JAAKKO & JAY - 28.06.2012 - Hannover, Bei Chéz Heinz
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JAAKKO & JAY - 28.06.2012 - Hannover, Bei Chéz Heinz
Normalerweise freue ich mich immer einen Keks, wenn es einer hiesigen Booking-Agentur gelingt, hochklassige Bands nach Hannover zu bekommen. Wenn allerdings zeitgleich zu einer geplanten Show das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Italien steigen soll und man am nächsten Morgen früh zur Arbeit muss, hält sich die Begeisterung dann doch entsprechend in Grenzen. Dann hat man auch noch drei weitere Konzertgänger mit an Bord, die alle keinen Bock auf Fußball haben und fertig ist eine solide, pessimistische Grundeinstellung, mit der man den Weg ins Chéz Heinz antritt.
Und direkt dort erwartet uns auch schon die erste Überraschung. Dass es eine Fußball-Übertragung auf dem Hof des Chéz Heinz geben sollte, war vorher klar, dass sich allerdings so viele Fans einfinden sollten, hatte von uns niemand erwartet. Dass die finnischen Akustik-Punker von JAAKKO & JAY, wegen denen wir eigentlich gekommen waren, nicht wie angekündigt um 21 Uhr, sondern erst nach dem Spiel auftreten sollten, machte die Sache irgendwie auch nicht besser. Statt uns also zu der fußballbegierigen Meute zu stellen, machten wir uns durch vollkommen verwaiste Straßen erst einmal auf den Weg zu einem nahegelegenen Asia-Imbiss. Nach den gebratenen Nudeln war allerdings gerade einmal Halbzeit, so dass die nächste Station eine italienische Eisdiele sein sollte, in der wir uns dann doch noch die zweite Halbzeit der deutschen Schlappe angucken konnten, was aus zwei Gründen eine gute Idee war: Zum einen gab es im Vergleich zum proppenvollen Chéz Heinz-Vorplatz jede Menge freie Sitzplätze, zum anderen erwies sich die gute Stimmung der italienischen Gastgeber in gewissem Maße als ansteckend, so dass uns das Ausscheiden von Jogis Jungs nicht ganz so weh getan haben dürfte, wie vielen anderen Zuschauern. Nachdem wir der Eisdielen-Belegschaft nun also unsere Wiederkehr für das Finale gegen Spanien angekündigt hatten, ging es ins Chéz Heinz, um endlich JAAKKO & JAY zu bestaunen, die bereits dabei waren, ihr eher minimalistisches Equipment im Salon des wohl lautesten Kellers Hannovers aufzubauen.
Ohne Vorband, sichtlich angesäuselt und nur bewaffnet mit Akustik-Gitarre, Zwei Mikrofonen, einem Becken und einer Snare legten JAAKKO & JAY dann auch zügig los und kloppten den vielleicht fünfundzwanzig Zuhörern, die sich eingefunden hatten, eine ordentliche Ladung um die Ohren. Wer glaubt, Akustik-Bands könnten nicht rocken, hat die beiden Finnen, die in Sachen Schnelligkeit und Energie viele ausgewachsene Punkbands in den Schatten stellen, offensichtlich noch nicht live erleben dürfen. In einer guten Stunde prügelten sich die beiden Musiker durch viele Songs des aktuellen Albums "War Is Noise", sowie einige neue Nummern. Der Sound der beiden Musiker ging dabei trotz einiger unangenehmer Rückkopplungen durchaus in Ordnung und sowohl Publikum als auch die ebenerdig spielenden Musiker schienen ihren Spaß zu haben. Zwar gab es keinerlei Moshpits oder Pogo-Einlagen und man konnte teilweise spüren, dass sich JAAKKO & JAY etwas mehr Dialog mit dem Publikum gewünscht hätten, allerdings kann man der Band hier sicherlich keinen Vorwurf machen. Vielleicht saß vielen Konzertgängern einfach noch das EM-Ausscheiden in den Knochen. Die beiden Finnen erwiesen sich jedenfalls als charmante Gastgeber, die auch zu später Stunde ordentlich Gas gaben um das Publikum zu bespaßen, was sich unter anderem in drei gerissenen Gitarrensaiten in drei Liedern zeigte. Mal politisch, mal anekdotenhaft zeigten sich JAAKKO & JAY auch in ihren Ansagen als sehr sympathische Zeitgenossen mit dem Herz am rechten Fleck, so dass man, selbst bei einigen Verspielern und einem abgebrochenen Song eigentlich keinen Kritikpunkt am Auftritt der beiden Musiker finden konnte. Gerade die Tatsache, dass der Auftritt von JAAKKO & JAY eine ungezwungene Spontanität besaß und eben nicht bis ins kleinste Detail durchgeplant war, machte letztendlich den Reiz des musikalischen Abendprogramms aus. Trotz deutscher EM-Niederlage konnte man gegen Mitternacht dann auch das Chéz Heinz getrost mit einem Lächeln verlassen, was doch sehr für die Leistung der beiden Finnen sprechen darf.
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