Vans Warped Tour - 19.08.2009 - Fresno, USA
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Vans Warped Tour - 19.08.2009 - Fresno, USA
Zwar scheiterte der Versuch, die "Vans Warped Tour" Ende der Neunziger in Europa zu etablieren. In den USA machte "Warped Tour"-Vordenker und Gründer Kevin Lyman die Tour aber zu einem kommerziell hoch erfolgreichen Sommerereignis. Ein Besuch bei der 2009er Auflage der Tour in Fresno, Nordkalifornien lies gemischte Gefühle zurück und zeigte, dass der einstige Undergroundcharme der Tour immer mehr schwindet und die "Warped Tour" mittlerweile fast eine beliebig-austauschbare "Corporate Rock"-Tour ist.
Dieser Eindruck entstand vor allem daraus, dass es der "Warped Tour" an Atmosphäre mangelt. Dies deswegen, weil sich die Tour zu einem Event entwickelt hat, bei dem sich neben Bands vor allem auch Firmen präsentieren: KIA Motors, die Mobilfunkfirma Verizon, Hurley und Monster Energy Drink sponsorten alle wenigstens eine der acht Bühnen und engten die Sicht auf die nicht von ihnen gesponsorten Bühnen durch riesige Promotionstände ein. Wenn man sich aber einmal zu einer Bühne vorgerobbt hatte, gab es dort aber durchaus gute Überraschungen zu sehen. Allerdings spielten so viele Bands, dass man von vielen nur kurze Abschnitte sehen konnte und hier nur die Sets besprochen werden, die komplett gesehen wurden.
AIDEN meisterten ihren schweren, weil sehr früh auf 12 Uhr mittags datierten Slot überraschend gut. Die Band widerlegte mit einem energischen Set jegliche Eindrücke, sie sei ein poppiges Emoensemble ohne Biss. Sänger Will tobte wie wild über die Büne und schmiss kurzzeitig sogar die Securities aus dem Bühnengraben raus, um das Publikum dort herein zu holen, damit es leichter die Bühne zum Stagediving entern konnte. ALEXISONFIRE spielten wenig später vor allem von ihrem letzten Album "Old Crows, Young Cardinals" und obwohl sich leider nur sehr wenige für ihr Set interessierten, spielte die Band ein kurzweiliges Set, was allerdings nichts gegen das absolute Highlight des Tages war: THRICE. Die Band um Dustin Kensrue trat am späten Nachmittag auf und ihr gelang es, ein fast atemberaubendes Set zu spielen, das stetig an Intensität zunahm. Denn es ging ruhig mit Songs von der "Water"-Ep los. An sie schlossen sich "Firebreather" und "The Earth will shake" an und kurzzeitig wurde das Set düster und melancholisch. Wenig später löste sich dies aber, als einige der groovigen Songs von "Beggars", das Stück "The Artist in the Ambulance" und schließlich "Deadbolt" vom zweiten Album "The Illusion of Safety" gespielt wurden. Alles in allem eine tolle Songmischung und nur ein Abzug dafür, dass am Ende Zeit verschwendet wurde, um die BEATLES zu covern. Wenn man nur 40 Minuten Zeit hat, wie THRICE bei der "Warped Tour", dann diese bitte mit eigenen Songs füllen! Überraschend gut waren auch LESS THAN JAKE, die sehr viele alte Songs spielten, und die das Publikum mitrissen wie schon lange nicht mehr. Die Band war spontan, nahm Zurufe aus dem Publikum auf und sichtete schließlich eine ca. 40 Jährige im Publikum, die sie auf die Bühne holte und sie einen Song lang auf der Bühne mittanzen ließ.
