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BILLY TALENT: Erste Eindrücke von "III"

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BILLY TALENT: Erste Eindrücke von "III"

Fanverliebt wie sie sind luden BILLY TALENT und ihr Label Warner Music am 24. Mai ins Berliner Edelweiß-Kaffee ein, um - und nun dürfen alle vor Neid erblassen, die nicht dabei waren - das Anfang Juli erscheinende neue BILLY TALENT-Album "III" das erste Mal vorzustellen. Eine kleine Schmäh war da nur, dass die Band zwar zum Hände schütteln anwesend war, aber nicht selber aufspielte. "III" wurde anstelle dessen von CD vorgestellt und neben der natürlich anwesenden Presse hatten es etwa 100 Fans, die exklusive Tickets für das Event gewonnen hatten, in das Edelweiß geschafft.

Bevor man sich aber erwartungsvoll ins Dachgeschoss des Edelweiß begeben durfte, um "III" zu hören, waren ein zwei organisatorische Hürden zu überwinden. Zum einen hatten die Organisatoren, schlau-findige Kaufmänner, die sie sind, natürlich bedacht, dass die Wunder der heutigen Kommunikationstechnologien es ermöglichen, mit einem modernen Handy "III" mitzuschneiden, wenn es wenige Augenblicke später im drückend heißen Raum unter dem Dach des Edelweiß aus den Boxen fegen würde. Deswegen wurde man erst einmal einer ziemlich forschen bis ätzenden Leibesvisitation ebenso ätzend frecher Securities unterzogen, die mal pampig, mal prollig alles befummelten, wovon sich Konturen durch die Kleidung der Besucher(innen) hindurch abzeichneten und vermuten liessen, ein Mobiltelefon oder sonstiges Gerät, das zur Tonaufnahme fähig ist, würde unter der angelegten Abendgarderobe versteckt sein. Und ja, etwa 100 Leute, die jeder mindestens ein Handy mitschleppen, zu durchsuchen und ihnen die Handys abzunehmen, dauert. Ziemlich lange sogar. Entsprechend schob sich die Masse zäh ins Edelweiß hinein und quetschte sich letztlich in die brütende Hitze des Dachgeschossraumes. Dessen Fenster natürlich verschlossen blieben, um zu vermeiden, dass spitzfindige Musikpiraten das Album von draußen mitschneiden können. Zwar ist es durchaus gerechtfertigt, dass man als Label bemüht ist, dass keine Raubkopien von Alben vorab im Netz landen, zumal bei einer Band wie BILLY TALENT. Die Vorkehrungen, die an diesem Abend getroffen wurden, mündeten aber in Unbequemlichkeiten, die schlichtweg extrem nervig waren. 

Den Anwesenden war aber kein Nervenstress zu schlimm, artig und gespannt warteten sie in der brütenden Hitze auf das Erklingen der ersten Töne des Drittwerkes von Ben Kowalewicz und seiner Band. Die Tür wurde geschlossen, im Saal wurde es still und die Spannung stieg: man musste nur noch ein paar Momente im feuchten Heißnass aushaaren - nur noch ein wenig schwitzen, ein wenig noch in der Enge verweilen und hoffen, dass der neben dir nicht seine salzige Hautfeuchte an dir abwischt - dann würde es endlich soweit sein und "III" würde zum ersten Mal im deutschen Luftraum auf offene Ohren stoßen.

Was dann kam war, nun ja, sagen wir es so: ziemlich berechenbar. Die 45 Minuten, die "III" spielt, machen beim ersten und vorerst einmaligen Hören klar, dass BILLY TALENT mit dem Drittwerk auf Nummer sicher gehen. Das heißt, der mit "II" generierte Erfolg soll mit "III" unbedingt weiter ausgebaut werden. Und die Mittel, die diesen Zweck heiligen, sind zwar gangbar, führen aber lange nicht mehr zu so tollen Songs wie sie BILLY TALENT einst geschrieben haben: "III" ist randvoll mit Radiorocksongs, die wenig Biss, dafür viel Schmalz und viel Midtempo haben. Was man vermisst sind Hits wie das großartige "Red Flag", denn an ihre Stelle tritt gleich eine ganze Schar von Songs der Couleur "Rusted From The Rain". Gen Ende des Albums folgt mit "Turn Your Back" aber doch noch ein Lichtblick: ein sehr griffiger Song, der tatsächlich einen Moment lang die Ernüchterung darüber überstrahlt, dass "III" nur ein Erfolg-auf-Nummer-sicher-Album wird und einen mehr oder weniger faden Beigeschmack hinterlässt. Fade deswegen, weil diese Band zwei Alben lang tolle, innovative Songs geschrieben hat. Entsprechend hätte man sich gefreut, wenn man auf "III" wieder Innovation gefunden hätte. Anstelle von Innovation ist aber Replikation angesagt, da auf "III" weitestgehend nur "II" kopiert und noch mehr auf Radiotauglichkeit getrimmt wird. Dabei kommt zwar ein ganz nettes Rockalbum raus. Summa Summarum bleiben die Kanadier damit aber weit hinter ihrer einstigen Größe zurück. Schade eigentlich.

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Kommentare

Bild des Benutzers TheSoprano

Hatte von der Band eigentlich nichts anderes erwartet als das was da oben steht. Ich fand Billy Talent mal richtig gut, aber seit ich sie live bei Rock am Ring gesehen habe grummelt es mir immer im Magen, wenn ich den Namen der Band irgendwo höre. Das sie sich komplett zum Mainstream wandeln und nur noch auf Erfolg aus sind passt irgendwie zu ihnen. Ich erwartete also nie ein experimentelles oder anspruchsvolles Album, nachdem "II" draußen war. War einfach so ein Gefühl, was sich nun wohl bestätigt. "Rusted from the Rain" ist eigentlich auch der erste Song, der mich null interessiert, mich nicht mal mit der Wimper zucken lassen hat und mich komplett kalt lies. Ich hört den Song und ging noch während er lief aufs Klo, so dermaßen langweilig fand ich das Gejaule. Selbst die Stimme des Sängers geht mir nur noch auf den Sack. Ich habe echt ne Abneigung gegen die Band entwickelt :D

Bild des Benutzers bob

die waren schon immer mainstream aber das sie sich nur erfolg aus sind ist total falsch. ich hab mir das neue album mal angehört...bin völlig begeistert, das album braucht seine zeit um sich zu entfalten. ... sie sind jetzt total auf rock. was mich ein bisschen stört ist das der punkrock auf strecke bleibt seit den ersten album gehts mit den punkrock runter und jetzt ist man beim rock mit punkeinflüsse angekommen.billy talent III ist ein album was seinen perlen hat... der gesang klingt jetzt durch dachter und "erwachsener" man kann richtig hören das sie eine band sind die ihre instrumente beherrschen.

Bild des Benutzers Benny

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.
Das Album ist relativ lahm und meine Erwartungen, dass sich Billy Talent musikalisch weiterentwickelt wurden alles andere als bestätigt. Meiner Meinung nach ist das Album nicht mal annäherns so gut und abwechslungsreich wie das Album Nr. II.
Und ich denke, dass nie wieder an den erfrischenden Sound des ersten Albums angeknüpft wird.

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