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CAPTAIN PLANET: Das Leben als offener Schienbeinbruch

CAPTAIN PLANET: Das Leben als offener Schienbeinbruch

CAPTAIN PLANET: Das Leben als offener Schienbeinbruch

Captain Planet beehren uns dieser Tage mit ihrem neuen Album "Inselwissen" und knüpfen nahtlos an das viel umjubelte "Wasser kommt, Wasser geht" an. Sie besingen die kleinen und großen Ungerechtigkeiten des Lebens, die uns alle angehen. Große Gefühle in feinem Indie-Punk-Gewand. Ist das Leben wirklich so schlimm?

IYF: Vorne weg: Bei unserem letzten Interview habe ich eine Frage verschluckt, die ich unbedingt loswerden muss. So simpel und höchstwahrscheinlich oft beantwortet sie auch ist: Wer ist auf den Bandnamen gekommen und wer von euch liebt und liebte diesen grünen Superhelden so sehr wie ich?

Benni: Die Antwort ist eher unspektakulär. Es gab derzeit so eine schräge Sammlung von noch schrägeren Vorschlägen und da hat sich Captain Planet letztendlich durchgesetzt. Ich war ja auch Fan von Larry Brennt. Aber für lustige Wortspiele waren die anderen nicht zu haben. Auch wenn ich Dich enttäuschen muss, aber keiner von uns verspürt oder verspürte eine besondere Liebe der Serie gegenüber. Eigentlich sind es insbesondere die stetige Moralkeule und die Leichtigkeit der Weltrettung, die den Namen der Serie auch als Name für eine Punkband so passend machen...

IYF: Was hat sich bei euch seit "Wasser kommt, Wasser geht" verändert? Was habt ihr zwischen der letzten Tour und der neuen Platte getrieben? Gab es bestimmte Gründe für die kurze Bandpause? Ich habe irgendwo gelesen, dass sich der ein oder andere von euch jetzt Papa nennen darf.

Benni: Bei jedem von uns gab es in den letzten zwei Jahren einiges an Radau. Gleich zweimal wurde Nachwuchs bekommen, Studien wurden beendet, Jobs wurden gekündigt und Beziehungen auch, neue Liebe wurde gefunden und neue Jobs auch. Es gab also berechtigte Gründe mal ein wenig Ruhe walten zu lassen.

IYF: "Wass kommt Wasser geht" hat euch in Untergrund-Kreisen einen echt Namen verschafft. "Inselwissen" macht genau dort weiter. Einzig die Texte auf der neuen Platte scheinen noch ein wenig verzweifelter zu sein. Ist das Leben wirklich so schrecklich? Wer euch bereits auf der Bühne sah, weiß: Ihr könnt auch lachen.

Benni: Das Alter, mein junger Freund, das Alter… da vergeht einem das Lachen.

IYF: "Inselwissen" kommt auf den einschlägigen Plattformen wieder sehr gut weg. Wie zufrieden seid ihr selbst mit eurer neuen Scheibe?

Benni: Nachdem man die ganzen Hürden von Songs schreiben über aufnehmen, Mischen, Mastern, bis hin zu Graphik und so weiter gemeistert hat, ist es auf jeden Fall großartig das fertige Produkt in der Hand zu halten. Ich glaube, dass alle sich wohlfühlen mit dem Ergebnis. Das die Reaktionen darauf so gut sind ist umso toller.

IYF: Könnt ihr kurz darlegen, warum ihr die Platte gerade auf den Namen "Inselwissen" getauft habt.

Benni: Eigentlich resultiert der Name wohl aus der Erkenntnis heraus, dass man in einer stets komplexer werdenden Informationsgesellschaft immer nur kleine Ausschnitte von allem kennen kann. Jeder hat da so seine oder ihre Nischen und die Band ist halt unsere. Da glauben wir zu wissen wir was funktioniert, wie die anderen funktionieren, da gibt es nichts bahnbrechend Neues, da hat man das Gefühl Bescheid zu wissen und nicht ständig auf der Suche nach Sinn zu sein. Andere beschäftigen sich in Internetforen mit den Pferden von Napoleon oder den Auswirkungen japanischer Haikus auf die Literatur der Beat-Generation. Eine Welt voller Nerds. Herzlich Willkommen in unserer.

IYF: In euren Texten geht es fast ausschließlich um das "Du". Wieviel "Du" steckt wirklich in einem von euch selbst. Sprich: Inwieweit sind die Texte autobiografisch und inwieweit aus Alltagsbeobachtungen entstanden?

Arne: Sowohl als auch. Alles kommt in den großen Emofleischwolf und dann wird drei mal gedreht - fertig. Es geht also nicht nur ums "Mich" sondern auch ums "Er/Sie/Es". Verpackt man das Ganze in hübsche "Du" Sätze wird es sehr aufdringlich - und das soll so sein. Jeder darf sich bei uns mal so richtig selbst bemitleiden - ich finde für so etwas gibt uns der Alltag einfach zu wenig Raum!

