WACKEN OPEN AIR 2005: trotz Schlamm musikalisch top

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WACKEN OPEN AIR 2005: trotz Schlamm musikalisch top

WACKEN OPEN AIR 2005: trotz Schlamm musikalisch top

WACKEN OPEN AIR 2005: trotz Schlamm musikalisch top

Bereits zum 16ten mal machten sich die "Warriors of the World" daran, den Norden Deutschlands zu rocken. Dass das Kult Metal Festival Wacken, und damit auch der kleine Ort, wieder für mehrere Tage ein anderes Leben führen konnte, war wieder das Ziel. Die Rahmenbedingungen waren zwar nicht so gut wie letztes Jahr, da die unbarmherzige Sonne des letzten Festivals kaltem Regenwetter Platz machen musste. Trotzdem gab es eine riesen Party, welche allerdings auch durch tragische Ereignisse getrübt wurde. Aber dazu an späterer Stelle mehr.

Organisatorisch präsentierte sich das Festival weitesgehend gewohnt professionell, auch wenn die Versorgung der Schlammwege auf den Camping Plätzen und auch auf dem Festival Gelände nicht optimal war. Hier hätte man mehr Stroh benötigt! Auch der Umgang mit Regenwasser in Bezug auf die Stromversorgung und das Thema "pinkelnde Fans" hätten unter einer durch und durch professionellen Führung anders laufen müssen. Positiv hingegen ist die Veränderung der Futterstände, welche dieses mal für die teuren Preise wenigstens ordentliche Portionen zu bieten hatten. Nun aber zum wichtigsten: den Bands! An erster Stelle sei natürlich erwähnt das der Mittwoch ganz klar MAMBO KURT auf der Jim Beam Rock Stage gehörte. Heimorgel rules, und wenn SLAYER angespielt werden brechen alle Dämme bei den betrunkenen Metalheads.

Donnerstag

Das Festival eröffnen durften dieses mal die Norwegischen Goth-Rocker von TRISTANIA, welche zwar ihre Fans überzeugen konnten, auf mich aber weiterhin wie eine gesichtslose Beauty & Beast Kapelle wirkt. Sie sind definitiv austauschbar. Ein ganz anderes Kaliber waren die Doom Götter von CANDLEMASS. Nach dem Fiasko vor zwei Jahren war dieses Mal alles zur richtigen Zeit auf der richtigen Bühne. Die Mannen um Frontmann Messiah bewiesen, warum sie als eine der besten Live-Kapellen der Szene gelten. Epische Dramen in Liedform, von einem agilen Frontmann nach vorne getragen und mit glasklarem Sound ausgestattet, hatten die richtige Grundlage, der Sound stimmte. Das ist alles, was das Doom-Herz begehrt. Auch die Songs des neuen Albums wirkten neben den Klassikern von "Nightfall" absolut gleichberechtigt. 1a Auftritt!

Was OOMPH! in Wacken verloren haben, bleibt hingegen ein Rätsel, und so wird hier ein Mäntelchen des Schweigens über den Auftritt der deutschen Industrial-Band ausgebreitet. Headliner am Donnerstag waren die finnischen Abräumer von NIGHTWISH. Allerdings bleibt auch hier ein fader Beigeschmack. Liegt es an der Übersättigung? Liegt es an der fehlenden Begeisterung der Band? Man weiss es nicht, aber die Band um Songwriter Tuoamas und Frontlady Tarja wirkt bei weitem nicht mehr so agil wie früher. Die Songauswahl war ein gutes Best of Programm ohne große Überraschungen, unterschied sich aber auch nicht merklich von der diesjährigen Tour. Dass die Fans die Band trotzdem abfeierten ist natürlich klar. Trotzdem wäre der Band eine künstlerische Pause anzuraten.

Freitag

Der Freitag begann sehr schwarzmetallisch. Eine der Besten Bands der schwarzen Szene stand auf den Brettern: Die Schweden NAGLFAR feuerten ihre Schwarzen Hymnen auch bei Tageslicht äusserst erfolgreich ins Publikum. Hier zeigte sich, dass der Sängerwechsel definitiv kein Nachteil war. Gerade die neuen Songs wie "A swarm Of Plaques" oder "And The World Shall Be Your Grave" rockten wie Hölle und bewiesen die Ausnahmestellung von NAGLFAR. So dunkel sind Melodien bei keiner anderen Band.

