BROILERS: ... und weiter geht's!
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BROILERS: ... und weiter geht's!
Sammy Amara und Andreas Brügge haben einen harten Tag hinter sich. Es ist das Ende eines langen Interviewtages, an dem sich die beiden BROILERS-Gründer mit der Presse über ihr Neuwerk "Santa Muerte" ausgetauscht haben. "Santa Muerte" ist in vielerlei Hinsicht ein kleiner Meilenstein für die Band: Es ist das erste Album, das sie unter der Ägide des TOTEN HOSEN-Managements JKP veröffentlicht. Während die Platte nach wie vor auf People Like You erscheint, sind die BROILERS-Business-Belange ab sofort in den Händen des Managementteams der HOSEN, einer Crew, die "wir kennen und sehr schätzen" wie Andi betont und Sammy hinzufügt, dass die bandbezogenen Aktivitäten nach dem kleinen Durchbruch, den die BROILERS mit "Vanitas" (2007) feierten, viel zu viel Arbeit wurden, als dass man das noch alles hätte selber machen können.
Der Erfolg von "Vanitas" ist so denn der zweite Grund, warum "Santa Muerte" ein Meilenstein für die Düsseldorfer ist. Mit "Vanitas" wurden sie von der Skinhead-, Punk- oder Oi-Band zum Gassenhauer-Quintett. Sie entwuchsen den Clubs und spielten Hallen; sie drehten keine semiprofessionellen Clips mehr, sondern Videos wie "Ruby Light And Dark", die professionell gemacht und durchtränkt von einer bestechend guten Visualisierung des BROILERS-eigenen Kitsches waren. Kurzum: "Vanitas" machte die Band groß. So groß, dass es nicht abwegig ist, in ihnen die nächsten TOTEN HOSEN, oder allgemeiner, die nächste große Rockband zu sehen, die auf Deutsch singt. Und "Santa Muerte" wird zeigen, ob die Band diesen Schritt auf der Karriereleiter nimmt.
"Die Bezeichnung 'Deutschrock' passt einfach nicht zu den BROILERS"
[img_assist|nid=22450|title=|desc=Das neue Album "Santa Muerte" in der Special Edition|link=node|align=right|width=200|height=134]Die BROILERS stehen einem solchen Schritt sehr reflektiert gegenüber. Auf der einen Seite, so Sammy, "muss es jetzt weiter gehen" für die Band. Auf der anderen Seite sehen Andi und er das einfache Hineinwachsen der Band in eine solche Position sehr kritisch. Es geht ihnen vor allem darum, dass die BROILERS keinesfalls die nächste Deutschrockband sein sollen, denn dieses Label konterkariert sowohl ihren politischen als auch ihren musikalischen Hintergrund. "Wir verstehen uns ganz klar als linke Band" holt Andi aus. "Deswegen passt die Bezeichnung 'Deutschrock' einfach nicht zu den BROILERS. Einerseits schwingt dem Wort schon ein eigenartiger Beigeschmack mit. Andererseits wird der Musikstil Deutschrock mit einigen Bands assoziiert, mit denen wir uns nicht vergleichen wollen. Deswegen grenzen wir uns auf 'Santa Muerte' auch weiterhin von politischen Grauzonen in der Szene sowie von einem Massenpublikum ab, das Parolen einfach so schluckt, ohne darüber nachzudenken". Nachdenken und das politische Tagesgeschäft zu hinterfragen ist, wie Andi andeutete, zentral für "Santa Muerte". Songs wie "Tanzt du noch einmal mit mir?" und "Schwarz, Grau, Weiß" sind eindeutige politische Statements mit denen sich die Band gegen Rechts ausspricht. "Das spannende an einem Song wie 'Tanzt du noch einmal mit mir?' ist, dass man beim ersten Hören denkt, es sei eine Partynummer" so Sammy. "Wenn du dann aber auf den Text hörst merkst du, wie viel Wut in den Lyrics steckt und wie ich versuche, diese verfahrene politische Lage in Deutschland zu beschreiben".
"Einen Song wie '69-77-88' würden wir nie wieder schreiben"
[img_assist|nid=22573|title=|desc=Live begeistern die BROILERS das Publikum ...|link=node|align=left|width=200|height=133]Im direkten Vergleich zu "Vanitas" ist "Santa Muerte" also ein etwas politischeres Album geworden und während sich die beiden entspannt in die Kissen ihres Hotel-Doppelbettes sinken lassen, wird klar, warum es ihnen so wichtig war, diese Texte zu schreiben. Andi bezieht sich beispielsweise auf den Song "69-77-88" von "Verlierer sehen anders aus". Einen solchen Song würden die beiden nie wieder schreiben und "69-77-88" wurde auch aus dem Liveset der Band gestrichen. "Der Text war eine blöde und unreflektierte Reaktion auf einige Leute, die wir kannten und mit denen wir so unsere Schwierigkeiten hatten" erzählt Andi. Sammy fügt hinzu: "bevor wir Mitte/Ende der Neunziger Skinheads wurden, waren wir viel in der linken Szene unterwegs. Als wir dann Skinheads wurden, haben viele Leute komisch darauf reagiert und uns abgelehnt. Daraufhin haben wir diesen Song geschrieben, in dem wir diesen blöden Vergleich von Antifa und KKK machen, der so natürlich absolut unhaltbar ist" – Sammy schaut aus dem Fenster und fügt kurz darauf hinzu: "sowas kannst du nicht ernsthaft behaupten, denn der KKK bringt Menschen um. Demgegenüber ist die Antifa eine wichtige Gegenstimme im alltäglichen Politgeschäft". Insofern konstituiert "Santa Muerte" auch eine gewisse Weiterentwicklung der Band, oder, wie Andi es sagt, "wir wollen einfach zeigen, dass wir uns nicht nur musikalisch weiter entwickelt haben, sondern unsere Musik und die Szene auch sehr viel stärker reflektieren als wir es vielleicht früher getan haben."
