Rock Hard Festival - Mai 2005 - Gelsenkirchen, Amphitheater
Rock Hard Festival - Mai 2005 - Gelsenkirchen, Amphitheater
Wieder einmal rief Deutschlands grösstes Metal Magazin zu Pfingsten die Banger der Nation dazu auf, mit ihnen ein grosses Fest zu feiern. Denn es stand das dritte Rock Hard eigene Festival auf dem Plan. Wieder in Gelsenkirchen, wieder im Amphitheater. Das Wetter meinte es gut mit den Bangern, blieb Gelsenkirchen das gesamte Wochenende vom Regen verschont. Petrus ist und bleibt eben Metaller! Die Organisation lief reibungslos. Das Team des Dortmunder Magazins hatte die Spielzeiten der Bands, die Preise auf dem Gelände und die Eingangskontrollen gut im Griff. Nun aber zum Wichtigsten: der Musik!
Samstag:
Den Anfang am Samstag machten die Shooting Stars von COMMUNIC. Zwar können die Norweger ihre Songs sehr tight ins Rund schleudern, richtige Stimmung kommt um die frühe Uhrzeit allerdings kaum auf. Die Ränge des Amphitheaters sind grösstenteils besetzt, das ganze erinnert aber eher an Haupttribüne als an Südkurve. Der Knackpunkt bei COMMUNIC ist ihr Sänger. Zuwenig Interaktion mit dem Publikum, zu wenig Stimmvolumen für meinen Geschmack. Den Fans gefällt der Auftritt, aber viele neue Fans
wird man kaum gewonnen haben. Also dieselben Probleme die schon auf der Tour mit ENSIFERUM auftraten.
Danach entern HEAVEN SHALL BURN die Bretter, und sorgen bei Kennern der Band erstmal für Fragezeichen in den Augen .Wo ist Markus? Und wer ist der Blonde Typ? Die Fragen klären sich schnell. Markus ist krank und für ihn eingesprungen ist der Shouter von den Vegan Kollegen MAROON. Dieser bringt Knaller wie "The Weapon they fear" oder "Voice of the Voiceless" zwar gut rüber, kann aber bei weitem nicht an Markus heranreichen. Da die Band aber gewohnt tight wie geht nicht mehr zockt und eine Gitarrenwand nach der anderen auf die Fans loslässt, bleibt unter dem Strich ein Auftritt mit der Bewertung "Gut" stehen. An ihre gewohnten Live Qualitäten kam die Band aber nicht heran. Den Metal Fans welche die Band noch nicht kannten war es reichlich egal, und so bildete sich der erste verhaltene Pit in Gelsenkirchen.
Das erste Ausrufezeichen setzten danach ENSIFERUM. Die verrückten Finnen entfesselten mit ihrer Spielfreude und ihren tanzbaren Melodien die ersten Ekstasen im Publikum und der Platz vor der Bühne hat sich merklich aufgefüllt. Bei Songs wie "Hero in a dream" geht dann auch das Crowd Surfing fröhlich los und auch auf den Rängen werden viele Mähnen geschüttelt. Die Band hat einen sehr druckvollen Sound, wirkt gewohnt Spitzbübisch (Finnen eben ...) auf der Bühne und hat sich mit diesem Hammerauftritt sicherlich viele neue Freunde gemacht.
An die gute Leistung von ENSIFERUM schliessen THE HAUNTED direkt danach an. Knallhart und mit viel Spass in den Backen knallen die Schweden eine Thrash Granate nach der nächsten in die Menge. Der Band tut es auch live gut, dass sie ihren Original-Sänger wiederhaben. Das Urteil: ein sehr gelungener Auftritt.
Einzige Opfer in Sachen Sound waren SONATA ARCTICA, welche die Sound Probleme erst zum Ende ihres Sets in den Griff bekamen. Und bei ihrem melodischen Power Metal ist das fast tödlich. Erst waren die Gitarren und Sänger Tony so gut wie gar nicht zu hören, später ging viel vom mehrstimmigen Gesang unter. Die Songauswahl war dafür Top und das Stage Acting für Finnen gewohnt crazy.
