einfach, das ist eine Karaoke-Show. Ich habe ungefähr 20.000 Lieder - da singt das Publikum selber ganz normal Karaoke und da ich der Ski King bin, bin ich auch da und singe auch ab und zu selber.

IYF: Wie bist du darauf gekommen?

Ski King: Ich habe in einer Bar gearbeitet, da haben wir Karaoke gemacht und da hat jemand gewusst, dass ich singe, und der einzige Song, den ich kannte, war "In the Ghetto" von Elvis. Dann hat jemand gesagt: "Man, du kannst ja richtig gut Elvis-Songs singen, komm doch mal hoch und singe ein paar Songs." So habe ich angefangen. Die Karaoke-Show ist so entstanden, dass ich immer mehr Playbacks gebraucht habe für meine Show und die dann eingekauft habe. Meine Frau hat dann geschimpft, dass ich so viel Geld dafür ausgebe, und damit sich das lohnt, habe ich dann angefangen, Karaoke-Shows zu machen. Das war aber nicht sehr langlebig, das habe ich 3 Jahre intensiv gemacht und dann hat das Interesse an Karaoke nachgelassen, oder jeder, der eine Playstation hat, hat angefangen, Karaoke-Shows zu machen. Ich wollte das Ding nicht verramschen, ich hab es nie billig gemacht, das sollte etwas mit Qualität sein. Die meisten scheißen aber auf Qualität und werfen lieber die Playstation an.

IYF: Zurück zu den eigenen Liedern, spielst du ein Instrument?

Ski King: Nein leider nicht. Songwriting für mich ist Lyrics schreiben. Ich habe einen einzigen Song geschrieben, wo ich die Melodie eingesungen habe, wie es klingen soll, das war "Fuck You". Ich habe es dann den Jungs gegeben und dann haben die die Melodie dazu geschrieben. Meistens ist es so, dass ich entweder fertige Songs bekomme und ich schreibe die Texte dazu oder damals noch Old-School mit der Band, das war dann 'ne Jam-Session im Proberaum. Aber ein Instrument spiele ich nicht, dann wäre ich wohl heute ganz woanders, wenn ich das könnte.

IYF: Du hast gesagt "die Jungs"...

Ski King: Die momentane Besetzung, das sind Peter und Daniel, die schreiben die Songs.

IYF: Liefern sie dir ein fertiges Demo?

Ski King: Teils, teils. Peter macht seine Songs meistens komplett fertig, weil er so am liebsten arbeitet. Es kann auch mal sein, dass wir uns beide ransetzen, aber meistens macht Peter die Songs komplett fertig.

IYF: Wenn man JOHNNY CASH interpretiert, dann nicht nur wegen der Songs an sich - wie viel Autobiografisches steckt da von dir mit drin und auch in deinen Texten?

Ski King: Ich singe JOHNNY CASH, weil ich sehr viel Respekt für seine Einstellung zum Leben, zur Industrie habe, diese Fuck-you-Attitude; diese "Ich zieh mich ganz in Schwarz an, egal was die Leute denken; ich spiel die Songs, die ich spielen will, egal ob die Plattenfirma das gut findet oder nicht." Die Texte, die ich schreibe, sind meistens Dinge, wie zum Beispiel "Fuck You", einfach über die Scheiß-Kritiker, die Scheiß-Presse, oder die Leute, die mir erzählen: "Wieso lässt du deine Haare lang wachsen, wieso trägst du keine Tolle mehr, warum ziehst du manchmal Chucks an und manchmal Cowboystiefel?" - Ey, lasst mich einfach so sein wie ich will! Meistens ist das, was ich schreibe autobiografisch, aus dem Leben oder manchmal auch nur ein Gefühl.

IYF: Zum Song "Jack Daniels": Du hast längere Zeit gesagt, dass du kein Alkohol mehr trinkst und jetzt tust du es wieder ...

