Serj Tankian - Harakiri
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Serj Tankian - Harakiri
In der Welt musikalischer Künste wird nur allzu oft der Begriff des "Arbeitstieres" genutzt, um Künstler zu beschreiben, die mit einem einzelnen Projekt nicht ausgelastet zu sein scheinen. Allerdings muss der Begriff mit Vorsicht eingesetzt werden, denn einerseits beschreibt er zwar einen äußerst fleissigen Menschen, auf der anderen Seite impliziert er aber auch einen Mangel an Bildung und Intelligenz. Der letzte Punkt trifft auf SERJ TANKIAN sicherlich nicht zu und dennoch ist man dazu geneigt, ihn als Arbeitstier zu bezeichnen, was sicherlich daran liegt, dass die positiven Eigenschaften dieses Begriffes auf die Person Tankian mehr als nur zutreffen. Sänger, Poet, Songwriter, Aktivist - die Aufgabengebiete, die sich der Workaholic gesucht hat, sind ebenso vielseitig, wie zeitaufwändig.
Im vergangenen Jahr hat Tankian ein Rock-Musical mit dem Titel "Prometheus Bound" am Oberon Theater in Harvard auf die Bühne gebracht, seinen zweiten Gedichtband "Glaring Through Oblivion" veröffentlicht, mit dem Opera Orchestra in Jerewan (Armenien) gespielt, politische Treffen mit Staatsoberhäuptern abgehalten und Non-Profit-Events veranstaltet. Nebenbei ist er mit SYSTEM OF A DOWN über drei Kontinente getourt und hat, nach der Rückkehr in die USA, die Arbeiten an vier unterschiedlichen Alben zu Ende gebracht. Eines davon ist das hier vorliegende dritte Soloalbum "Harakiri". Trotz dieser unglaublichen Leistung kann man aber mit SERJ TANKIAN nicht zufrieden sein, denn das für viele Fans wichtigste Projekt - das neue Album von SYSTEM OF A DOWN - lässt weiter auf sich warten.
"Harakiri" ist zu diesem Zeitpunkt dann auch leider nicht mehr, als ein Trostpflaster für all diejenigen, die auf ein neues Album von SYSTEM OF A DOWN warten. Tankian's Stimme ist zwar unverwechselbar und man fühlt sich gleich beim Opener "Cornucopia" an seine wegweisende Hauptband erinnert, aber Tankian Solo erreicht eben nicht im Ansatz das Level, das er mit seinen Musikerkollegen in den letzten 17 Jahren immer wieder erklommen hat. Stattdessen serviert er uns ein Wechselbad der musikalischen Gefühle; auf Streicher wie sie in der Vergangenheit bei ihm zu hören waren, verzichtet er zwar komplett, dafür gibt es aber mitunter elektronische Zwischensequenzen ("Deafening Silence") oder armenisch anmutende Folklore ("Ching Chime"). Richtig gut funktionieren hingegen die etwas rockigeren Stücke ("Occupied Tears", "Butterfly") oder die Momente, in denen die Brachialität von SOAD durchschimmert ("Figure It Out", "Uneducated Democracy").
"Harakiri" zu diesem Zeitpunkt zu veröffentlichen, war eine denkbar schlechte Entscheidung. Alles, was man von SERJ TANKIAN im Moment hören möchte, sind News zu einem neuen SYSTEM OF A DOWN-Album; zumindest, wenn es um musikalische Neuigkeiten des Armeniers geht. "Harakiri" ist sicherlich kein schlechtes Album - und schon gar kein musikalischer Selbstmord, wie es ein gewisser Redakteur eines großen deutschen Musikmagazins gerne sehen würde, um ein schlechtes Wortspiel zu platzieren und einen an den Haaren herbeigezogenen Gegenpol in einer Pro-/Kontra-Rezension zu bilden. Es ist aber beileibe auch kein Meilenstein der Musikgeschichte, denn dafür gibt es einfach zu viele schwache Momente. Unterm Strich bleibt also auch hier nur ein Album mit Höhen und Tiefen, dass in der Gesamtwertung irgendwo im soliden Mittelfeld anzusiedeln ist.
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Kommentare
Genau so sehe ich das auch - ein neues SOAD-Album muss her!
Und btw: Geile Anspielung auf das Review in der Visions :)