BAD RELIGION, ETERNAL TANGO - 09.06.2010 - Hamburg, Docks
BAD RELIGION, ETERNAL TANGO - 09.06.2010 - Hamburg, Docks
Greg Graffin auf dem Weg in die wartende silberne Luxuslimousine. Eine warme Junisommernacht nach der Hamburger Show der amerikanischen Punkrock Titanen BAD RELIGION bietet das Umfeld zu einem bizarren Szenario, hinter dem Docks, in einer Seitenstraße direkt vor der Prinzenbar. Ein argentinischer Fan bittet um Photo und Unterschrift, während zwei deutsche Fans fast hyperventilierend vor Freude ihre T-Shirts vom gut gelaunten Dr. Greg signieren lassen. Kurz darauf verschwindet Graffin geleitet von mehreren Bodyguards zum Stuttgarter PKW ins Hotel. Graffin Superstar has left the building.
Die Band ist auf ihrer Geburtstagstour. 30 Jahre BAD RELIGION.
Ein kostenloses Livealbum zum Download dient als Geburtstagsgeschenk an Freunde und Fans. 15 Alben, Enzyklopädien von Tracks, Endlos-Touren durch Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Eine Band deren Einfluss auf den amerikanischen und europäischen Punkrock ganze Musikergenerationen zu 2-minutigen Songakrobaten ausgebildet hat, gibt sich für drei Clubshows im Juni 2010 in Deutschland die Ehre. Bielefeld. Berlin. Hamburg.
Freundlich warm gespielt wurde die Beschallungsanlage des Hamburger "Docks" von den Luxenburgern ETERNAL TANGO. Sauber eingespielter Punkrock, was hatte man anders erwartet. Unterbrochen von weniger witzigen noch humorvollen Ansagen des Bassisten Tom Gatti präsentierte man frische Lieder aus dem aktuellen Longplayer "Welcome to the golden city". Nach einer Coverversion des Queen Klassikers "Don´t stop me now" empfahl man sich eher, als zu langweilen. Hatte Mr.Graffin in demokratischer Abstimmung Jahre zuvor schon den Support aufgrund von Missfallen an der musikalischen Qualität aus dem Billing gestrichen, so wurden ETERNAL TANGO auch für die noch im Juli anstehenden Shows verpflichtet.
Ein sich mehr und mehr füllendes Docks mutierte zur saunaähnlichen Schweißhalle. Die Show der in Europa ohne Brett Gurewitz auftretenden BAD RELIGION sollte beginnen. Das Backdrop der Punkdinosaurier stand sinnbildlich für die Songauswahl an diesen Abend. Das durchgestrichene Kreuz, umgeben von den Plattenicons der wichtigsten Publikationen der Bandgeschichte. Ein Querschnitt aus den Alben der Vergangenheit mit einer aufregenden Zahl von 28 gespielten Tracks diente als Grundlage der Setlist. Brian Baker, in der Agilität eines Slash von Guns´n´roses, der sich mit zwei Ventilatoren auf der Bühne direkt vor sich postiert, Frischluft um die Ohren pusten liess, wirkte bei seinen Soli weder müde noch verbraucht. Im Wechselspiel mit Greg Hetson katapultierte die Gibson-Les Paul-Gitarrenfront Soli, die den Songs im wirklichen Sinne dienten. Ein Feuerwerk aus den Best-of Alben der 3 Minuten Tracks folgte. "Recipe for hate", "A walk", "Suffer", "I want to conquer the world", "Los Angeles is burning", "Along the way" oder "American jesus".
50 jährige Punkveteranen trafen auf junge Konzertgänger, die BAD RELIGION scheinbar zum ersten Mal sahen. Ein Gefühl wie auf einer AC/DC Show, bei dem das Wort musikalisches Generationentreffen zu neuen Ehren kam.
Brooks Wakerman am Schlagzeug liess sich durch einen ihn teils zu kontrollieren versuchenden Greg Graffin nicht irritieren und spielte ein dominierend fehlerloses Set. Man merkte der Band im Zusammenspiel an wesentlich sicherer und eingespielter auftreten zu können als es auf der "New maps of hell"-Tour der Fall war. Etwas müde trotz stetigem Dauergrinsen wirkte Bassmann Jay Bentley. Gelang es ihm diesmal die Backing Vocals in glatter Kooperation mit Brian Baker ohne schiefe Töne zu präsentieren, sah man ihm am ehesten den straff gestalteten Tourplan an. Greg Hetson kontrollierte seinen Bühnensound über ein ihm unterstellten Bühnenmischpult. Der andere Greg, wirkte teils zynisch, das Publikum zwar dankbar umwerbend aber doch auch erheitert in Dialoge verwickelnd, deren Ausgang mehr für Ihn humorvoll war als für die eh applaudierenden Massen. Ein Doktor mit Professorentitel verirrt sich halt seltener auf eine Bühne, noch seltener als Frontmann einer amerikanischen Punkrockband. BAD RELIGION sind auf Tour ohne Album, welches im Herbst diesen Jahres erscheinen wird.
BAD RELIGION spielten in Hamburg vor ausverkauftem Hause. 1500 Zuschauer machten das Hamburger Docks an diesem Abend für die fünf Nordamerikaner trotz dem sich zugegebener Weise einstellenden Gefühl, nach fünf Tracks die Struktur der Songs zu durchschauen, zu einem hitzigen Pogospaß. Die Band ist so etwas wie ein Erlebnis in musikalischer Form, dass man sich gerne hin und wieder mit begeisternder Genugtuung mitsingend antuen kann. BAD RELIGION schaffen es nach 30 Jahren Bandgeschichte mehrere Generationen zu begeistern und sich dabei selber zu feiern. Intelligente Texte und Spaßfaktor, Alt und Jung sowie drei Minuten in Langlebigkeit verbinden sich bei BAD RELIGION zu einem Konzerterlebnis, bei dem man auf dem nach Hause Weg schon mit Freude ans nächste Album denken kann.



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