Ski King: ... und sehr, sehr viele Fans sind enttäuscht, weil die so sehr mitgefiebert haben, als ich immer noch nüchtern war. Es ist so, um die Geschichte jetzt ein bisschen richtig zu stellen. Ich habe mich damals dazu entschlossen, ich höre auf zu trinken, und die Leute haben mich genervt: "Ey komm, das kann net sein, ich hab mich so gefreut mit dir zu saufen, du Arschloch!" Die haben mich teilweise richtig beschimpft. Und da habe ich anfangs gesagt: "Hört mal Leute, ich war beim Arzt, wenn ich nicht aufhöre, bin ich in 3 Jahren tot. Also lasst mich in Ruhe damit." Ich wollte einfach Abstand von den Leuten gewinnen, dann hatte ich gesagt: „Ich habe mich entschieden, entweder kann ich feiern und bin irgendwann tot oder ich kann immer noch jahrzehntelang für euch singen!“ Da haben alle gejubelt und mitgefeiert. Da war schon viel Wahrheit in der Aussage drin, so wie ich gesoffen habe. Ich habe teilweise 3 Flaschen Jack Daniels am Abend gesoffen und bin nach ein paar Stunden Schlaf Auto gefahren. Irgendwann wäre ich in den Graben gefahren oder hätte einen Herzstillstand oder irgendwas bekommen. Aber so schlimm war das nicht, dass ich wirklich mal in Lebensgefahr war, abgesehen vom Lebenswandel. Und jetzt war ich mal 2 Jahre nüchtern, da habe ich einfach meine ganze Denkweise geändert, früher hab ich gesagt, ich bin Rock 'n' Roller, ich will nicht ewig leben, ich will keine 50 werden. Ich habe das wirklich gelebt. Meine Frau hat mir das immer gesagt: "Ich habe es verleugnet, aber ich wollte mich zerstören. So in der Art wie alle anderen Rock 'n' Roller sich zerstören. In der Zeit, in der ich nüchtern war, ist mir klar geworden: Ich will mich nicht zerstören. Ich will leben. Und nach 2 Jahren hab ich gesagt, ich will leben, aber ein komplett nüchternes Leben ist auch nicht meins. Ich versuche im normalen Maße zu trinken. Statt eine ganze Flasche Jack Daniels zu trinken, ziehe ich 2-3 Mal davon und gebe den Rest dem Publikum, oder ich trink ein Bier statt (einen) Whiskey. Ich versuche im normalen Rahmen zu feiern, manchmal auch ein bisschen länger. Ich hab das ziemlich gut unter Kontrolle. Manche Leute haben auf der Tour gesagt: "Man, du siehst fertig aus." Das lag aber nicht am Alkohol. 2 Stunden jeden Abend bei 45 Grad auf der Bühne, das ist wie ein Marathonlauf, man ist fertig. Ich muss sagen, ich mache mich gern fertig. Wenn ich zu Haus bin, dann fahre ich 100 Kilometer Fahrrad, weil ich dieses Gefühl mag, dass ich mal was geleistet habe. Und dann sagen die Leute: „Du siehst fertig aus, du solltest mal aufhören zu saufen.“ Es liegt nicht am Alkohol, ich hätte auch so ausgeschaut, hätte ich keinen Tropfen getrunken, weil es einfach anstrengend ist.

Dann gibt es Leute, die sagen: „Wenn du wieder anfängst zu trinken, dann bin ich dein Fan gewesen.“ Das tut mir echt leid, ich hätte diese ganze Situation polarisieren sollen, ob ich trinke oder nicht, eigentlich kann einem das scheißegal sein. Die Leute sollen kommen und mich sehen, weil ich ein guter Musiker bin - nicht wegen meiner Klamotten, nicht wegen meiner Haare oder ob ich trinke. Ich versuche schon ein bisschen, mit den Leuten mein Privatleben zu teilen, weil ich ihnen diese Nähe anbieten will. Aber die sollen sich nicht zu sehr dran aufhängen, jeder sollte den gewissen Freiraum haben, um sich selbst zu sein.

IYF: Wie viel Einfluss haben die Fans, die vor der Bühne stehen oder dein Fanclub, die King's Guardians, auf Dich?

Ski King: Die Fans beeinflussen mich, wenn sie gut drauf sind und mitgehen, dann beeinflussen die mich, dass ich noch mehr Gas gebe und noch mehr Party mache. Ich mache das, was ich machen möchte. Na gut, wenn die wollen, dass ich zum Beispiel "Neverending Road" spiele und das in den Rahmen passt, dann mache ich das. Aber meistens ziehe ich halt meinen Stiefel durch, weil mir das auch Spaß macht.

IYF: Deine Präsenzen pflegst du ja zum größten Teil selber - Webseite, Facebook-Profil.

