THE OCEAN: Tourtagebuch - Teil 2

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THE OCEAN: Tourtagebuch - Teil 2

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THE OCEAN: Tourtagebuch - Teil 2

Die Reise des THE OCEAN COLLECTIVE´s durch die Clubs der Republik geht weiter. Und Bandmitglied Robin schreibt und schreibt und schreibt...

29.11. 2004: KÖLN - Underground

Yo, hier bin ich schonmal gewesen... 1998 hab ich hier CONVERGE mit GOOD CLEAN FUN gesehen... damals war die ganze location noch ne Ecke ranziger, heutzutage gibt's hier einen schicken Pennraum mit Etagenbettchen. Köln soll ein ganz hartes Pflaster sein, habe ich mir sagen lassen. Bei TODAY IS THE DAY sollen angeblich ganze drei zahlende Gäste dagewesen sein. Umso mehr waren wir denn erfreut, als wir es wenigstens auf rund 35 zahlende Gäste brachten, obwohl das für einen Laden wie das Underground natürlich immernoch ewas mager ist.
Wir hatten an diesem Abend mit jeder Menge technischer Schwierigkeiten zu kämpfen und spielten eigentlich eine ziemlich miese show... entsprechend überrascht waren wir über die sehr positiven Reaktionen und den erneuten Ansturm auf unseren Merch. Nach der show gab uns ein autogrammbegieriger Fan an der Bar einen Absinth nach dem anderen aus, woraufhin ihn unser Sozialbeauftragter und zweiter Gitarrist Hille denn in einem Anflug tujonseeliger Grossherzigkeit einlud, doch die Nacht bei uns im Schlafraum zu verbringen...

So ronnen weitere Sturzbäche der grünen Wehrmuts-Hölle unsere heiseren Kehlen hinab und spülten zuvor Verspeistes in andere Körperhöhlen, (bestenfalls), oder ganz aus den geschundenen Körpern hinaus, und wie das alles endete weiss keiner mehr so genau. Irgendwann in der Früh trieb uns das unablässige Quäken eines furchtbaren Handy-Klingeltons irgendwo im Schlafraum vollends in den Wahnsinn, und es dauerte eine ganze halbe Stunde, bis sich Joni aufmachte, die Quelle des auditiven Unheils aufzufinden und auszuschalten. Sie befand sich in der gerstensaftgetränkten Hossentasche unseres munter vor-sich-hin-delirierenden Fans, und am anderen Ende der Quelle sprudelte jemand, der sich als dessen Freundin ausgab und ihn wecken wollte, damit er seine letzte Bahn bekommen würde... Unser Joni nutzte die Gelegenheit sofort, schamlos und lautstark um die Freundin des wehrlosen Trunkenen zu buhlen, was unseren schlafbedürftigen Trommler Torge sehr erzürnte... so wurde ein weiteres Kapitel in der unendlichen Seifenoper "Der Ocean-Dampfer auf grosser Fahrt" geschrieben...

01.12.2004: HANNOVER - Faust

Heute stossen Zweitsänger Nico und Percussionist Gerd zur Band und werden vom Bahnhof direkt auf die Bühne gekarrt... Der Saal ist bestuhlt, ganz grosses Tennis. Leider folgt nur ein Teil des Publikums unserer Aufforderung, doch bitte Platz zu nehmen. Die Bühne ist mit den personalen Neuzugängen wieder etwas voller...wie auch unser erster Tourbus, die alte Scheissgurke, die von der Reparatur zurück ist. Mit tränenblindem Aug' müssen wir unseren Ersatz-Sprinter wieder abgeben, ein Fahrer bringt ihn zurück nach Flensburg...

