In-Your-Face.de

ROTTEN SOUND, MARTYRDÖD, ENABLER - 26.02.2013 - Hafenklang, Hamburg

Sie sind hier

ROTTEN SOUND, MARTYRDÖD, ENABLER - 26.02.2013 - Hafenklang, Hamburg

Wie oft gibt es ein Tour-Package, das ausschließlich aus persönlichen Favoriten besteht? Ganz selten. In diesem Fall waren es die finnischen Grinder ROTTEN SOUND, die ihre neue Single "Species at War" im Gepäck hatten, das schwedische Breitband-D-Beat-Monster MARTYRDÖD, welches im letzten Sommer ein frostig kaltes Brett "Paranoia" abgeliefert hatte und die amerikanische Düster-Hardcorer ENABLER, die im August letzten Jahres ihre dritte Schwarzrille "All Hail the Void" abgeliefert hatten. Drei Bands, drei verschiedene Stilrichtungen, dreimal so viel Spaß. Genau so war es dann auch.

Mit mächtig Druck und einem mörderischen Sound stieg das Quartett aus Milwaukee in ihren Set ein. Wie eine unaufhaltsame Flutwelle aus Wut und Aggressionen überschwemmte ENABLER das Hafenklang. Die 16 Saiten peitschen die Flut weiter auf, während im Hintergrund der Sturm nur noch stärker angetrieben wurde. Für den kompromisslosen und ungebremsten, halbstündigen Orkan erntete der Vierer verdienten Applaus. Mit wütend metallischem Hardcore, dessen dunkle Energie sie trotz viel Struktur vermieden zu gängeln, überzeugte ENABLER auf ganzer Linie. Seit langem habe ich keine so frische und aufbrausende Hardcore-Band mehr gesehen, die so mitzureißen wusste.

Während einer kurzen Pause ebbte der Sturm ab und wurde durch monotone Kälte ersetzt, die anfänglich sehr holprig Einzug hielt. Eingespielt ist etwas anderes, aber mit der Zeit zog die Gefühllosigkeit der Songs MARTYRDÖDs einem tief in die Kochen. Der Crust Punk-Faktor war immens hoch in diesen knapp 35 Minuten. Der eintönige Rhythmus in Verbindung mit den manischen Riffs, die so anders sind als die der Kollegen von WOLFBRIGADE zum Beispiel, sorgte zwar nicht für viel Stimmung vor der Bühne, aber MARTYRDÖD sich selber überzulassen traute sich auch kaum einer. Die vier Schweden zogen ihr Ding durch und versanken teilweise tief in ihrer Musik, sodass die vielen Timing-Probleme einfach "überrifft" wurden. Der trostlos heisere Gesang komplettierte die mächtige D-Beat Odyssee.

Für die Überraschung des Abends sorgten die vier Finnen, die hinlänglich dafür bekannt sind, live on stage keine Gefangenen zu machen. So habe ich ROTTEN SOUND bisher vier Mal erleben können. Doch an diesem Dienstagabend zeigte sich die Band von ihrer geschwätzigen Seite. Sympathische Ansagen lockerten die extremen Grindcore-Angriffe auf. Vor der Bühne flogen die Haare, wurde im Kreis gerannt und stieß Kreuz und Quer aufeinander. Die Stimmung war so ausgelassen, dass sich Shouter Keijo mehrfach im Pit sehen ließ. Manchmal kamen drei, ein anderes Mal vier Songs am Stück in unsere Richtung geballert, wobei mal wieder der mächtige Gitarrensound Mikas den Ton vorgab. Ob alte Songs von der ersten Single oder Kracher neueren Datums war egal, denn die Energie, die ROTTEN SOUND vom Zaun brach, suchte ihresgleichen. Die langsamen, schwerfälligen Passagen wurden von einem bollernden Bass vertieft. Mit der positiven Attitüde auf und vor der Bühne entstand ein wahrer Wirbelwind, ein richtiger Rausch. Unglaublich viel Spaß konnte man in den Gesichtern aller Anwesenden erkennen. ROTTEN SOUND kam noch zu einer kurzen Zugabe zurück, drei Songs in zweieinhalb Minuten, und dann endete ein wirklich gelungener und kurzweiliger Konzertabend mit drei einmaligen Bands.

Videos

Weitere Infos zu

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare

Shop

Das neue IYF-Merch - jetzt vorbestellen