QUEENSRYCHE - Operation: Mindcrime II

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QUEENSRYCHE - Operation: Mindcrime II

QUEENSRYCHE - Operation: Mindcrime II

QUEENSRYCHE

Operation: Mindcrime II
VÖ: 31.03.06

Die Allmachtsphantasien der amerikanischen Gesellschaft und der tiefe Fall sind derzeit ein viel diskutiertes Thema. Sind die Vereinigten Staaten der Prototyp einer freien Gesellschaft, die Wiege der Demokratie oder nur ein Bastard aus Gewalt, Macht und Leid, ein abschreckendes Beispiel? Für Nikki war es 1988 letzteres. Diese amerikanische Leidensgeschichte aus Freiheit, Angst, Manipulation und gewalttätiger Paranoia erzählten QUEENSRYCHE meisterhaft untermalt mit großartigen, nicht wieder erreichten Songs. Ein Meisterwerk! Ein All-time Top 10 Metal-Album!

18 Jahre später wird die Geschichte um Nikki, Schwester Mary und Doctor X weiter erzählt. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis geht es der Hauptfigur um Rache und Wiedergutmachung, die Jagd nach den Mördern seiner Geliebten und den Frieden mit sich selbst. Große Themen, die leider sehr eindimensional von QUEENSRYCHE interprtiert werden. Zwar kann man schon beim ersten Hören sagen, dass die 17 Songs weit über dem Niveau der letzten Veröffentlichungen liegen, aber weder an Klassiker wie „The Warning“, „Rage for Order“ oder „Promise Land“, geschweige denn an den unschlagbaren ersten Teil heran reichen. Es fehlt die Tiefe, die Hingabe an die Geschichte, die es zu erzählen gilt. Sieht man „Operation: Mindcrime II“ als selbständiges Album kann es locker mit „Empire“ mithalten, auf den sich ähnlich Sonne und Schatten die Waage hielten, klasse Lieder neben Langweilern standen.

Während es QUEENSRYCHE 1988 schafften, mit großartig strukturierten und spannenden Songwriting aufzuwarten, wirkt das Sequel wie ein Schnellschuss. Wo sich Musik ausgereift und einzigartig homogen präsentierte, findet sich nur eine Ansammlung von Songs, die in der Zusammenstellung nur wenig Bezug zueinander haben. Es fehlen diese viele kleinen Details, die „Operation: Mindcrime“ ausmachten und es so opernhaft, fast wie ein Film vor dem inneren Auge ablaufen ließ. Die Songs sind alle recht kurz und kompakt gehalten, teilweise sehr energiegeladen, dafür erreichen kaum Spielereien das Ohr. Das Keyboard-Orchester nervt erheblich und es gibt keine erzählende Ebene.

Klar, QUEENSRYCHE möchten nicht kopieren, sondern einen eigenständiges Album aufnehmen, aber der zweite Teil ist dabei wesentlich schwächer ausgefallen. Nur an wenigen Stellen blitzt Klasse auf. Mit „I´m American“ kreiert das Quintett gleich zu Beginn den Ohrwurm des Albums, der sogleich von dem Langweiler „One Foot in Hell“ abgelöst wird. So geht es weiter, auf einen guten Song folgt ein schwächerer. Mittelmaß ist vorherrschend und wird zu selten durchbrochen, wie z. B. mit der herausragenden Bombast-Nummer „An International Confrontation“, das allein dem hohen Niveau der Veröffentlichungen der achtziger Jahre Paroli bieten kann. Eine Parallele zum einstigen Meisterwerk ist die Stimme von Pamela Moore, die der Gestalt von Schwester Mary Wiedererkennung verschafft. Dazu kommt noch die große Ehre, den kleinen Mann mit der großen Stimme, Ronnie James Dio, als Doctor X in „The Chase“ hören zu dürfen. Ideen sind da, insgesamt nur zu wenige. Die gewohnt exzellente Instrumentierung und der eigenwillige, druckvolle Sound lohnt den Kauf.

Was aber sehr interessant klingt, ist die Ankündigung Geoff Tates, „Operation: Mindcrime“ auf der Bühne mit Darstellern unterstützen zu wollen. Da kann man nur auf ein abstraktes Spektakel hoffen, dass man am besten nicht verpassen sollte. Bis dahin nehme ich mit den Frühwerken QUEENSRYCHEs und dem Meisterwerk schlechthin vorlieb, als mit dem am extrem hohen Anspruch gescheiterten zweiten Teil.

Eingetragen von Habi am 04.04.2006

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