Elderstream - Let Your Spirit Soar
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Elderstream - Let Your Spirit Soar
Stellen wir uns einmal folgendes Szenarion vor: Meine Großmutter lädt mich und den Rest der Familie zu Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag ein. Sie stellt eine große Platte mit einer Sahnetorte auf den Tisch. Beim ersten Bissen in die Torte ist die Verwunderung unter den Anwesenden erst einmal groß, bis irgendjemand merkt, dass der komische Geschmack der Torte daher kommt, dass die Sahne eigentlich Remouladensoße ist und der Rest der Torte aus Fischstäbchen und Kartoffelbrei besteht. Nach einigen herzlichen Lachern denken sich alle „scheiss doch auf Sahnetorte“ und langen kräftig zu, schließlich muss man innerlich schon tot sein, um keine Fischstäbchen zu mögen. Vielleicht liegt die Freude der Familie auch darin begründet, dass der Kaffee streng genommen aus warmer Cola mit einem Schuss LSD besteht, aber ich möchte euch nicht weiter mit Erzählungen davon langweilen, wie ich mein letztes Wochenende verbracht habe.
Auch bei ELDERSTREAM aus Aschaffenburg ist etwas ganz anderes drin als man auf den ersten Blick erwarten würde. Bandname, Albumtitel und Artwork sind in sich vollkommen stimmig und deuten klar auf Hippie-Musik aus den 60ern hin. Dummerweise passen nur die acht Songs auf „Let Your Spirit Soar“ überhaupt nicht in dieses Bild. Was ELDERSTREAM statt Akustikgitarren-Sitzkreis-Trommelzirkel nämlich bieten ist eine leicht progressiv angehauchte Variante des Post-Hardcore, die in einigen seltenen Momenten Elemente des Post-Rock mit aufgreift. Als grobe Orientierung kann man sich eine Mischung aus FIRE IN THE ATTIC, MUTINY ON THE BOUNTY, THE INTERSPHERE und COHEED AND CAMBRIA vorstellen, allerdings ist das, was ELDERSTREAM auf ihrem Debütalbum präsentieren doch eine recht eigenständige Schose.
Und genau wie die dubiose Fischstäbchen-Torte aus der ebenso dubiosen Einleitung dieses Reviews macht „Let Your Spirit Soar“ nach dem ersten Moment der Verwunderung richtig Spaß. Die Songs schaffen perfekt die Gratwanderung zwischen Energie und Emotion, sind trotz dynamischer Kompositionen in sich absolut nachvollziehbar und gehen bei aller Komplexität doch gehörig ins Ohr. Eigentlich gibt es an „Let Your Spirit Soar“ außer der kurzen Spielzeit keinen einzigen Kritikpunkt, da man es bei ELDERSTREAM mit einer Band zu tun hat, die sehr genau weiß, mit welchen Mitteln welches Ergebnis zu erreichen ist. Songs wie „Handshakes Are For Strangers“, „Only A Man“ oder „The Flood“ sind nur einige eindrucksvolle Beispiele für den eigenen, eingängigen und doch begeisternden Stil von ELDERSTREAM. Das handwerkliche Können der vier Bandmitglieder wird hierbei nie zum Selbstzweck, sondern stellt sich stets in den Sinn des einzelnen Songs. Ebenso wie bei der Fischstäbchentorte würde ich jedem Rockmusik-Fan dazu raten, ELDERSTREAM einmal anzutesten – es lohnt sich auf jeden Fall.
Bewertung









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