Nach geschlagenen zwei Stunden finden wir endlich eine funktionale Pack-Lösung für diese Kiste. Eine unserer tollen Lichttraversen steht jetzt zwischen den Sitzreihen und über unseren Köpfen baumeln nun diverse Scheinwerfer rum, die jederzeit auf uns herniederzuregnen drohen. Nach der Show hören wir uns gemütlich den Mitschnitt des Konzerts an...in Kinosesseln sitzend und mit Klavierbegleitung unseres Bassisten. Die Begeisterung ist gross. Wir beschliessen, "Fluxion" als Klavier-Soloalbum mit Gesang rauszubringen.

02.12.2004: HEIDELBERG - Schwimmbad Club

Nach langer Fahrt mit Spitze 100 in der Sardinenbüchse kommen wir im Schwimmbad Club an: ein dreistöckiger Discokomplex mit Bistro, Kino und allem Pipapo. Die örtliche Promotion war offenbar dermassen umwerfend, dass nicht einmal der Koch des Clubs, in dem wir spielen, irgendetwas davon wusste... ("wie, Ihr seid THE OCEAN? Und Ihr spielt heute HIER?! Son Scheiss, und ich muss arbeiten!")

Dementsprechend bescheiden ist auch die Zuschauerzahl. Nach der show findet unser Basser Joni ein herrenloses Honig-Glas und spielt mit dem Gedanken, damit durch die Hip-Hop- Disse im dritten Stock zu laufen und Tanzfläche und Wackelärsche mit Honig vollzuschmieren, in bester Leo Bassi-Manier. Ob er es tatsächlich tat, weiss keiner so genau... jedenfalls waren wir plötzlich ganz schnell weg. Wir dürfen heute im "Schwarzen Adler" absteigen, ein zünftiges Hotel außerhalb von Heidelberg mit grandios-hässlichen Wandtapeten und fleischfarbenen Waschbecken, die aussehen wie Gebärmütter. Alle freuen sich aufs Frühstück und alle verpennen dasselbe. Das wird dann in der Heidelberger Innenstadt eingenommen, danach das Schloß besichtigt und dann geht's ab nach Wiesbaden.

3.12.2004: WIESBADEN - Kulturpalast

Nach dem Heidelberger Debakel vom gestrigen Abend sollte es heute wieder ein ordentliches Spektakel werden. Der Kulturpalast war mit 120 Leuten bereits früh gerammelt voll, was uns angesichts der Erinnerung an die Besucherzahlen bei unserem letzten gig in selbiger location vor knapp 2 Jahren ein breites Grinsen ins kollektive Bandgesicht trieb.

Die BUBONIX hinterliessen uns eine schweiss- und biergetränkte Fliesenbühne [!], da half auch das Wischen nicht wirklich. Unmittelbar vor der show flog dann auch noch eines unserer Dimmerpacks im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft: Es gab einen lauten Knall und dann war der Strom mal wieder weg... Unglaublicherweise überlebte das Dimmerpack die kleine Explosion - nicht so allerdings das Leuchtmittel des Beamers, so dass wir leider auf die Videos verzichten mussten. Bereits nach den ersten paar Chords von "Nazca" hatte sich wieder ein Wasserfilm auf der Fliesenbühne gebildet und das muntere Stolpern und sich-auf-die Fresse-packen nahm seinen Lauf, sehr zur Freude des Publikums, das kaum zwischen Gepose und Geschlidder unterscheiden konnte und unser auf-dem-Boden-rumgerobbe wohl als show-Einlage begriff...

Das ganze Spektakel erinnerte mich stark an einen Gig in Potsdam, bei dem die immense Luftfeuchtigkeit und der Tauniederschlag unser ganzes MIDI-System gefickt hatte, so dass am Ende gar nix mehr ging. Heute lief glücklicherweise alles stabil und wir zockten einen furiosen, selten energiegeladenen gig.

