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Nile - At The Gate Of Sethu

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Nile - At The Gate Of Sethu

Bandname: 
Nile
Titel der CD: 
At The Gate Of Sethu
Releasetermin: 
29.06.2012
Label: 
Nuclear Blast
URL der Label-Seite: 
http://www.nuclearblast.de
Kontaktieren: 
http://www.nile-catacombs.net

Quelle des Lebens im bekanntesten Wüstenstaat der Erde. Berühmt für die grünen, fruchtbaren Oasen entlang seiner Ufer und am Mündungsdelta. Die Rede ist vom Nil, ganz nebenbei der längste Fluss der Erde. Die Schlagworte: "grün, fruchtbar und Quelle des Lebens" kommen einem bei NILE nicht in den Sinn. Kein Wunder, setzen die Technical-Death-Metaller aus den USA mit ihrem inzwischen siebten Album ganz ihrem inhaltlichen Stil treu bleibend dem ambivalenten ägyptischen Gott Seth ein musikalisches Denkmal. Und der steht laut der ägyptischen Mythologie als Wüstengott und Gott des Verderbens, des Chaos und einer der Totengötter nicht für positive Attribute. "At The Gate Of Sethu" fügt sich so mit seinem grandiosen, düsteren Cover-Artwork allerdings stimmig in das bisherige, sehr eigenständige Oeuvre der Band um Mastermind Karl Sanders.

Mit dem ambitionierten Hobby-Ägyptologen als zentrale Figur gilt die Band spätestens seit dem hochbeachteten "Amongst The Catacombs Of Nephren-Ka" als eine der bekanntesten und respektiertesten progressiven Death-Metal-Combos. Das letzte, vor drei Jahren veröffentlichte Album "Those Whom The Gods Detest" gilt vielen Fans und auch Musikjournalisten aufgrund der technischen Brillanz, seinem Abwechslungsreichtum bei gleichzeitiger Eingängigkeit und Songwriting auf allerhöchstem Niveau als der bisherige Höhepunkt des musikalischen Schaffens. Also wieder einmal ein Nachfolgealbum, das sich riesigen Erwartungen stellen muss. Wie man es von einer progressiven Band erwarten kann, geht die Evolution weiter. Bandmitglied Dallas Toler-Wade bringt es in einem jüngst bei YouTube veröffentlichten Video auf den Punkt: "Wir wollen uns immer wieder selbst herausfordern, nicht zuletzt technisch und vor allem wollen wir nicht immer wieder das gleiche Album machen." Die Anspielung ist treffend und gerade im Death Metal gibt es neben einer Handvoll Titanen (zu denen NILE zweifellos zählen) unzählige Bands, denen es am Abwechslungsreichtum oder am Potential zur Weiterentwicklung fehlt und die dann "einfach nur brutal" sind. Kann auch nett sein, aber mehr eben oft nicht.