Mehr Bläser- und Keyboardparts - zur Unterstützung des Kitsches
[img_assist|nid=22574|title=|desc=... wie hier beim Open Flair 2010|link=node|align=right|width=200|height=133]Die musikalische Entwicklung, die Andi anspricht, meint im Falle von "Santa Muerte", dass das Album beim ersten Hören natürlich glatter klingt als "Vanitas" oder gar der Vorvorgänger "Lofi". Trotzdem: je mehr man sich in das Album rein hört, umso mehr wächst es. Songs wie "In ein paar Jahren ..." und, natürlich, der Opener und erste Single "Harter Weg (Go!)" sind beachtliche Ohrwürmer der Couleur "Zurück zum Beton". Wie der "Vanitas"-Opener setzen sie sich fest und wollen tagelang nicht aus dem Kopf. Und während man die Stücke immer wieder hört, fallen einem auch die Hauptunterschiede zum Vorgänger auf: "Santa Muerte" ist sehr viel skalastiger als "Vanitas" und die BROILERS probieren auf ihrem neuesten Album noch mehr Instrumente aus. Neben den Bläsern spielen sie vor allem mehr Piano- und Keyboardparts als zuvor, alles – wie Sammy sagt – zur Unterstützung des Kitsches.
Santa Muerte - Ort oder Göttin der Kleinkriminellen und Prostituierten?
Kitsch ist für ihn aber gar nichts negatives, sondern ein Stilmittel, das dosiert eingesetzt werden muss und dessen dosierten Einsatz zum Beispiel SOCIAL DISTORTION perfektionierten. Ein Beispiel dafür ist die Referenz zur "Santa Muerte", der mexikanischen Göttin von Kleinkriminellen und Prostituierten, im Albumtitel. Diese Belegung einer religiösen Figur mit etwas Verruchtem stößt der katholischen Kirche naturgemäß bitter auf, für die BROILERS war es aber genau die richtige Symbolik für den Albumtitel. Auf der anderen Seite, grinst Sammy, "könnte 'Santa Muerte' natürlich auch ein Ort sein und gar nichts mit der Heiligen zu tun haben – such dir aus, welche Interpretation des Albumtitels dir besser passt". Gerne, das ist ziemlich einfach, wenn man das Tattoo auf Sammy's rechtem Oberarm sieht: eine Heiligenfigur mit Totenkopfgesicht und dem Subskript "La Santa Muerte".
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Kommentare
Wie darf ich denn das verstehen? Social Distortion haben den Einsatz des Kitsches als Stilmittel perfektioniert! Tut mir leid aber das will mir nicht in den Kopf! SxDx haben den Einsatz des Schmerzes und der Wut in der Musik perfektioniert aber bitte doch nicht den Kitsch! Ist auf jeden Fall meine Meinung dazu!
Da gebe ich dir vollkommen recht. Social D hat nichts mit Kitsch zu tun auch wenn im Artikel der Kitsch als was positives bezeichnet wird!
Sorry, aber irgendwie hat dieser Interview-Bericht keinen Mehrwert für mich.
Die Themen und Statements gab es alle schon zig mal und waren in den vergangenen Wochen auch Bestandteil der offiziellen Webisoden.
Demnächst mal besser vorbereiten was so eine großartige Band angeht!
"... Demgegenüber ist die Antifa eine wichtige Gegenstimme im alltäglichen Politgeschäft" - das kann doch nicht sein Ernst sein, oder!? Aktuell gibt es in D eine ernstzunehmende Partei, die in der Mitte steht - die CSU. CDU, FDP, SPD, Grüne und Linke streiten sich im Moment doch nur darum, wer am weitesten links stehen darf. Und dann heißt es Demokratie. Ich sehe nichtmal den Ansatz zu was die Antifa eine wichtige Gegenstimme sein soll - wogegen denn??? Wohl aber kann man sich auf Internetseiten der Antifa informieren, wie man Brandsätze baut und wo die Schwachstellen von Polizeiuniformen sind, damit man die Polizisten in Straßenkampf auch verletzen kann. Ich finds wiederlich!