Fröhlicher ging es dann bei SONATA ARCTICA zu, welche dieses mal mit sehr gutem Sound ausgestattet ihre Keyboardlastigen Songs ins Publikum feuerten. Modisch, wie schon beim Rock Hard Festival und stimmlich topfitt animierte Frontmann Toni das Publikum auch bei schlechtem Regen. Getoppt wurde dies am Abend nur noch von den Helikopter Fliegern EDGUY, welche bei ströhmendem Regen noch grössere Partystimmung verbreiteten. Allerdings war Tobi auch noch schlechter gekleidet, aber von ihm ist man den "Freak-Faktor" ja gewohnt. Auf jeden Fall steppte bei Songs wie "Under the Moon" oder "Vain Glory Opera" der Bär.

Den Finnischen Hummpa und Pagan Faktor am Freitag hielten Nachmittags die grandiosen ENSIFERUM mit Songs wie "Hero in a Dream" hoch, während diese Aufgabe Nachts den Landsmännern TURISAS mit ihrem Battle Metal zufiel. Beide Bands überzeugten auf voller Linie und sorgten auch im Schlamm für einige tanzende Wilde. Die Mittelalterfreunde erfreuten sich Nachts. Erst mit POTENTIA ANIMI, welche ihre Wacken Feuerprobe zeremoniell in ihren Roben bestanden, bevor man sich zum grossen Highlight aufmachte. CORVUS CORAX vertonten die CARMINA BURANA mithilfe eines Orchesters neu. Das ganze wirkte nicht nur visuell sehr aufwendig, sondern konnte auch soundmässig voll überzeugen und sorgte für mehr als einen offenen Mund. CORVUS CORAX waren ein großartiger Headliner! Wer es lieber exotisch wollte, blieb im Zelt und schaute den finnischen Kriegern von TERÄSBETONI zu. Der Name bedeutet soviel wie Stahlbeton und der Name ist Programm. Die Finnen-Manowar konnten die Anwesenden mit ihren finnischen Hymnen durchaus begeistern. Highlight war hier die Single "Tyvas lyö tulta".

Samstag

Am zweiten Tag ging jedem das Wetter so langsam auf den Sack, und ohne den nötigen Pegel Bier konnte es einem sogar die Stimmung verderben. Zum Glück sind IN YOUR FACE-Redakteure geübte Trinker, und so begeisterten um 12:50 Uhr schon DRAGONFORCE die gepeinigte Seele. Der pfeilschnelle Power Metal weckte alle Lebensgeister. Und so wie die Jungs über die Bühne flitzen und Spielfreude verbreiten, muss man entweder tot oder ignorant sein, um nicht mitzugehen. "Fury of the Storm" und "Starfire" waren definitiv Lehrstücke, die jeder Jünger des schweren Metalls mitgebetet haben sollte. Überraschend konnten auch die Altthrasher von OVERKILL begeistern. Sie legten einen astreinen Gig mit hohem Spassfaktor hin. Wer hätte gedacht, das in den alten Männern noch soviel Energie steckt?

Die Pagan Flagge hielten die finnischen Urväter FINNTROLL gewohnt souverän hoch, und mit einer Ausnahmesingle wie "Trollhammaren" im Gepäck sollte das nicht weiter überraschen. Heute gab es aber noch deutsche Unterstützung, denn die Bayern von EQUILIBRIUM feuerten Nachts ihre Kampf,- und Trinkhymnen ins Publikum. "Met" und "Unter der Eiche" vom Album "Turis Fratyr" brachte den Mob noch einmal ordentlich zum Gröhlen und Hörner schwenken. Auch das war ein sehr gelungender Wacken-Einstand.

Weitere gute Auftritte absolvierten ACCEPT, GODDESS OF DESIRE, die göttlichen PRIMORDIAL und die ABGÄNGER SENTENCED, allerdings macht sich nach vier Tagen Festival und Alkohol doch so langsam die Erkenntnis breit, das mehr als zehn Auftritte am Tag nicht drin sind. Musikalisch also eines der gelungensten Wacken, auch wenn ein Götterauftritt der Marke "SATYRICON Feat. NOCTURNO CULTO" dieses Jahr fehlte.

Der Eingangs erwähnte tragische Punkt des Festivals ist der Todesfall eines Besuchers, welcher betrunken im Schlamm ausrutschte und dabei direkt mit dem Kopf vor einen vorbeifahrenden Krankenwagen fiel. Der Besucher starb im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen. RIP Brother! [An dieser Stelle sei noch einmal auf die Spendenaktion für die Familie des Verstorbenen hingewiesen - Anmerl. d. Red.]

Fotos: Wacken/ ICS Festival Service / Bright Eyes.

Eingetragen von Sebastian am 07.09.2005

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