All Aboard! - Twelve Little Compliments
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All Aboard! - Twelve Little Compliments
EA 80, Settle The Score, Nein Nein Nein und nun ALL ABOARD! - Mönchengladbach ist sicherlich nicht für seine große bzw. pulsierende (wahlweise auch hippe) Punkrockszene bekannt, aber in regelmäßigen Abständen spuckt der Niederrhein extrem brauchbare Bands verschiedenster Genres aus seinen Feldern und Wiesen.
ALL ABOARD!, vor gut zwei Jahren geboren und seitdem extrem umtriebig und veröffentlichungsfreudig, machen aber jedoch einiges anders, als ihre bekannten Stadtbrüder. Auf ihrem auf Bakraufarfita Records erscheinenden Debütalbum findet sich kein wavig-morbider Einschlag, kein Metal, kein amüsantes Gepöbel gegen Eliten und die eigene Szene. Stattdessen: Rau-poppiger Punkrock amerikanischer Machart mit hörbarem Folkeinschlag und Texte über gebrochene Herzen, diverse Biere und den eigenen Verdruss. Das kommt vom Herzen, von nebenan und trifft meist per Raucherstimme samt Crewunterstützung innerhalb von durschnittlich zweieinhalb Minuten sympathisch-unkitschig die Mitte unserer Pumpe. So soll es sein. "Twelve Little Compliments" fröhnt dem Unspektakulären, dem Abend mit Freunden, dem Unterwegs sein. Eine Spur Romantik findet sich überall. Nicht nur in Ankern, Schwalben und Cadillacs. Musikalisch wird ebenfalls heftig geflirtet. Hier ein Lobgesang auf Far From Finished, hier ein Gruß an bordsteinkanntige Green Day-Versionen à la Banner Pilot und im Outro schielt man sogar mal gen Postcore. Die aufgebauten Tourbeziehungen der Gladbacher mit dem bärtigen Punkrock von Nothington und The Riot Before machen aufgrund ähnlicher Hobbys defenitiv Sinn. Das funkt. Immer wieder mischen sich akustische Klänge in die Punkrocksongs und manchmal wird der Verstärker auch gänzlich im Keller gelassen. Trotz vieler Liebeserklärungen und Gemeinsamkeiten machen All Aboard! aber ihr gänzlich eigenes Ding. Mönchengladbach ist eben nicht San Francisco und so klingt der All Aboard-sche Pathos nachvollziehbarer und weniger träumerisch und auch die Songs selbst sind oft schnörkelloser auf den Punkt gespielt. Schnick Schnack sucht man hier vergebens, unnötiger Ballast wird über Bord geworfen.
"Twelve Little Compliments" macht Spaß, ist kurzweilig und besitzt trotz aller Autofahrqualitäten den nötigen Tiefgang für die nächsten 31 "33rounds per minute". Zwar fallen einige wenige Songs (meist die etwas gedrosselten) in anbetracht kleiner Hits wie "Join My Way" oder "If You'd Stay" ein wenig ab, doch am Ende steht ein feines erstes Album, welches definitiv auch ein Kompliment verdient hat.
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