DROPKICK MURPHYS, SICK OF IT ALL - 02.02.2010 - Berlin, Arena
DROPKICK MURPHYS, SICK OF IT ALL - 02.02.2010 - Berlin, Arena
Zwar geht die Musikindustrie gemäß der herrschenden Meinung gerade vor die Hunde. Der Fall der DROPKICK MURPHYS ermuntert jedoch dazu, diese Ansicht kritisch zu überdenken. Denn es läuft prächtig für die Bostoner! Nicht nur, dass es ihr sechstes Studioalbum "The Meanest Of Times" auf Platz 20 der amerikanischen und auf Platz 38 der deutschen Charts schaffte. Ihre Shows werden auch konstant größer: Nachdem sie 2008 schon kleine Hallen bespielten, buchten sie dieses Mal die Räumlichkeiten der nächst größeren Kategorie und fanden sich bundesweit in Läden wieder, die bis zu 7.000 Zuschauer fassen. Entsprechend sah man zahlreiche junge Gesichter im Publikum, die sich zwischen die altgediegenen Fans der Bostoner mischten. Für die Band wäre es also ein perfekter Anlass gewesen, um alle Hits und Singles zu spielen, die sie so bekannt gemacht haben. Taten sie aber nur zum Teil, denn die Band machte allen langjährigen Fans eine Freude, weil sie zahlreiche Songs und Raritäten spielte, die schon fast in Vergessenheit geraten waren.
Oben drauf gab es allerdings auch hochkarätige Supports, die an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt bleiben sollten. Leider verzögerten Schneegestöber und Glätte die Anreise zur Halle derartig, dass die erste Supportband, die RADIO DEAD ONES aus Berlin, bereits gespielt hatte, als der Autor dieser Zeilen in die Halle schlitterte. Sogar SICK OF IT ALL standen schon gute zehn Minuten auf der Bühne, hatten allerdings mit ein zwei Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Diese bestanden darin, dass es schlichtweg schwer ist, die Energie einer SOIA-Clubshow in einer so großen Halle zu erzeugen. Band und Publikum groovten sich aber aufeinander ein, so dass es wenige weitere Minuten brauchte, bis die New Yorker die Anwesenden fest im Griff hatten und Songs wie "Good Lookin' Out", "Call to Arms", "Us vs. Them", "America", "Die Alone" oder – natürlich – "Scratch the Surface" wohlwollend aufgenommen wurden und das Set mit "Step Down" furios endete. Die Band nutzte die Show auch, um mit "Death or Jail" den Opener ihres neuen, im April erscheinenden Albums "Based On A True Story" zu spielen. Selbiger erinnerte an die "Scratch the Surface"-Zeiten der Band, sprich er war grooviger als z.B. "Take the Night Off" von "Death To Tyrants".
Dank des Tour-DJs Ray Gange wurden die Anwesenden in der rund 30 Minuten langen Umbaupause mit Streetpunk, Rock 'n' Roll und Country aus der Konserve umgarnt, bis die ersten Töne von "The Foggy Dew" erklangen, dem Bühnenintro der DROPKICK MURPHYS. Die Band glitt mit "Do or Die" ins Set und führte die restlichen 90 Minuten durch ein in Teilen überraschendes Konzert. Überraschend deswegen, weil die DROPKICK MURPHYS einige ihrer Hits wegließen. Sie sparten zum Beispiel "Famous for Nothing", "For Boston", "Good Rats" und den "Worker's Song" aus – auf früheren Touren Garanten für gute Unterhaltung. Dafür banden sie Songs ins Programm ein, die man auf ihren Konzerten lange vermisst hatte und die neben den bekannten Songs/Singles "The State of Massachusetts", "Walk Away" und "Kiss me, I'm shitfaced" den größten Teil des Sets einnahmen.
So spielten sie das tolle "As one", das schmissige "Black Velvet Band" sowie zwei Hymnen, die in der öffentlichen Wahrnehmung der Band leider total unter gegangen sind: "Time to go" und "Bastards on Parade". Diese Songs von "Blackout" wurden durch zahlreiche "The Warrior's Code"-Songs ergänzt. Dazu gehörten "Your Spirit's Alive", "Captain Kelly's Kitchen", "Sunshine Highway", das ebenfalls lange missachtete "The Auld Triangle” und "I'm Shipping up to Boston". Ein weiteres Kleinod im Set war "21 Guitar Salute" von der Splitsingle mit FACE TO FACE. Trotz dieser illustren Setlist brauste im Publikum eine ungehaltene Euphorie auf; jung und alt, so schien es, konnten sich an diesem Abend darauf einigen, dass die DROPKICK MURPHYS auch in großen Hallen gut funktionieren, und feierten Arm in Arm.
Zusammenfassend muss man sagen, dass dieses Konzert vor allem langjährige Fans erfreute, eben weil die Band auf viele Songs zurück griff, die es unberechtigterweise nie zu großer Popularität gebracht haben. Und das darf man als durchaus feinen Zug der Bostoner verstehen. Denn durch ihren (neuen) Bekanntheitsgrad hätten ihnen Tor und Tür offen gestanden, um einfach ein weiteres Set zu spielen, in dem nur die bekannten Songs vorkommen. Den Kids hätte auch das gefallen – da bin ich mir sicher. Dass es anders kam, ist umso schöner.



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