BRIAN SETZER'S ROCKABILLY RIOT - 15.07.2011 - Hamburg, Große Freiheit 36
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BRIAN SETZER'S ROCKABILLY RIOT - 15.07.2011 - Hamburg, Große Freiheit 36
Das Konzert eines der grandiosen Ausnahmegitarristen unserer Tage stand unter negativen Vorzeichen. Es wurden so wenig Tickets verkauft, dass es im Hamburger Stadtpark als "wenig gefüllt" untergegangen wäre. Eine neue Location in der 1000 Leute das Gefühl vermitteln, den Status "ausverkauft" zu erleben, fand sich. Statt "Open Air im Stadtpark" ein "Sold Out in der Großen Freiheit 36" - eine Korrektur, die betriebswirtschaftlich, wie stimmungstechnisch aufging.
Die aus Stockholm stammenden THE KNOCKOUTS boten als Trio aufgestellt mehr als man von einem Durchschnittssupport erwarten darf. Trotzdem, für Brian Setzer den "König des Rockabilly" zu eröffnen, hat schon etwas Bemitleidenswertes. Irgendwo zwischen Aufwärmfunktion der PA und Start des Konzertes um der Aktionswillen. Dominierend war definitiv die Rolle des sauber akzentuierenden Drummers Ted Jergelind und seinen Versuchen, den überforderten Kontrabassisten Ken Stone mitzunehmen. Gitarrist und Sänger Johan Frandsen bewies bei der Ansage den Club "20Flight Rock" und Hamburg als zweite Heimat zu bezeichnen, immerhin profunde Ortskenntnis. Mit dem aktuellen Album "Among The Vultures" im Schlepptau taten die drei Schweden ihr Bestes nicht unterzugehen. Ein kurzer Hinweis auf den folgenden Herrn Setzer verabschiedete die Band in die drohende Vergessenheit.
Was soll's? Der Vorteil einen entspannten wie gutgelaunt-spielfreudigen Brian Robert Setzer bereits um 20 Uhr sein Set eröffnend erleben zu dürfen, stellte die zu frühe zeitliche Komponente gänzlich in den Hintergrund.
Frisch-begeisternd-positiv-tight auf den Punkt spielend energetisch-vielseitig-bombastisch ... ein Brian Setzer in Höchstform und das nach dem Release seines letzten Longplayers "Setzer goes InstruMENTAL", mit dem er selber die Stange verdammt hoch gesetzt hatte. Der Meister an seiner eigenen "Gretsch Signature Gitarre" hielt den Abend farblich thematisch in grün. Hemd, Instrumentenfarbe, Kontrabass, überall sein grüner Faden. Start ins erste Setzer-Set des Abends waren die Tracks "Ignition", "This Cat's On A Hot Tin Roof" und "Drive Like Lightning, Crash Like Thunder”. Die erste eher Rock'n'Roll orientierte, standardisierte Setlist katapultierte den Zuschauer in ein vergangenes Imperium begeisternder Töne des wirklichen wie wahren Rock'n'Roll. Bühne und Effekte wurden klassisch auf die Basics heruntergefahren. Keine aufwendige Pyroshow, keine mehrstöckigen Ebenen, keine besondere Bühnenform. Nur Rockabilly, Swing, Blues, Country und Rock'n'Roll. Eine sauber aufspielende Rhythmusfraktion mit Kontrabass-Soli und ziehenden Drums plus Pianist, der auch mal mit Akkustikgitarre druckvoll Akzente setzte, untermauerte die vielseitigen Soli eines ausgeglichen und erholt wirkenden Brian Setzer. Im Wirbelsturm von wechselnden Tempi und Stilistiken brachte er auf den Punkt, worum es im Livemusik-Business eigentlich geht. Authentizität in Rohform. Der Rockabilly Riot hatte begonnen.
"Rumble in Brighton" läutete das zweite Set mit dem alten Bekannten "Slim Jim Phantom" an den im Stehen spielenden Drums ein. Übergangslos ging es weiter in der Rockabilly-Schublade, eine schnellere Reihe von Songs der Ära "Stray Cats" folgte. Im Rahmen eines Anschauungsunterrichts am laufenden Song, zeigte der zum Nachhilfelehrer mutierte Setzer auf, wie sich eine komplette Musikrichtung entwickelt hat. Vom Rock'n'Roll hin zum Rockabilly und das in einer selbsterklärenden frischen Art und Weise, dass man das Gefühl hatte, Teil eines der Konzerte zu sein, dass man nicht vergessen würde. Songs wie "Sexy+17" und "Stray Cat Strut" untermauerten den zweiten Teil des Konzertes. Dann ein dreifaches Kontrabass-Soli-Duell, aufgelöst von Setzer, dem man anmerkte, sichtlich zufriedener mit seinen 52 Jahren dann wieder an seinen 6 Saiten zu sein. Keine Zeit zum Ausruhen, keine Lückenfüller und vor allem Rockabilly in Spielfreude und sauberer technischer Umsetzung. Zwei Zugaben sollten ein Konzert beenden, dass in seiner Intensität für viele Jahre richtungsweisend sein sollte. Resümierend war Brian Setzer's Rockabilly Riot ein einmaliges Konzert. Intensität, sowie Qualität in Sound und Songauswahl in zwei hervorragenden Sets, machten diese Veranstaltung auch für Hamburger Verhältnisse einmalig. Ein Brian Setzer in hervorragender Verfassung.
Zufriedene Gesichter nicht nur im Publikum. Vorbei ging dann der Weg an den überteuerten T-Shirts und der Setzer-Wackelkopffigur für 40,- Euro. Der Raubkopie-Shirt-Stand vor dem Venue wurde eilig aufgebaut. Das ausverkaufte Konzert im Berliner Huxley's war schon fast wieder in Vergessenheit geraten. Hamburg setzte die neue Höchstmarke.
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