Ski King: Alles, ich mache alles selber. Außer vielleicht bei den Einladungen zur Tour, das war ein bisschen zu viel Arbeit, da hab ich jemanden gefragt, ob der das macht. Es schreibt so oft jemand: "Bist du das persönlich oder ist das jemand anderes?" Also das könnte kein anderer - ich kenne auch Künstler, die das machen lassen, aber das ist nicht mein Ding. Ich mach das lieber selber.

IYF: Was sind deine Pläne für die Zukunft? Möchtest du das im Wechsel so weitermachen, zwischen THE MIGHTY SKI KING und den Bands BELOVED ENEMY, COUNTRY TRASH und SKI KING AND THE WONDERBRAS, oder willst du dich auf etwas konzentrieren?

Ski King: Schwierig. Ich hätte gerne, dass eine von den Bands, am liebsten COUNTRY TRASH, so gut laufen würde, dass ich davon leben könnte. Dann würde ich nur das machen, aber das ist sauschwer, weil das sind dann 6 Leute, und dann muss genug Geld reinkommen. Ich teile auch brüderlich mit meinen Leuten. Und wir sind weit davon entfernt, dass wir davon leben können. Das heißt, ich muss den Ski King machen, wie gesagt, der zahlt meine Miete. Ich würde niemals die Band aufgeben, niemals. Wenn das heißt, dass ich noch mehr arbeiten muss, dass ich es mir leisten kann mit der Band aufzutreten, dann muss ich das machen. Ganz ehrlich, wenn ich mal in die Verlegenheit kommen würde, dass ich von COUNTRY TRASH allein leben könnte, könnte ich mir schon vorstellen, THE MIGHTY SKI KING einzuschränken, so dass die Leute mich als Ski sehen und nicht als Johnny Cash-Sänger.

IYF: Bist du mit deinen ganzen Projekten jetzt am Ziel angekommen oder willst du noch mehr machen?

Ski King: Ich habe jetzt eine Anfrage bekommen vom Bassisten von Beloved Enemy, der möchte noch ein Projekt starten. Der hat mir auch schon 10-12 Demosongs geschickt, und dann werden wir demnächst mal zusammen ins Studio gehen. Musik ist mein Leben, ich bin immer offen für neue Dinge. Ich habe jetzt auch so ein Soul-Chill-Projekt mitgemacht. Hauptsache ich mache Musik, das ist wirklich das Allerwichtigste für mich. Ich werde nicht sagen, dass ich fertig bin und ich brauch nichts mehr, das ist alles eine Zeitfrage. Mit BELOVED ENEMY mache ich dieses Jahr einen Auftritt und vielleicht nächstes Jahr auch nur einen. Ich liebe diese Band auch, aber das wird nie mehr werden als ein Projekt, leider. Es ist in der Goth-Szene oder Goth-Metal leider einfach alles so festgefahren. Ich will jetzt niemandem auf die Schuhe pissen, aber die Leute sind einfach sehr introvertiert in ihrer Szene, ich hatte vorher gesagt, man soll das geheim halten, wer ich bin, mich einfach den Dead L-vis nennen. Dann kam die Geschichte raus, dass ich den Peter Kafka mal in der Karaokebar getroffen hatte und der begeistert war von meiner Stimme, dass ich JOHNNY CASH und ELVIS und Country singe, und da hat die Szene gesagt: "Nö, der is net echt! Der is net true." Ich gebe 150% bei BELOVED ENEMY, so wie bei jeder anderen Band. Ich bin nicht ein Mensch, der sich einen Stiefel anzieht; macht mich das weniger "true"? Bullshit! Ich bin ein vielseitiger Musiker, aber die Leute verstehen das nicht. Genauso, wie viele Rockabillys nicht mehr zu meinen Shows kommen, weil ich BELOVED ENEMY mache. Okay, dann kommt halt nicht mehr, das tut mir echt leid. Ich würde niemanden auf die Schippe nehmen oder mich über irgendjemanden lustig machen. Ich mach das so, wie ich das mache. Ich meine das ernst. Wieso kann ich nicht Rock 'n' Roll spielen und Gothic? Wo steht das geschrieben, dass man das nicht kann? Es wird einfach nicht funktionieren, und bevor ich noch mal mit dem Kopf durch die Wand haue und die Leute zwinge, BELOVED ENEMY anzuschauen, ziehen wir uns einfach zurück und wenn Angebote kommen, spielen wir und wenn nicht, dann nicht.

