JOEY CAPE, DAVE HAUSE, NESSI - 15.04.2012 - Dortmund, FZW
Sie sind hier
JOEY CAPE, DAVE HAUSE, NESSI - 15.04.2012 - Dortmund, FZW
Das Dortmunder Freizeitzentrum West, kurz FZW, ist die Hauptanlaufstelle für Rock-Konzerte in der Ruhrgebietsstadt. Der Laden überzeugt jedoch eher mit Programm, als mit eigenem Charme. Denn da wo sonst das ein oder andere Poster vergangener Shows hängt, blenden im FZW kühl anmutende bunte Neonlichter. Daher auch die Skepsis an jenem Abend, ein Akustik-Konzert in angemessener lauschiger Atmosphäre erleben zu können. Wobei das Line-Up kaum Wünsche offen lies. LAGWAGON-Altmeister JOEY CAPE hatte geladen und seine Freunde DAVE HAUSE und NESSI dabei. Das FZW verfrachtete das Konzert in die angrenzende Bar, die jedoch eher einer zu hellen Cocktail-Lounge als einer bierseeligen Theke glich. Eine nicht unbedingt perfekte Location für einen von Akustikgitarren getragenen Abend also.
Nessi, in Hamburg geboren, in Berlin lebend, Mitte 20 und mit SHELTER-Shirt bekleidet, machte sich als erste auf, der kühlen Atmosphäre ein wenig Wärme einzuhauchen. Mit akzeptablem Erfolg. Leicht verkatert vom Stuttgart-Gig und anschließendem Disco-Besuch vom Vortag zupfte sich die sympathische Songwriterin durch ein gut 30-minütiges Set voller gefühlsbetonter Pop-Songs, die es allesamt in diversen Castingshows weit gebracht hätten. Tolle Stimme, die den ein oder anderen Verspieler vergessen lies.
Mittlerweile war Dortmunds Sonne untergegangen, so dass Dave Hause zumindest nicht mehr gegen das Tageslicht ansingen musste. Auch der Frontmann der LOVED ONES huldigte, wohl wissend, dass man derartiges als Zuschauer nicht gerne hört, die stark alkoholische Party vom Vorabend und wunderte sich über das zurückhaltende Publikum in Dortmund. "Did you pay extra for those seats" fragte er augenzwinkernd die vier bis fünf auf dem Bühnenrand verharrenden Menschen. "Sonntag Abend in einer Lounge" muss hier als Begründung ausreichen. Am Set des Amerikaners kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Rock'n'Roll mit Herz und Hintern in Form von bekannten LOVED ONES-Smashern, und alten wie neuen Solostücken gabs gut 40 Minuten auf die mittlerweile doch ganz gut aufgetauten Ohren. Die ein oder andere Kehle der ersten Reihen hatte sich nun auch von ihrem Frühligsschlaf erholt und fand die Worte der Texte und den Weg zum Bier. Geht doch.
Als JOEY CAPE dann erneut vom Vortag erzählte und von diesem auch deutlich gezeichnet war, wurde den Anwesenden recht schnell klar, wo die Reise mit Cape am heutigen Abend hingeht. Verkatert, scherzte der 45-jährige gegen alles und jeden und lies sich selbst dabei am allerwenigsten außer Acht. Dazwischen immer wieder Songfetzen von LAGWAGON, BAD ASTRONAUT und Cape selbst. In gut 100 Minuten hat es der Routinier an diesem Abend auf gut 15 Songs gebracht, von denen nur gefühlte zwei durchgespielt und nicht von einer Kabaretteinlage unterbrochen wurden. Anfangs ein wenig nervig, gegen Ende irgendwie gewohnt und witzig. Da störte es auch nicht, dass Cape und Nessie als krönenden Abschluss "Beautiful" von Christina Aguilera statt "Paparazzi" von Lady Gaga coverten. Als Cape dann die Bühne gegen 23.30 Uhr verließ, hatte man das Gefühl, dass manch einer auch ein wenig froh darüber war. Drei Stunden und 15 Minuten spielen ja sonst auch nur die Ärzte oder The Cure. Ab ins Bett.
Weitere Infos zu
- 944 Aufrufe












Neuen Kommentar schreiben