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KETTCAR, PATRICK RICHARD – 28.02.2012 – Bremen, Pier2

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KETTCAR, PATRICK RICHARD – 28.02.2012 – Bremen, Pier2

KETTCAR kündigten an, auf der aktuellen Tour im Schlachthof in Bremen zu spielen und da der Veranstaltungsort nicht besonders groß ist, besorgten wir uns die Karten für dieses angebliche „Clubkonzert“ schon lange im Voraus. Hätte ich geahnt, dass das Konzert ins Pier2 verlegt würde, wäre mir die Entscheidung wohl einfacher gefallen und ich hätte mir die Hamburger Jungs dort nicht angesehen. Zudem kommt hinzu, dass mich das aktuelle Album „Zwischen den Runden“ nicht besonders anspricht.

Trotz einiger Zweifel machten wir uns an diesem Dienstag auf den Weg ins Pier2. Als Support stand PATRICK RICHARD auf der Bühne und der ist, wie wir dachten, der Sänger von FILTER. Das dieser nun auch solo unterwegs ist, hatte ich bisher nicht mitbekommen und als das Konzert begann, war schnell klar, dass es sich nicht um den Amerikaner handelt. PATRICK RICHARD ist Sänger/Gitarrist und zusammen mit seiner jungen Band spielten sie an diesem Abend erst das fünfte Konzert zusammen. Gespielt wurde netter deutschsprachiger Indie-Pop, der doch sehr stark – gerade vom Gesang her – nach RIO REISER klang. Ein Stück war fast identisch mit dem Song „Junimond“, der wohl besser als Cover gespielt worden wäre.

Nun war es an der Zeit, dass der Hauptact des Tages die Bühne betrat. Der Innenraum war gut gefüllt mit schätzungsweise 2.000–2.500 Zuschauern und der Balkon/die Tribüne blieben geschlossen. Die Zeiten, in denen KETTCAR bzw. damals BUT ALIVE noch in kleinen Jugendzentren auftraten, sind schon lange vorbei. Los ging es an diesem Abend mit dem ersten Stück „Rettung“ vom aktuellen Album, welches mit mahnenden Pianoklängen in Szenen gesetzt wurde. Ähnlich sieht es bei den Balladen „Balu“ oder den neuen Stücken wie „Schwebend“ und „Nach Süden“ aus. In ihrer gut zehnjährigen Bandgeschichte haben die fünf Jungs aus Hamburg ihr Handwerk perfekt gelernt und hin und wieder gibt es ein etwas härteres Gitarrenriff zu hören. Die meisten Stücke liegen allerdings auf einer ruhigen Wellenlänge und kommen ziemlich gleichförmig rüber. Es fehlt mir eindeutig der Moment, in dem die Band einen in ihren Bann zieht. So „plätschern“ in gut 90 Minuten Spielzeit die Songs an einem vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Für mich persönlich wurde es erst richtig interessant gegen Ende des Konzertes, den neben dem Song „Deiche“ wurde das aus meiner Sicht beste Stück der Band „Landungsbrücken“ ganz zum Schluss gespielt

Es scheint so, als sei die Band erwachsen geworden und geblieben ist im Jahr 2012 das intelligente Songwriting mit den dazu passenden kritischen Texten über die Liebe oder ein anderes Mal über die Politik. Auf jeglichen Show-Schnickschnack wird bewusst verzichtet und geboten werden zumeist lupenreine Popsongs, die zum großen Teil von dem aktuellen Longplayer stammen. Lediglich durch die Einstellung des Lichtes wird hin und wieder eine besondere Atmosphäre geschaffen. Die Ansagen kamen wie bei KETTCAR typisch leicht „provokant“ rüber und wenigstens so waren einige Parallelen zu früher sichtbar.

Insgesamt war es ein ruhiger Konzertabend mit reichlich emotionalen Stücken der bei vielen Zuschauern gut ankam. Ob alle Fans der ersten Stunde dies ähnlich sehen, vage ich mal zu bezweifeln. Für mich ist bei so einer Größenordnung der Veranstaltung ein Punkt erreicht, den ich nicht unbedingt wiederholen muss. Ob die Band nun JUPITER JONES oder wie an diesem Abend KETTCAR heißt, ich werde die vielen Auftritte in der Vergangenheit in positiver Erinnerung behalten und mir die Bands in so einem großen Rahmen – wenn überhaupt – nur noch auf einem Festival ansehen.

Setlist:
Rettung
48 Stunden
Schwebend
Graceland
Kein Außen mehr
Balkon gegenüber
Kommt ein Mann in die Bar
Ausgetrunken
Balu
Nach Süden
Money left to burn
Stockhause, Bill Gates und ich
R.I.P.
In deinen Armen
Im Taxi weinen
Im Club

1. Zugabenteil:
Deiche
Academy
Am Tisch

2. Zugabenteil:
Schrilles buntes Hamburg
Landungsbrücken

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Kommentare

Bild des Benutzers ozmate08

Schöne Zusammenfassung! Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen. Auch ich hatte mir die Karte damals EXTRA für den Schlachthof gekauft. Kettcar und die besondere Gestaltung un dintime Atmosphäre der Kesselhalle - das wäre perfekt gewesen. Daher glaube ich auch, dass, trotz der in der Tat eher schwachen neuen Stücke (bis auf ein paar Ausnahmen) das ganze dort auch immer noch gut funktioniert hätte. Aber die monotone Fabrikhallenausstattung des Pier 2 hat einfach jegliche Stimmung gekillt. Zmal man sich fragt, warum das Konzert überhaupt verlegt werden musste - angesichts eines augenscheinlich nur halb gefüllten Pier 2....

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