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THE GASLIGHT ANTHEM, CHUCK RAGAN, SHARKS - 27.10.2010 - Hamburg, Große Freiheit 36

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THE GASLIGHT ANTHEM, CHUCK RAGAN, SHARKS - 27.10.2010 - Hamburg, Große Freiheit 36

So hatte ich mir mein erstes Konzert, für das ich einen Bericht schreiben sollte, nun wirklich nicht vorgestellt: Zu spät zu Hause weggekommen, dann nach 10 Minuten Autofahrt schon 6km Stau und in Hamburg angekommen, knapp eine Stunde für die verdammte Parkplatzsuche verschwendet. Trotz des köstlichen Picknicks (danke Mutti!) auf der Autobahn und meiner liebenswerten Begleiterin und Fotografin war ich bei der Ankunft in der Grossen Freiheit 36 in Hamburg ziemlich gestresst und genervt.

Der nette Kartenabreißer versicherte mir zwar das wir nichts Wichtiges verpasst hatten, aber leider wurde schnell klar, dass wir gerade rechtzeitig zum Hauptakt des Abends angekommen waren. Ich konnte es aber in keinem Fall auf mir sitzen lassen, dass gleich bei meinem ersten Bericht die Hälfte des Abends fehlen sollte, weshalb ich mich kurzfristig entschied, eine stichprobenartige Umfrage im Publikum und auf der Damentoilette zu starten, um doch noch die nötigen Informationen über die Vorbands einzuholen.

Den Abend eröffneten die vier Briten von SHARKS – eine junge Dame auf der Toilette berichtete: "Die Jungs von SHARKS sind wohl Geschmackssache – war auf jeden Fall rockig, aber nicht mein Ding.". Ein Bursche aus dem Publikum war da wohl anderer Meinung und hatte den Auftritt etwas anders erlebt: "Ja ich hab mir auch grad erstmal die 7" gekauft. Die klingen so'n bisschen wie THE RIFLES und haben auch was von THE CLASH. Man hat das zwar alles schonmal gehört, aber die haben das einfach echt gut und neu verpackt." SHARKS konnten noch nicht allzu viele Besucher anlocken und das Publikum verhielt sich zu Beginn des Abends eher verhalten. CHUCK RAGAN konnte hingegen schon weitaus mehr Leute um sich scharen, die gespannt der Stimme des HOT WATER MUSIC Sängers, seiner Mundharmonika, seiner Gitarre und einer Geige lauschten. Ein junger Kerl an der Bar berichtete mir: "CHUCK RAGAN ist eher so ein Singer/Songwriter Typ: ruhig und total emotional. Achja und der Typ, der mit auf der Bühne war mit den langen zottligen Haaren und der Geige war verdammt unterhaltsam." Die junge Dame von der Damentoilette erzählte nun auch umso begeisteter: "Dieser CHUCK RAGAN hat eine total tolle, raue Stimme – klingt ein bisschen nach Bruce Springsteen. Hab mir auch gleich seine CD gekauft." Eine weitere Besucherin beschrieb, das es bei CHUCK RAGAN's Auftritt bereits unglaublich voll wurde und dass dieser "alle total mitgerissen" hatte. Nach einigen Gesprächen wurde schnell deutlich, dass CHUCK RAGAN als Vorband von THE GASLIGHT ANTHEM eine ausgezeichnete Wahl gewesen war. "CHUCK RAGAN hat heute mit Sicherheit viele neue Fans gewonnen – mich eingeschlossen."

Den Auftritt von THE GASLIGHT ANTHEM konnte ich nun glücklicher Weise mit eigenen Augen und Ohren bestaunen. Die Grosse Freiheit 36 war brechend voll mit den unterschiedlichsten Menschen verschiedenen Alters, unterhaltsam vielen Look-A-Likes des Sängers Brian Fallon und überproportional vielen Pärchen. Nach einem kurzen Intro folgte dann schon der Einstieg mit "High Lonesom" und sofort wurde klar, dass die vier Musiker aus New Brunswick (New Jersey) unglaublich professionell auftraten: die Beherrschung ihrer Instrumente, Sound, Licht und vor allem die Stimme von Frontmann Brian Fallon überzeugten mich schnell von den Live-Künsten der Band. Obwohl THE GASLIGHT ANTHEM über die ganze Setlist kaum versuchten, Kontakt mit ihrem Publikum aufzunehmen, konnten die Jungs alle mitreißen. Das zeigte sich besonders in Form von aufgeregtem Klatschen, strahlenden zufriedenen kopfnickenden Gesichtern und lautem Mitgesinge. Auch ich erreichte diesen Zustand, vor allem als Brian Fallon für mein Lieblingslied "Old White Lincoln" seine Gitarre gegen eine Mundharmonika eintauschte. Der Frontmann der Jungs aus New Jersey überzeugte jedoch nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit seinem sympathischen Auftreten: dieser unglaubliche Strahlemann grinste zwischen den Zeilen immer wieder freudig und absolut zufrieden ins Publikum und freute sich besonders, wenn das Publikum ihn fleißig beim Singen unterstützte.

Neben den obligatorischen Witzen über New Jersey und die dort beheimatete Band BON JOVI feierten die Besucher im besonderen Songs des Albums "'59 Sound" bzw. die gleichnamige Single. THE GASLIGHT ANTHEM konnten mich dann auch noch so richtig um den Finger wickeln als sie den Klassiker "American Girl" von TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS vorlegten. Die Setlist überzeugte mit langsamen und schnelleren Songs, sowie einer guten Mischung aus allen bisher erschienen Alben. Nach längerem Warten und einer kurzen Stimmpause erfreuten die Jungs alle Anwesenden abschließend mit einer fünf Songs langen Zugabe. Diese starteten die Band jedoch leider mit einer absoluten Schnulz-Attacke ("She Loves You"), was die Massen an Pärchen für unseren Geschmack zu stark zum Knutschen anregte und uns leider nicht wirklich mitreißen konnte. Zum Glück beglückten uns die Burschen noch mit rockigeren Stücken inklusive der neuen Single "American Slang". Nach fast zwei vollen Stunden kann ich abschließend nur sagen, dass THE GASLIGHT ANTHEM mit Leichtigkeit noch größere Hallen füllen könnten und mit ihrem Auftritt exzellente Arbeit geleistet haben. Abschließend gibts noch ein Zitat von einem jungen Kerl, der der Welt unbedingt mitteilen wollte, dass: "THE GASLIGHT ANTHEM ihren Platten absolut gerecht geworden sind. Und ich finds geil, dass sie auch Songs von Sink or Swim gespielt haben."

Kommentare

Bild des Benutzers Michel

die location war einer der schlimmsten in der ich je war. kleiner becher schales bier für 3,50.-, toiletten direkt neben der bühne, d.h. einmal durch das komplette publikum durch und bei den türstehern kein ausgeben von stempeln (einmal drin, immer drin).
atmosphäre war dementsprechend, ist nunmal eine großraumdisko, die pünktlich die bühne räumt um das reeperbahnklientel mit schlagern und flatratesaufen zu beglücken.
und wenn ich mir die zitate in deinem review so durchlese, war wohl die wahl der location genau passend

Bild des Benutzers nilsnils

der typ am ende war jawohl der geilste ever...

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