IYF: Würdest du dir wünschen, bekannter zu sein, auch wenn das mehr Arbeit bedeutet?

Ski King: Es ist so ein zweischneidiges Schwert: Ich möchte schon bekannter sein, um das Geld zu verdienen mit der Band. Damit wir davon leben können, müssten wir viel bekannter sein. Aber ich will kein Star sein, ich will das nicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich gehe arbeiten. Das ist mein Leben, ich liebe es, aber das ist Arbeit. Ich will nicht irgendein Gott oder ein Rockstar sein, das ist mir völlig fremd. Ich will mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Wenn man zu bekannt wird, kann es sein, dass man den Kontakt zum Boden verliert. Aber wenn man nicht berühmt wird, verdient man kein Geld. Die Jungs in der Band würden mir da widersprechen, die würden bestimmt gerne Stars sein, aber ich bin nicht so. Mir wird oft vorgeworfen, dass ich arrogant und eingebildet bin. Bin ich nicht, ich bin ein ganz normaler Mensch. Das brauch ich net, ich weiß, wie ich ausschaue ... ich bin 1,85 m und wiege 120 Kilo, also das ist schon ein Brocken Fleisch. Wenn jemand das imposant findet, ist es okay. Eigentlich bin ich ein ziemlich bescheidener Mensch.

IYF: Du bist nach Deutschland gekommen durch die Army ...

Ski King: Ich bin in die Army gegangen, um nach Deutschland zu kommen. Ich komme aus ziemlich armen Verhältnissen und ich wollte raus. Mein Großvater war in Deutschland nach dem Krieg stationiert und hat meine Großmutter kennengelernt. Meine Mutter ist in Frankfurt geboren, die ist Deutsche. Ich habe diesen Gedanken gehabt, ich möchte das Land besuchen, wo meine Familie herkommt und mir vielleicht auch eine deutsche Frau angeln und dann wieder rübergehen in die Staaten, so wie mein Opa. Dann bin ich hergekommen und ich habe mich einfach verliebt in das Land und bin hiergeblieben. Ich finde die Mentalität hier viel freier. Amerika ist ein sehr konservatives Land, und ich fühle mich hier sehr wohl, weil Deutschland sehr viel liberaler ist. Natürlich gibt es hier Extremisten, links als auch rechts, aber es ist trotzdem im Ganzen viel liberaler und ich fühle mich hier viel wohler.

IYF: Du würdest nicht mehr in die USA zurückgehen?

Ski King: Da zieht es mich überhaupt nicht hin. Zu Besuch ja, aber als Künstler nicht. Künstler und Musiker haben in den USA ein ganz hartes Los, ich wäre nie der Ski King geworden, wenn ich da geblieben wäre. Vor allem schaffst du es da drüben nur, wenn du Imitator bist - ich bin kein Imitator. Du siehst mich nicht, wie ich da oben stehe und jede Bewegung von ELVIS nachmache. Ich bin Sänger, ich singe seine Songs und versuche ein bisschen, wie er zu klingen. Ich interpretiere ihn freier, in Amerika wäre ich damit total durchgefallen, da hätte ich gar keine Chance. In Las Vegas hatte ich jemandem gesagt, ich würde Elvis singen und der hat zu mir gesagt: "So wie du aussiehst, kannst du kein Elvis singen." Das ist die Attitüde in Amerika.

IYF: Wenn man all deine Projekte anschaut, kann man deine offensichtlichen Einflüsse runterbrechen auf JOHNNY CASH, ELVIS und ...

Ski King: Lemmy! Johnny, Lemmy, Elvis - in der Reihenfolge. Johnny und Lemmy sind nicht nur die Musik, sondern vielmehr die Lebenseinstellung. Bei Elvis ist es die Stimme. Elvis als Person gibt mir nicht so viel wie Johnny und Lemmy. Elvis war ein großartiger Mann, aber das, was man so über ihn hört und sieht, war er eine Marionette. Er war am Schluss nur noch in Vegas und hat am Ende dort 7 Shows machen müssen. Er hat niemals gesagt: "Ich mach, was ich machen will". Seine ganze Karriere war geplant von jemand anderem, ein kleines bisschen Skandal über den Saubermann, so dass die Mädels verrückt werden - das war totale Überpromotion. Ich mag auch nicht alles von MOTÖRHEAD, muss ich auch nicht, manches ist ziemlich schlecht, aber sie haben auch viele geile Songs. Weil es ihm nicht darum geht, sondern um die Lebenseinstellung. Ich kann mir auch nicht alles von JOHNNY CASH anhören, irgendwann hängt es mir zum Hals raus. Aber saugeile Geschichten hat er geschrieben und so wie er seinen Weg gegangen ist. Es geht dann weiter, die ganzen Hard Rock-Sachen: AC/DC. Metal: METALLICA, IRON MAIDEN. Ich mag alles.