Leider liessen wir uns nach dem grande finale "Queen of the Food-Chain", während dessen so ziemlich alles zu Bruch ging, was sich auf, vor, neben oder unter der Bühne befand, inkl. Gitarren, Stühlen, Lichtanlage und Robins Kniescheibe, zu einer recht katastrophalen Zugabe verleiten - aber wie soll man es auch anders erwarten, wenn man zum Höhepunkt des Sets alles kaputt drischt und dann erst mal 20 Minuten braucht, um den ganzen Scheiss wieder zum Laufen zu bringen. Während der anschliessenden band-internen Diskussion einigten wir uns darauf, NIE WIEDER eine Zugabe zu spielen. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein grosser Schritt für THE OCEAN. Eigentlich waren wir schon einmal so weit, aber irgendwie ist das in Vergessenheit geraten. Es gibt kaum denkbar Schlimmeres für eine band, als eine hervorragende show zu spielen, die so angelegt ist, dass das set auf einen grossen finalen Klimax zusteuert, nur um dann noch eine mittelmässige Zugabe hintendran zu polken. Für das Ocean-Theater bedeutet so etwas: schlechte Dramaturgie. Man sollte sich einen Scheiss um grölende Mäuler scheeren, die immer noch Einen fordern: wenn der Film zu Ende ist, dann ist er eben zu Ende, und das darf er nach über 70 Minuten auch sein. Im Kino gibt es schliesslich auch keine Zugaben.

4.12.2004: MOERS - JKZ Die Volksschule

Zurück im Pott. Wir mussten sehr früh aufstehen, da wir noch einen Termin in Bochum wahrnehmen mussten, bevor es weiterging nach Moers. Deshalb vergruben wir uns unmittelbar nach dem soundcheck in unsere Hotelbettchen und kamen erst direkt vor der show wieder in die Volksschule. Unsere Front-Röhre Meta mussten wir allerdings im Hotel zurücklassen, da das gestrige Konzert seiner ohnehin schon arg strapazierten und erkälteten Stimme den Rest gegeben hatte und sein sonst so mächtiges Organ nun kaum mehr als ein leises Röcheln hervorbrachte. So kam es denn zum ersten weitgehend instrumentalen Konzert in der Geschichte des Ozeans - obwohl Gerd und Nico Teile von Metas Gesang übernahmen.

Alles in allem lief das Ganze sehr positiv, und viele Leute beklagten sich im Anschluss darüber, dass wir zu kurz gespielt hätten. Zu allem Überfluss kehrte bei einer unglücklichen Bewegung gen Ende des sets auch noch der Krampf in Torges linken Arm zurück, der ihn die letzten Tage glücklicherweise in Ruhe gelassen hatte. Nach einem OX-interview und einer nächtlichen Odyssee durch das seltsam menschenleere Moers, welches wir das "Venedig des Ruhrpotts" taufen, sinken wir alle in einen Zustand seltsamer Luzidität, irgendwo zwischen Wachen und Schlummer...

5.12.2004 DRESDEN - Scheune:

Böses Erwachen: Unser Meta bringt auch am nächsten Morgen und nach einem ganzen Tag Pause immernoch keinen Ton hervor. Nach dem mal wieder viel zu frühen Frühstück fahren wir dann auch noch unseren Krampf-Torge zum Onkel Doktor. Der diagnostiziert ein Sehnen-Problem, verordnet sofortige Ruhe und Salben und absolutes Trommel- und equipment-Schleppverbot. So endet die FLUXION-tour 2004 doch noch vorzeitig in der Notaufnahme eines Krankenhauses irgendwo im grossen, hässlichen Ruhrpott. Wir müssen den Gig in Dresden canceln und möchten uns hiermit bei allen, die dorthin kommen wollten oder gekommen sind, entschuldigen. Wir werden das Konzert so bald wie möglich nachholen, frühestens jedoch im Februar 2005. Danke auch an alle, die zu einem Konzert gekommen sind, mit uns gelabert und gefeiert und dafür gesorgt haben, dass unsere merch-Kiste mal wieder leer ist!
Der Ozean.

Eingetragen von Ralf am 08.12.2004

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