Silverstein - Short Songs
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Silverstein - Short Songs
„Meine Fresse, warum denn nicht gleich so?“ möchte man SILVERSTEIN ins Gesicht schreien, wenn die ersten Töne von „Sick As Your Secrets“ den geneigten Hörer von „Short Songs“ recht unvermittelt ins Gehör klatschen. Fast könnte man den Track als Befreiungsschlag von all dem Tran und Kitsch bezeichnen, der SILVERSTEIN in der Vergangenheit immer irgendwie umgeben und ausgebremst hat. Die Kanadier preschen direkt nach vorne, versprühen jede Menge Energie und Geschwindigkeit und nach knapp einer Minute ist der Spuk wieder zu Ende. Weiter geht es mit „Sin & Redemption“ und „SOS“, die zwar SILVERSTEIN-typische gewohnte Melodiebögen enthalten, dabei aber größtenteils auf Shouts, Druck und Tempo setzen. Ich hätte es nicht mehr wirklich erwartet, aber anscheinend müssen SILVERSTEIN erst ein Album mit „Short Songs“ aufnehmen, um wirklich in die musikalische Richtung auszuschwenken, die ich von der Band hören möchte: Nämlich die Richtung mit ordentlich Hummeln im Hintern und Eiern in der Hose.
Natürlich finden sich neben einem guten Anteil nach vorne kloppender Songs auch einige langsamere Momente wie etwa beim tranigen „Sleep Around“, aber durch das Konzept, alle Songs unter 90 Sekunden zu halten, kann man sich an den seltenen Tiefpunkten von „Short Songs“ ganz gut vorbeimogeln. Als Entschädigung gibt es dann Nummern wie das (zumindest für SILVERSTEIN-Verhältnisse) brettharte „La Marseillaise“ oder das schön kompakte „World On Fire“ zu hören, an denen es eigentlich kaum etwas auszusetzen gibt. Im Teil der Eigenkompositionen können SILVERSTEIN mit „Short Songs“ gehörig punkten, da sich die Band hier nahezu durchgehend von einer härteren Seite zeigt, die den Kanadiern ausgesprochen gut zu Gesicht steht und die man sich auch auf den regulären Alben öfters wünschen würde.
Die zweiten elf Songs auf „Short Songs“ machen dann jede Menge Cover kurzer Songs von Bands wie den DEAD KENNEDYS, DESCENDENTS oder NOFX und einigen „Exoten“ wie etwa den Screamo-Pionieren ORCHID oder den Pop-Punkern CHIXDIGGIT aus. Zwar setzen SILVERSTEIN bei den Covern keine wirklichen Akzente, sind allerdings auch weit davon entfernt, die Originale der gecoverten Songs gnadenlos zu verstümmeln. Ob man für „Short Songs“ von den DEAD KENNEDIES eine ganze Wagenladung Gastsänger in 24 Sekunden quetscht, oder sich fünf Sekunden Zeit nimmt, um sich vor „You Gotta Stay Positive“ von GOOD CLEAN FUN zu verneigen, man merkt auf jeden Fall, dass SILVERSTEIN Spaß dabei hatten, ihren Helden Tribut zu zollen. So gelungen hierbei allerdings Cover von NOFX, den GORILLA BISCUITS oder GREEN DAY auch geraten sein mögen, die Krone des besten Covers nimmt klar die SILVERSTEIN-Version von „Destination: Blood“ von ORCHID mit nach Hause. Gute siebzig Sekunden darf man sich hier davon überzeugen, wie SILVERSTEIN als echte Screamo-Band klingen würden und das Ergebnis weiß zu verblüffen und zu begeistern.
Insgesamt macht mir „Short Songs“ noch eine Spur mehr Spaß als das letzte „reguläre“ SILVERSTEIN-Album „Rescue“, so dass ich trotz einiger Schwächen großzügige acht Lumpis für ein Album zücke, dass die Band von einer Seite zeigt, die mir ausgesprochen gut gefällt.Schade nur, dass „Short Songs“ ganz der Albumphilosophie entsprechend bereits nach knapp 20 Minuten schon wieder zu Ende ist.
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