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Reconstruction Tour - 04.09.2003 - Berlin, Columbiahalle

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Reconstruction Tour - 04.09.2003 - Berlin, Columbiahalle

Quasi als Abschiedskuss des Sommers und als erstes Indoor-Festival der nahenden Clubsaison lockte die Reconstruction-Tour nach Berlin in die Columbiahalle. Der Abend sollte einiges zu bieten haben: MAD CADDIES, THRICE, BOYSETSFIRE, LAGWAGON, RANCID und das ALKALINE TRIO stellten sich als Gegenstück zur im Frühsommer stattfindenden Deconstruction-Tour auf die Bühne.

In der leider nicht wirklich gefüllten Columbiahalle - die erste Etage war erst gar nicht geöffnet - waren ALKALINE TRIO die erste Süßspeise des Abends. Ihrem Ruf entsprechend mischten sie den ein oder anderen bitteren Ton in die süßen Melodien, um sozusagen ein wenig Dunkelheit in das fröhliche Leben zu bringen. Entsprechend düster waren die drei Herren gekleidet. Vor allem boten sie dem Publikum Songs ihres aktuellen Albums, in dessen Stücke gerade der Gesang glänzt. Doch diese Freude war den Zuschauern an diesem Abend nicht gegönnt, denn der Sound war offen gesagt scheisse.

THRICE sollten direkt im Anschluss an die Horrorfreaks endlich einen ihrer bisher seltenen Auftritte in Deutschland feiern. In einem ausgewogenen Mix aus alten Songs und Stücken von dem neuen Hammeralbum "The Artist in the Ambulance" jagten sie dem Publikum einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Gerade Stücke wie "Cold Cash and Colder Hearts" bewiesen, dass diese Band mit einem großartigen Talent für Melodien und wahnsinnige Momente in den nächsten Jahren sicherlich vorne mitspielen wird.

Bereits dort angekommen sind BOYSETSFIRE - und das schon lange. Als die Band nach THRICE die Bühne betrat, legten sie im Publikum vom ersten Moment an Feuer. Klar, mit Blick zur Vorgängerband war das schon eine Liga höher. Jeder Song, ob "Rookie", etwa der Hit "After the Eulogy" oder "Last Year's Nest", saß perfekt. Die Band nutzte die Bühne, alle - selbst die neue nun dauerhafte Verstärkung am Bass - brachten massig Energie. Das Sahnehäubchen waren schließlich die Ansagen von Sänger Nathan Gray: "Hoffnung heißt Verantwortung!" Träumen wäre Lethargie! Wäre doch nur der Sound besser gewesen, so hätten die Reconstruction-Besucher hier sicherlich einen der besten BOYSETSFIRE-Auftritte für lange Zeit erleben können.

Nach so viel Emotion und Wut kam der gut gelaunte Teil des Abends. Diesen eröffneten MAD CADDIES. Mit ihrer Ska-Show und einigen Touren im Gepäck hatten sie schnell viele Fans vor der Bühne versammelt, die mit ihnen feierten und tanzten. LAGWAGON schließlich lieferten noch mal - wenn auch etwas routiniert -  die berühmte Gänsehaut. Hits wie "Angry Days", die einen bereits seit zehn Jahren begleiten, wecken viele Erinnerungen. Sie machten die Show von LAGWAGON zu einem echten und entspannten Genuss.

Nun sollte der Höhepunkt der Festivaltour auf die Bühne treten: RANCID. Ihr Album gehört zu den besten des Jahres, ihre Auftritte sind rar. Beste Bedingungen also, einen Siegeszug in Konzertform anzutreten. Pustekuchen! RANCID wirkten kraftlos und gelangweilt, viel zu sehr mit dem eigenen Gepose beschäftigt. Die Songs fühlten sich nachgespielt an - mehr nicht. Da hilft auch ein durchtrainierter Oberkörper nicht. Der Sound tat sein Übriges dazu.

Dank einiger Erfrischungsgetränke sollte der RANCID-Auftritt nicht das gute Gefühl stören, dass sich 250 Kilometer Weg nach Berlin für diesen Abend gelohnt haben. THRICE, LAGWAGON und allen voran BOYSETSFIRE haben für ein paar Stunden die Herzen ihrer Fans in Flammen gesetzt. 


Fotos: Timo Winter

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