Also die Antifa ist schon ne wichtige Gegenstimme, da zugegeben zwar oft übers Ziel hinausgeschossen wird, aber das Untersuchen, Aufdecken und Bekämpfen von nationalsozialistischen Strukturen schon als immens wichtig anzusehen ist.
Und würdest du dich mit dem alltäglichen Politgeschäft tatsächlich auseinandersetzen, wär dir nicht entgangen, dass die Linke (die wahrscheinlich wirklich momentan "linkeste" Partei) bei den anderen nicht mit spielen darf, weil die für Kommunisten gehalten werden.
(z.B.: kein möglicher Koalitionspartner, Ausschluss bei Sondergipfeln (z.B.: Griechenlandgeld) ...)
Deswegen erst informieren und dann wiederliche Sachen posten.
Sie werden nicht nur für Kommunisten gehalten, sie sind welche! Wenn Du Dich mal informiert hättest, wüßtest Du, dass die SED sich nie aufgelöst, sondern lediglich in PDS umbenannt hat. Außerdem wird auf Landesebene sehr wohl mit den Linken koaliert!
Das soll aber hier auch gar nicht das Thema sein, sondern die völlig unnötige (lässt man finanzielle Gründe außer Acht) politische Positionierung der Broilers, speziell Sammys. Warum reicht es nicht, wie bisher, zu sagen: wir stehen gegen Extremisten links wie rechts? Warum muss auf einmal die Nazikeule geschwungen werden und warum muss man nun dauernd von "Faschos" labern? Ich sehe andere Probleme und lasse mir auch von einem Sammy Amara nicht einreden, dass wir in Deutschland ein Naziproblem haben! Diese Aussagen zu diesem Zeitpunkt haben für mich einen einzigen Grund und das ist der, bei zunehmender Popularität ja nicht in "die rechte Ecke" gepackt werden zu können, denn das ist nicht gut fürs Geschäft. Für mich ist das einfach nur feige und peinlich!
@abahallo:
ist doch ganz logisch wieso die broilers sich positionieren, wenn sogar schon hier auf dieser seite die broilers mit freiwild/onkelz verglichen werden. bevor nazis auf den eigenen konzerten aufschlagen lieber präventionsarbeit leisten und klar betonen wen sie nicht auf konzerten haben wollen. der vergleich links/rechts hat übrigens auch schon einen bart. man kann doch keine menchenverachtende politik, die gegen jede vorstellbare moral spricht mit der linken gleichsetzen.
so, und jetzt zu dem naziproblem. ich vermute mal, dass du neonazis als ein hirngespinst siehst, dass von aufmerksamkeitsgeilen und chronisch unzufriedenen autonomen erschaffen wurde. weiter vermute ich, dass du zu dieser auffassung kommst, da du schon länger keine kahlgeschorenen gesehen hast, die mit bomberjacke und springerstiefel durch die stadt marschieren.
und als letztes wage ich noch zu behaupten, dass du weiß und hetero bist. würde für mich sinn machen, denn dann hast du natürlich kein naziproblem.
also: nur weil in deiner kleinen welt alles in ordnung ist, heißt das noch lange nicht das misstände nicht existieren.
glaub mir, es gibt genügend nazis, nur treten die heutzutage selten so auf wie in den 90ern. kann hierzu sehr klarmanns welt empfehlen, der sich genau mit dieser thematik befasst und auch regelmäßig dazu im ox veröffentlicht
http://klarmann.myblog.de/klarmann/art/4144438/Rechts-Des-Nazis-liebste-...
geh doch nur mal in die nächste eckkneipe und hör dir das blödgelaber an den stammtischen an. ist ein klischee, aber leider zu oft wahr. frag einfach mal deine nachbarn in deiner straße was sie von ausländern, homosexuellen oder anderen religionen halten. und am entscheidensten und wichtigsten sind immer noch die meinungen von denen die betroffen sind: verlass mal deine heile welt und unterhalte dich mit leuten die einer minderheit angehören und lass dir mal ein paar geschichten von ausgrenzung, ablehnung bis hin zu gewalt aus dem alltag erzählen.
Dass die Linken Kommunisten sind ist absoluter Quatsch, denn es steht da nirgends im Parteiprogramm den Kommunismus einzuführen, trotz zugegeben ein Paar Diskussionen mit Wagenknecht und Co. Und die SED waren ja auch Sozialisten und keine Kommunisten. Aber lassen wir das.
Was Alltagsrassismus und Nationalismus angeht, kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen und wenn im Februar wieder Aufmärsche in Dresden sind, denke ich kann man gut sehen, dass wir eben doch ein kleines Naziproblem haben. ( und das ist nur das prominenteste Bsp.)
Und eben diese Typen laufen nicht mehr als Skinhead-Verunglimpfung rum, sondern drängen mittels Kleidung und Musik in die Mitte der Gesellschaft, was man z.B. an FreiWild gut erkennen kann.
Ich mein, die haben wirklich rechte Politik gemacht, dagegen ist ja "Türken Raus" der Frankfurter Kapelle ne Lachnummer und sei ihnen meinetwegen auch verziehen.
Weiterhin sieht man das auch rießig an Musikrichtungen wie NSHC oder NS Rap.
schwall...