Kazimir - Brokenlande EP
Kazimir
"Brokenlande", das klang für mich zunächst nach einem etwas misslungenen EP-Titel auf denglish, ist aber einfach nur der Heimatort der vier jungen Musiker von KAZIMIR, der irgendwo in der Pampa zwischen Hamburg und Kiel liegt und der anscheinend über eine recht bekannte Autobahnausfahrt verfügt. Faszinierend, wie schnell man doch vom Etepetete-denglish zur norddeutschen Provinz gelangt. Und ehrlich gesagt, sind KAZIMIR hier auch ganz gut aufgehoben. Die Band um Sänger und Gitarrist Eric Seemann passt nämlich einfach besser in eine etwas triste, dafür aber umso ehrlichere Ländlichkeit als in die Umgebung von Frappuccino servierenden Schickimicki-Bars in selbsterklärten Weltstädten.
Beim ersten von fünf Songs, die KAZIMIR in guten 20 Minuten bieten ("Schienenspiel") fallen vor allem zwei Dinge auf: Zum einen die ziemlich scheppernde Produktion von "Brokenlande", zum anderen die reservierte Melancholie in den Songs, die man bei Bands aus der Umgebung von Hamburg inzwischen gewohnt ist (CAPTAIN PLANET können hier durchaus als Referenz gelten). Beim zweiten Song ("Junge verliebt sich in Mädchen, Mädchen sagt nein") schlägt die anfängliche Melancholie fast schon in Depression um, zumal der Text des recht atmosphärischen Tracks einzig und allein aus dem Titel besteht. Glücklicherweise findet sich im Anschluss mit "Gesagt, Getan" eine solide Rocknummer, die die Stimmung heben kann, wobei der folgende Titeltrack diesen Kurs konsequent weiter verfolgt. Ein wenig erinnern die beiden Songs an Stücke der WOHLSTANDSKINDER oder von SCHROTTGRENZE, während der letzte Song "Joggen vs. Amoklaufen" wieder in eine etwas melancholischere, fast schon post-rockige Richtung tendiert.
"Brokenlande" ist ein nachdenkliches Release, das es schafft, "Emotionale Gitarrenmusik ohne Lidschatten", wie es das Promo-Sheet mir bereits freundlicherweise vorformuliert hat, zu schaffen. Die Songs sind in sich stimmig und dennoch glänzt "Brokenlande" mit einem Maß an Abwechslung, das man bei nur fünf Songs eigentlich nicht erwarten kann. Einzig und allein das etwas zu schmalzig geratene "Junge verliebt sich in Mädchen, Mädchen sagt nein" gefällt mir so gar nicht, ansonsten ist "Brokenlande" aber ein sehr vielversprechendes Lebenszeichen, von einer Band, die ich mir schleunigst unter den Nagel reißen würde, wenn ich ein eigenes Label hätte.









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