IYF: Aber du bist mit Country groß geworden?

Ski King: Ich bin zum Großteil mit Country-Musik aufgewachsen. Es hat mal jemand eine Kritik geschrieben und gesagt, ich soll doch mal zu meinen Wurzeln zurückkehren und mehr Elvis machen und nicht dieses ganze Country-Zeug. Hey Leute, meine Wurzeln liegen im Country. Ich war das einzige Kind in der High-School, das mit einem Cowboy-Hut rumlief. THE BOSSHOSS haben mir Mut gegeben, das zu machen und der Sascha selber hat zu mir gesagt: "Wenn du damit groß geworden bist, dann mache das." Daraufhin habe ich gesagt, das kann ich nicht machen, ihr seid schon da. Und seine Antwort war: „Die Welt ist groß genug für zwei Country-Bands.“ Da habe ich mich dann auch mit dem Ski King in die Richtung orientiert. Die Rockabilly-Szene ist so überflutet. So viele Leute, die sich einen Kontrabass schnappen, sich Pomade in die Haare schmieren und 3 Akkorde spielen. Soll'n die's halt machen, bitte, ich mag das, mache weiter. Ich wollte aber ein bisschen eigen sein, was machen, was nicht jeder macht und deswegen bin ich in Richtung Country mit dem Ski King gegangen. Es gibt COUNTRY TRASH, wo ich auch gesagt habe, dass ich den Country-Einfluss hörbar in der Musik haben will, aber ich will den Leuten auch noch eins auf die Nuss geben. Dann machen wir halt noch ein bisschen Punk, ein bisschen Metal mit rein.

IYF: Wie definiert man den Country Trash?

Ski King: Muh-Metal meets Cowcore. Das reißt die Grenzen runter und zerschmettert das Schubladendenken. Es ist was Neues, ohne dass wir was Neues erfunden haben, da alles schon da war. Es ist was Neues, weil es die Mischung in dieser Art noch nicht gab. Bis jetzt war immer der Vergleich mit BOSSHOSS da. Stimmt überhaupt nicht mehr, wir sind so weit davon entfernt und die haben sich auch weiter entfernt. Wir haben beide andere Richtungen eingeschlagen. Es gibt keine andere Band, die ich kenne, die Muh-Metal/Cowcore macht. Wir kommen auch sehr gut an, weil es eben sehr viele Leute anspricht, vielleicht nicht die große Masse, aber das ist auch okay so. Da ist alles drin von der schönen Country-Schunkelnummer bis Ab-ins-Moshpit-and-go. Ich finde Vielfalt wichtig, aber ich kann definitiv nicht leugnen, dass meine Wurzeln im Country liegen.

IYF: Gibt es denn eigentlich Veranstaltungen, die du als Solo-Künstler oder mit Band nicht bespielen würdest?

Ski King: Ich würde niemals für eine politische Sache spielen – ob das Links- oder Rechtsradikale sind. Ich spiele nicht für Radikale, ich finde das alles doof. Ich hasse Extremisten, ich hasse Politiker allgemein. Ich würde nie für die CDU, SPD oder Parteidinge spielen, da setze ich meine Grenze. Ich würde fast für jeden spielen, solange ich nicht damit meinen guten Namen ruinieren würde.

IYF: Du bist glücklich verheiratet. Wie gehst du damit um, von den Mädels umlagert zu werden?