Einen krassen Kontrast zu den Höhenflügen von THRICE und LESS THAN JAKE lieferten NOFX mit einem leider enttäuschenden Set. Man merkte einmal mehr, wie diese Band mit Fat Mike steht und fällt. Denn selbiger hatte an diesem Tag gar keine Lust, begann das Set mit den Worten "The last time I was in Fresno, we played the worst show ever" und betonte während des 40 minütigen Sets immer wieder, wie gerne er jetzt schon aufhören würde zu spielen, weil er keine Lust mehr habe. Gegenüber dem witzigen, spontanen und irgendwie sympathischen Fat Mike von vor, sagen wir, fünf oder sechs Jahren, hatte man bei dieser Show einen frustrierten Altpunk vor sich, der – sorry – nichts mehr von dem Witz, den NOFX einst bei ihren Shows rüber brachten, rüber bringen konnte. Vielmehr wirkten die Minderheitenwitze und der Fäkalhumor zwischen Songs wie "The Brews", "Linoleum", "Murder the Government" und anderen ideenlos und so brutal unkreativ, wie man diese Band schon lange nicht mehr gesehen hatte. Wer aber denkt, dass hiermit bereits die Talsohle des Tages erreicht war, irrt, denn die GALLOWS standen noch an.
Zwar sind die Briten auf Platte durchaus okay bis gut. Was sie allerdings bei der "Warped Tour" ablieferten, war unter aller Würde. Dabei war es gar nicht mal die Musik, die störte. Im Gegenteil, rein musikalisch zeigte die Band, dass sie den wütenden Hardcorepunk, den sie auf mittlerweile zwei Alben veröffentlicht hat, durchaus gut umsetzen kann. Sänger Frank Carter kommandierte seine zwei Gitarristen dazu, mit ihm die Bühne zu verlassen und zum Publikum hinunter zu steigen, um dort zu performen. Klar, das war eine pseudo-Squat-Show-Simulation, machte aber dennoch Spaß. Was dann aber an Sprüchen von Frank Carter kam, machte alle Freude am bisherigen Set zunichte. Er beschwerte sich erstens über das "serious lack of Punk", das bei der diesjährigen "Warped Tour" herrschte. Ihn störte augenscheinlich, dass sehr viele Emo- und Metalcorebands (u.a. CHIODOS, UNDEROATH, SAOSIN) die Tour mitfuhren, so dass er alle Emokids bat, nach Hause zu gehen und "to kill yourself". Aber gerade die GALLOWS müssen sich hier an die eigene Nase fassen, denn erstens hat sie niemand gezwungen, eine Tour mitzufahren, die ein "serious Lack of Punk" hat. Sprich wer sich darüber beschwert, hätte die Tour von vorn herein nicht mitfahren brauchen. Zweitens verkaufen die GALLOWS dasselbe Image wie die von ihnen kritisierten Emo- und Metalcorebands (siehe z.B. schrille-bunte T-Shirtdesigns) und drittens ist es ein offenes Geheimnis, dass die Band eine Million Pfund Vorschuss für ihr erstes Album von Warner bekommen hat. Ergo, wer sich als Fast-Millionär auf diese Art und Weise beschwert, hat augenscheinlich völlig vergessen, dass er in dieselbe kommerzielle Liga gehört wie die kritisierten Bands. Insofern waren die Aussagen Carters keinesfalls rebellisch oder gar cool, sondern – im Gegenteil – undurchdachtes, pubertäres Gefasel von einem – und das macht es noch schlimmer –, der seinen Erfolg der englischen Musik-Yellow Press zu verdanken hat.
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Kommentare
Sehr schöner Bericht und eine interessante Kritik! Man sollte halt nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt ...
Aber seit wann fahren denn IYF-Schreiber extra in die Staaten, um zu berichten? Oder seit ihr jetzt schon so groß, dass ihr extra eingeflogen werdet? ^^
<p>@smöre: "Oder seit ihr jetzt schon so groß, dass ihr extra eingeflogen werdet?"....aber klar doch.....lol</p>
Wusstest du noch nicht, das des IYF Millionen auf dem Konto hat und seit neusten einen Privatflieger besitzt? :-)