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A WILHELM SCREAM, SHARON TATE - 08.08.2012 - Bremen, Tower

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A WILHELM SCREAM, SHARON TATE - 08.08.2012 - Bremen, Tower

Normalerweise lege ich beim Schreiben von Reviews und auch von Konzertberichten Wert darauf, möglichst zu betonen, dass es sich bei dem Text um meine subjektive Meinung handelt. Ich bin in den Kommentaren oft genug von wütenden Fans gewisser Bands angepöbelt worden, um zu wissen, wie wichtig es ist, eigenes Geschreibsel als Meinung und nicht als Fakt hinzustellen. Das gesagt nun folgender Fakt: A WILHELM SCREAM sind eine der besten Live-Bands, die die Rockszene im Moment zu bieten hat. Ich lasse mich in den Kommentaren gerne aufgrund meiner Ignoranz festnageln und beschimpfen, aber um einmal ganz ehrlich zu sein, muss ich doch sagen, dass ich mir bei Jedem, der mir hier widersprechen möchte, denken werde „Du hast keine Ahnung und deine Meinung ist falsch“. So einfach ist das.

Ehrensache also, dass auch mitten in der Woche die Freundin ins Auto gesetzt wurde, um sich die Band um Sänger Nuno Pereira im Tower in Bremen anzuschauen. Dort angekommen wurde nun also kurz die sehr interessant und irgendwie mittelalterlich gestaltete Location bewundert, mit dem netten Personal interagiert und ein wenig auf den Opening Act gewartet, der gegen 21 Uhr die Bretter betreten sollte. Nicht wirklich spektakulär, aber so ist das nun einmal leider an einem Mittwochabend.

Besagter Opener waren die vier Ostfriesen von SHARON TATE, die dem Publikum mit einer etwas eigenwilligen Oldschool-Hardcore-Auslegung, die auch den ein oder anderen Stoner-Sprenkel enthielt, gehörig einheizen wollten, was nur sehr bedingt gelang. Zwar muss man SHARON TATE zu Gute halten, dass die Band sichtlich bemüht war, das Publikum zu animieren, dass allerdings stets eine gewaltige Lücke zwischen den Musikern und der noch nicht sehr zahlreich erschienenen Besucherschar klaffte. Am Einsatz von SHARON TATE dürfte dies nicht gelegen haben, eher wohl daran, dass man musikalisch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei servierte. Die Shouts waren nicht besonders druckvoll, die Rhythmus-Fraktion etwas unpräzise und wenig fließend und die Songstrukturen größtenteils doch eher vorhersehbar. Spitze hingegen war die Gitarrenarbeit von Saitenakrobat Björn, der den Auftritt der Band deutlich aufwerten konnte. Mit einem gewagten Stil, der bei Zeiten durchaus Vergleiche zu Tom Morello rechtfertigen konnte, war der Gitarrist von SHARON TATE das Highlight der Band, das die anderen Musiker deutlich in den Schatten stellte. „Überqualifiziert“ würde man das wohl auf dem Arbeitsmarkt nennen. Etwas enttäuscht machten sich SHARON TATE dann nach etwa einer halben Stunde wieder von dannen und somit auch die Bühne frei für den Grund, aus dem sich inzwischen etwa 60 Zuschauer im Tower eingefunden hatten.

Und was soll ich an dieser Stelle noch groß zu A WILHELM SCREAM sagen? Jeder, der noch nicht die Möglichkeit hatte, die dauergrinsenden Punkrock-Virtuosen aus Massachusetts live zu sehen, sollte auf der Stelle aufhören, diesen Artikel zu lesen und schnellstmöglich einen Flug zum nächsten Auftritt der Band buchen. Auf einem unglaublichen handwerklichen Level kloppten sich A WILHELM SCREAM durch Nummern wie „Me vs. Morrissey In The Pretentiousness Contest“, „We Built This City On Debts and Booze“, „The Horse“, „The Soft Sell“ „I Wipe My Ass With Showbiz“ oder „William Blake Overdrive“. Und, obwohl die Band auf einem Niveau agierte, das vielen Progressive Metal-Bands noch die Kinnlade herunterklappen lassen dürfte, konnten A WILHELM SCREAM durch eine unglaubliche Menge an Spielfreude und Energie überzeugen. Zwischen absolut makellosen Tapping-Einlagen, Bass-Soli und unglaublich präzisem Drumming fand die Band immer wieder Zeit, dem Publikum ein breites Grinsen zu präsentieren, dass die Aussage „Ich liebe es, genau jetzt auf genau dieser Bühne zu stehen“ stärker betonte, als es Worte alleine ausdrücken könnten. Dass der Pit vor der Bühne dabei nur etwa 10-15 Menschen und zwei Affen (bzw. Besucher mit Affenmasken) umfasste und der Sound allgemein etwas zu leise war, hielt A WILHELM SCREAM zu keinem Zeitpunkt davon ab, mit vollem Einsatz nach vorne zu preschen und zwischen den Songs sympathisch und authentisch mit dem Publikum zu interagieren. Dabei wurde das ein oder andere Bier oder Handtuch ebenso mit den Besuchern geteilt, wie etwa die Geschichte davon, dass Frontmann Nuno Pereira betrunken auf dem Fahrrad versucht hatte, eine Pizza zu transportieren und dabei von einem ebenfalls betrunkenen Autofahrer angefahren worden war. Direkt gefolgt von der Ansage, dass es auch in Ordnung sei, sich an einem Mittwochabend einmal gehörig die Kante zu geben, versteht sich. Selten erlebt man eine Band, die es schafft, so bodenständig, authentisch und dabei doch so unterhaltsam aufzutreten.

Nach gut 70 Minuten war dann auch Schluss mit A WILHELM SCREAM, die direkt nach dem Auftritt von einem Major-Label einen Millionenvertrag angeboten bekamen und umgehend auf „Nur die größten Stadien der Welt“-Tour geschickt wurden. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass dies in einer Paralleldimension irgendwo passiert sein muss, in der harte Arbeit, Einsatz und Liebe zur Musik und den Fans belohnt wird. In unserer tristen Realität musste sich die Band mit einigen Umarmungen und Handshakes nach der Show begnügen und auch wir traten zufrieden den Heimweg an. SHARON TATE hatten nicht unbedingt überzeugt, aber A WILHELM SCREAM hatten einmal mehr bewiesen, dass sie derzeit eine der besten Livebands überhaupt sind. Wer A WILHELM SCREAM verpasst, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Kommentare

Bild des Benutzers Superhero_MC

Hab die Band letztes Jahr in Dortmund gesehen und kann das nur unterschreiben. Unfassbar gut die Jungs!!! Sollte da nicht auch ein neues Album kommen????

Bild des Benutzers Werner

Das wird gerade noch gemastert. Einen Erscheinungstermin gibt es aber soweit ich weiß noch nicht...

Bild des Benutzers s!cko

Am Wochenende auf'm Area4 das Glück gehabt, die Jungs mal wieder zu sehen. Unglaublich geil einfach nur, auch wenn die Sonne Sonntags um 12 Uhr ziemlich übel war.

Bild des Benutzers SaSe

Heute Abend im Knust: A Wilhelm Scream, Good Riddance, The Flatliners. Top Line up und nach deinem Bericht gleich nochmal soviel bock

Bild des Benutzers Stefan

Das neue Album von A Wilhelm Scream soll nächstes Jahr im Frühjahr rauskommen. Das haben sie gestern auf dem Konzert in HH gesagt.

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