Ski King: Ich habe meine Frau. Meine Frau schaut schon ein bisschen komisch, wenn sie die Fotos sieht, wie ich ein Mädchen im Arm habe. Das ist aber meine Nähe zu den Fans. Wenn die ein Foto vom Ski King haben wollen, dann gebe ich denen das. Das ist für mich aber bedeutungslos, ich habe eine Frau. Ich brauch die ganzen anderen nicht, keine Versuchung. Auf der Tour hat mal einer gesagt: "Ey, ich hab die ganzen Mädels mitgebracht." Daraufhin habe ich gesagt: "Schön, ich habe aber eine zu Hause, das reicht mir." Ich bin jetzt 44, ich steh mitten im Leben, mit beiden Füßen auf dem Boden, habe eine sehr, sehr tolle Frau, die wirklich alle Hochs und Tiefs mit mir durchgemacht hat und ich würde nichts tun, um das zu gefährden. Das bockt mich null an, irgendwelche Mädels, die mit mir schlafen wollen, weil ich der King bin. Das ist der falsche Ansatz. Die kommen alle, weil ich der Typ auf der Bühne bin. Ich will kein Rockstar sein. Das meine ich ernst. Da gibt‘s genügend andere Jungs, die können die Mädels haben. Ich geb mal 'ne Umarmung oder ein Bussi, aber das war's.

IYF: Was wirst du denn als nächstes musikalisch machen?

Ski King: Es ist in Planung, dass ich mal ein Album mit den WONDERBRAS machen will. Das ist alles eine Zeitfrage. Meine Jungs haben schon den Auftrag, die nächsten Songs für COUNTRY TRASH zu schreiben, ich möchte bis spätestens Ende des Jahres ein neues Album haben und in Planung gehen für die nächste Tour 2013. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob ich jetzt noch ein neues SKI KING-Album mache. Es kann sein, dass das Album mit den Wonderbras der Ersatz für das jährliche SKI KING-Album sein wird. Dass es kein Solo-Album wird, sondern mit denen. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Drei oder vier Alben in einem Jahr zu veröffentlichen, ist schon ein bisschen viel.

IYF: Du hast ja auch jetzt die Schlagzahl ein wenig erhöht.

Ski King: Der Normalturnus ist ein Album pro Jahr. Manche Bands brauchen 5 Jahre für ein neues Album, für mich einmal im Jahr, das ist normal. Ich habe innerhalb von 4 Monaten 2 Alben herausgebracht, SKI KING und COUNTRY TRASH, aber das sind zwei verschiedene Projekte. Ein Jahr vorher das letzte SKI KING Album und fast ein Jahr nach Trash Valley. Das muss man abwiegen, ob ich als SKI KING AND THE WONDERBRAS oder SKI KING solo und COUNTRY TRASH. Die Fans werden sich freuen, und wenn's nach den Fans gehen würde, könnte ich wohl alle 6 Monate ein neues Album machen. Das ist aber ein Haufen Arbeit, das Studio kostet, die Presse und die Werbung. Das ist viel Kohle und Arbeit und das muss wieder reingewirtschaftet werden. Da bin ich doch ein Sklave des Systems.

Ich freu mich aufs nächste COUNTRY TRASH-Album, wahrscheinlich wird es heißen "Road Stop in Hell". Da gibt's auch einen roten Faden, das erste war "Welcome to Trash Valley", dann waren wir im "Trash Valley", dann weiter auf der "Neverending Road" und danach der "Road Stop". Es ist eine große Reise, jedes Album wird irgendwas damit zu tun haben, mit ankommen oder unterwegs sein, immer auf Reise.

IYF: Ich danke für das Gespräch.

Ski King: Rock 'n' Roll Forever!

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Kommentare

Bild des Benutzers Snowboard King

Yes, der Ski King rockt! Danke für das geile Interview ...
Hoffentlich schafft er es wirklich, so mit dem Alkohol umzugehen, wie er behauptet!

Bild des Benutzers jule

Glaub ihm ;) er ist ein toller Künstler und Mensch ....mit lebenserfahrung die andere ihr ganzes Leben nicht erreichen.....Vertrauen heist das zauberwort ;)....ich tus ...und bin jedes mal auf s neue überwältigt von Show und Chef ;)

Bild des Benutzers virgomania

All hail the female slap-bass-player :) hat dich der chef auch überredet, hier vorbeizuschauen? :)

Standhaftigkeit durch blaue Pillen!
Bild des Benutzers jule

Neee ;) er braucht nicht überreden ich bilde mich auch so gerne weiter was ihn betrifft ...lol ;) schönes Interview im Übrigen :D

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