Das absolute Highlight des Festivals sollte aber nun folgen. Die Vikinger Kolonne von AMON AMARTH fuhr ein und demonstrierte was eine mächtige Performance ist. Die Fans forderten AMON AMARTH schon vor dem Auftritt lautstark, und was sie bekamen war mehr als man dachte. Mit absoluter Spielfreude und dem mächtigsten Sound den man sich ausmalen kann, servierten die fünf Wikinger einen Querrschnitt ihrer besten Songs - vom aktuellen "Puirsuit of Vikings" bis älteren Stücken der Marke
"Masters of War". Die Fans rasteten vor der Bühne komplett aus. Crowd Surfer ohne Ende, der erste Pit der den Namen auch wirklich verdient und überall glänzende Augen.
Danach wurde viel von CHILDREN OF BODOM erwartet, und obwohl die Band wie immer abgefeiert wurde muss mal Klartext gesprochen werden: Lieber Herr Laiho, ihr ständiges "Fuck"-Gelabber nervt tierisch und kann einem so ein Konzert wirklich versauen. Ist es nötig zwischen musikalisch anspruchsvollen Liedern, die leider meist zu Komplex sind, um sie live voll zu geniessen, in einem nicht mal zweistündigen Konzert über 80 mal "Fuck", "Fucking" oder "Motherfucker" zu sagen? Das ist peinlich und reichlich grenzdebil!
Über den Auftritt von JON OLIVIA, einem der fettesten noch lebenden Sänger, waren die Meinungen direkt nach dem Auftritt schon sehr gespalten. Das lag aber warscheinlich eher am SAVATAGE-Songmaterial im Set als an den Stimmlichen Qualitäten. Hier wurde der Karriere Zenith wohl schon überschritten. Die zahlreichen feiernden SAVATAGE-Fans sahen das zwar anders, aber objektiv kann man diesen Auftritt getrost als überflüssig ansehen. Von der Stimmung allerdings war es ein würdiger Abschluss für den besseren der beiden Festival Tage.
Sonntag:
Am Sonntag ist das Publikum sichtlich müder und auch die Stimmung ist dementsprechend seichter. Die PRETTY MAIDS können mit einem tollen Best Of Programm mit ihrem melodischen Hard Rock einiges reißen, und auch die Alt-Thrasher von OVERKILL können mit bekannten Hits punkten. Allerdings war bei allen Bands klar zu sehen, dass nur auf zwei Ereignisse gewartet wurde: Der Abschied der Selbstmord-Heroen SENTENCED und die Reunion von ACCEPT, welche nochmal erklärten das es bei einer reinen live Reunion bleiben wird.
SENTENCED Frontmann Ville stieg trotz Blutalkoholspiegels jenseits von Gut und Böse gutgelaunt auf die Bühne und hat das frenetische Publikum fest in der Hand. Das ist aber kein Wunder, werden die bekannten Bandhits wie "Bleed" oder aktuellere Stücke von "The Cold White Light" aus tausenden Kehlen textsicher veredelt. Viel Sentimentalität zum Abschied gab es nicht, aber da die Finnen noch einige Festivals bereisen, wird sich das wohl erst noch entwickeln. Überraschend kamen auch die Songs vom erst noch erscheinendem "Funeral Album" sehr gut an und wurden mitgesungen. Ein Schelm wer hier an MP3 Piraterie denkt.
Zum Auftritt von ACCEPT wurde es dann das erste mal am Wochenende richtig brechend voll vor der Bühne. Die Erwartungen an die Band waren natürlich riesig und die gespannte Stimmung während des langen Wartens vor dem Auftritt war fast greifbar. Die Erwartungen der Fans sollten erfüllt werden, die Hoffnungen auf einen unvergesslichen Auftritt allerdings zerplatzten. Professionell, aber nicht berauscht spielten die alten Herren einen Klassiker nach dem anderen. Das schöne "Damals-Gefühl" stellte sich allerdings nur mit Abstrichen ein, zeigte sich doch, dass zuviele Songs von Sänger Udo Dirkschneider und seiner neuen Kapelle UDO ebenso gut rübergebracht wurden in den letzten Jahren.
Musikalisch gab es auf dem diesjährigen Rock Hard Festival einige Highlights. AMON AMARTH lieferten ungeschlagen den besten Gig. Die Orga war wie eingangs erwähnt gut, allerdings stellt sich in einem Amphitheater mitten in Gelsenkirchen keine wirkliche Festivalstimmung auf. Es ist eher mit einem sehr langem Konzert vergleichbar, und durch die bequemen Sitzmöglichkeiten baut sich die Stimmung halt schwerer auf. Faire Preise und eine gute Bandauswahl werden das ROCK HARD FESTIVAL aber auch 2006 zu einer wertvollen Reise machen.



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