"At The Gate Of Sethu" erinnert vom Sound her sehr an die frühen Alben "Catacombs" und "Shrines", trotzdem beschreitet die Band musikalisch neue Wege. Zum Beispiel durch verhältnismässig viele klare/geshoutete Vocals, die unter anderem das ehemalige Bandmitglied Joe Vesano als Gastmusiker beisteuerte. Oder durch die nur zwei unter zwei Minuten bleibenden Instrumentalstücke "The Slaves Of Xhu" und "Ethno-Musicological Cannibalisms", die (im Gegensatz zu früher) nicht wirklich für sich alleine stehen, sondern eine Art Einleitung für die nachfolgenden Songs darstellen. Doch selbst hier blitzt beim Einsatz der traditionellen Instrumente und orientalischer Percussion das Ganze musikalische Können der Band auf. Es gibt auch etwas Kritik: Den Bass hört man bei dem ganzen Doublebass-Gewitter und den derben Gitarrenriffs oft gar nicht wirklich raus, allgemein ist der Sound für eine Death-Metal-Band mit Doom-Einflüssen recht höhenlastig. Der Vorteil davon ist wiederum, dass die (vor allem) akustischen Saiteninstrumente und auch die Schlagzeug-Fills kristallklar rüberkommen. Wo wir beim Schlagzeug sind - Drummer George Kollias ist wieder schlicht unglaublich. Der für sein extrem schnelles Spiel bekannte Grieche knallt einem Blastbeats und Doublebass mit teilweise 280 Schlägen pro Minute um die Ohren. Der Gesang gestaltet sich ebenfalls bewundernswert vielseitig, so wie beispielsweise in "The Fiends Who Come to Steal the Magick of the Deceased", wo über Shouts, Growls und klarem Gesang von allem was dabei ist. Dadurch klingt der Song an manchen Stellen eher wie ein sehr schneller Progressive-Thrash-Song als ein Death-Metal-Stück. Hier und auch an anderen Stellen lassen Progressive-Thrash-Bands wie "Tourniquet" grüßen, auf deren kommendem Album "Antiseptic Bloodbath" Sanders übrigens auch als Gastmusiker mitarbeitete. Erst beim vierten Stück "When My Wrath Is Done" nehmen die drei Musiker etwas von dem wahnwitzigen Tempo aus dem Album, die Betonung liegt auf "Etwas". Nach einem stimmungsvollen Einstieg mit Sitar und schleppend langsamen Doom-Riffs schalten die Jungs i recht schnell wieder 2 Gänge hoch. Der Gesang von "Wrath" ist zu Beginn sehr düster mit Death-Growls, wechselt dann aber auch zu Thrash-Shouts und pendelt sich dann irgendwo zwischen Death, Thrash und Doom ein. Sehr beklemmend-genialer Song. "The Gods Who Light Up the Sky at the Gate of Sethu" beginnt mit Mumien-Gegurgel und einem grandiosen Thrash-Riff. Man kann sich fast körperlich an das Tor eines dunklen, ägyptischen Grabs versetzt fühlen, in dem einem Mumien-Zombies im Schatten entgegen schleichen. Spätestens bei "Natural Liberation of Fear Through the Ritual Deception of Death" ist es mit der minimalen Pause zum Durchatmen vorbei - der Song haut gnadenlos brutal und extrem schnell voll auf die Mumienbandage. "Supreme Humanism of Megalomania" ist sehr melodisch und erinnert stark an das Vorgängeralbum. "The Chaining of the Iniquitous" macht mit sieben Minuten als längster Song den Sarkophag zu. Mit orientalischen Flötenklängen und dem Blasen des Windes fühlt man sich einmal mehr an die Ufer des Nil versetzt - der Song bleibt die meiste Zeit doomig-schleppend, auch die Gitarrensolos sind (für NILE) sehr langsam, fügen sich aber stimmig in die Gesamtatmosphäre des Albums ein.

Progressive Metal kann anstrengend sein, aber auch bereichernd und abwechslungsreich. Beim neuen NILE Album werden sich vermutlich die Geister eher scheiden, WIE gut es ist und nicht OB. Mit ihren komplexen Songstrukturen, dem hohen technischen Niveau und der brachialen Härte ihres ägyptischen Extrem-Metals ist man von NILE hochwertige Alben gewohnt. Im Netz reichen die ersten Stimmen von "enttäuscht - das sind nicht mehr NILE" (was alleine aufgrund des eigenständigen Stils ein sehr hartes Urteil ist) bis zu "ein weiteres Meisterwerk von NILE". Ich selbst bin kein Fan der Band und versuche so gut das eben möglich ist, objektiv zu bleiben. Trotzdem sage ich: Für Fans von technisch anspruchsvollem Death Metal legt NILE mit ihrem siebten Longplayer ein sehr gutes Album vor, das trotz einiger Weiterentwicklungen noch (fast) alles beinhaltet, wofür die Band so geschätzt wird. Darüber, ob es ein Meilenstein wie einige der bisherigen Alben ist, kann man so lange streiten, bis eine Mumie zu Staub zerfallen ist. Darüber, ob es schlecht ist nicht.

Anspieltipps: The Gods Who Light Up the Sky at the Gate of Sethu, When My Wrath Is Done, The Chaining of the Iniquitous, The Fiends Who Come to Steal the Magick of the Deceased .

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Tracklist

1. Enduring the Eternal Molestation of Flame
2. The Fiends Who Come to Steal the Magick of the Deceased
3. The Inevitable Degradation of Flesh
4. When My Wrath is Done
5. Slaves of Xul
6. The Gods Who Light Up the Sky at the Gate of Sethu
7. Natural Liberation of Fear Through the Ritual Deception of Death
8. Ethno-Musicological Cannibalisms
9. Tribunal of the Dead
10. Supreme Humanism of Megalomania
11. The Chaining of the Iniquitous
12. Enduring the Eternal Molestation of Flame (Instrumental) (DIGI bonustrack)
13. The Inevitable Degradation of Flesh (Instrumental) (DIGI bonustrack)

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(Bewertung: 8 von 10 Lumpis)

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