IYF: Einer der herausragendsten Songs auf der neuen Platte ist ohne Zweifel "Blattsport". Ist (und das hoffe ich inständig) der Titel des Songs an den Kampfsport-Klassiker "Bloodsport" mit Jean Claude Van Damme aus den 80ern angelehnt? Falls ja: Was hat euch dazu bewogen gerade diesen grandiosen Film zum Gegenstand eines Songs zu machen.

Benni: Okay, an dieser Stelle muss wohl mal aufgeklärt werden, dass es bezüglich Blattsport eher zweifelhaft war, ob dieser Song überhaupt wirklich gespielt werden bzw. aufgenommen werden sollte. Die vielen positiven Rückmeldungen dazu sind daher umso irritierender. Stadionrock und Pathos-Endteile scheinen irgendwie beliebt zu sein in den uns zugewandten Hörerkreisen. Aus Rücksicht hierauf können wir den jetzt auch fast fehlerfrei live nachspielen. Ach ja, das Wortspiel ist natürlich eine Anspielung auf den Film Bloodsport, bei welchem ich den ersten offenen Schienenbeinbruch meines Lebens bestaunen durfte. Ansonsten hat der Text damit wenig am Hut, außer das es natürlich auch um einen Kampf geht. Wenn man es genau nimmt sind verschiedenartige Kämpfe wohl das textliche Leitmotiv der Platte. So interpretiere ich Arnes Texte jedenfalls. Er darf mir da gerne widersprechen.

Arne: Tut er aber nicht, denn das Leben ist ein einziger offener Schienenbeinbruch.

IYF: Der erste Teil eurer Tour ist fast vorbei. Nachdem ihr bei eurem Auftaktkonzert in Aachen ja etliche Stunden im Stau standet und sich alles um ein gutes Stück nach hinten verschob, sind die weiteren Konzert hoffentlich ohne Zwischenfälle dieser Art von statten gegangen. Wie waren die ersten Reaktionen auf euer neues Material?

Benni: Der oder die Ein/e oder Andere hat sich durchaus dadurch entlarvt die neue Platte bereits vor dem Releasetermin aus dem Netz bezogen zu haben, da er oder sie über eine ausgesprochen gut ausgebildete Textsicherheit verfügte…. Gut vorbereitet ist halb gewonnen.

IYF: Wie zufrieden seid ihr mit dem aktuellen Status eurer Band? Obwohl ich das Gefühl habe, dass ihr auch etwas größere Läden füllen könntet, bespielt ihr weiterhin die AZs des Landes. Fühlt ihr euch bespielsweise wegen der niedrigen Eintrittspreise gerade dort zu Hause? Immerhin habt ihr euch mal dafür entschuldigt, dass ein Konzert von euch und Herrenmagazin über zehn Euro Eintritt kostete. Habt ihr bestimmte Ziele, die ihr mit der Band noch erreichen wollt?

Benni: Eine der Sachen für die ich uns dufte finde ist, dass wir uns noch nie über irgendeinen Status Gedanken gemacht haben. Wir machen immer noch das, was wir von Anfang an gemacht haben und solange es allen Vergnügen bereitet wird das auch so bleiben. Es ist natürlich schön zu sehen wenn die Konzerte voller werden und Leute sich in steigendem Maße dafür begeistern, aber das war nie das Ziel. Sonst hätten wir wahrscheinlich auch nicht gut gelaunt den Großteil unserer Konzerten vor 6-18 zahlenden Gästen gespielt, sondern uns eine mehr Erfolg versprechende Freizeitbeschäftigung gesucht. Das ist alles gut so. Außerdem ist in den großartigen AZ’s dieses belanglosen Landes immer noch genügend Platz für jede Menge mehr Besucher. Darüber hinaus ist mir ein kuschelig gedrängeltes Konzert, das von Menschen veranstaltet wird, die mit dem Herzen dabei sind, in einem Laden, der jedem die Möglichkeit bietet kulturell aktiv zu werden (oder sich zumindest günstig zu betrinken) immer lieber als schlecht besuchte Clubs mit horrenden Eintrittspreisen, Veranstaltern, die sich für die Musik nicht interessieren und Security vor der Tür, die ihr kleines bisschen Macht nutzen, um ihr kleines bisschen Ego aufzubessern.

IYF: Im Dezember gehs wieder in den Tourbus. Welche Musik läuft, während ihr im Stau steht?

Benni: Maiden!

IYF: Danke für eure Zeit. Cheers und bis zum Dezember.

Benni: Danke auch. Wird gut.

Eingetragen von Benni am 07.12.2009

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