Taubertal Festival - 06. bis 09.08.09 - Rothenburg o. d. Tauber
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Taubertal Festival - 06. bis 09.08.09 - Rothenburg o. d. Tauber
Zum 14. Mal lud das Taubertal Festival in das schöne Rothenburg ob der Tauber ein. Bei sonnigem Wetter machten wir uns am Donnerstag Morgen auf den Weg gen Süden, wo wir nach knapp viereinhalb Stunden Fahrt das Taubertal und Rothenburg erreichten. Dass dies eines der schönsten Festivals Deutschlands ist, sollte sich bald herausstellen, doch dazu später mehr.
Nach dem Check-in in der nahe gelegenen Pension, dem Sprung unter die Dusche und den ersten Kaltgetränken machten wir uns auf den Weg zur Warm-up Party, deren Bühne mitten in einem Steinbruch stand.
[img_assist|nid=14161|title=|desc=|link=node|align=right|width=200|height=133]5BUGS eröffneten das Festival und stimmten die Besucher mit ihrem Gute-Laune-Punkrock auf die nächsten 3 Tage ein. Wie gewohnt, lieferten die 5 Jungs aus Berlin eine gute Show ab und gaben ihr Bestes, um die Leute in ihren Bann zu ziehen, was ihnen auch nach kürzester Zeit gelang. So fanden sich immer mehr und mehr Besucher auf dem Steinbruchgelände ein und feierten zu Songs wie "We Stop At Nothing", "Inside Of Me" oder "Visions", wie es sich für einen Festivalauftakt gehört.
Im Anschluss folgten TRANSMITTER, die mir persönlich schon von der Glocksee in Hannover bekannt waren. Mit ihrer Mischung aus THE PRODIGY/BEASTY BOYS und einer abgefahrenen Videoshow taten sie der guten Stimmung keinen Abbruch und konnten überraschenderweise die zahlreich anwesenden Besucher für sich gewinnen. Nach einem gelungenen Festivalauftakt kehrten wir zurück in die Pension und ließen den Abend mit dem ein oder anderen Bierchen ausklingen, bevor das Bett endgültig nach uns rief.
Die folgenden Tage begannen sehr entspannt, da die ersten Bands erst am frühen Nachmittag spielten und deshalb erkundeten wir erstmal ein wenig das Gelände, das mit seiner idyllischen Lage unter normalen Umständen kaum vermuten lässt, dass hier ein viertägiges Rockfestival stattfindet. Vom Hügel an der Seite der Bühne schauten wir uns dann den Auftritt von Israels zurzeit bekanntestem Sänger AVIV GEFFEN an. Sein Sound erinnerte stark an COLDPLAY, die Texte richten sich gegen den Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser. Hierzulande könnte er mit seiner Musik durchaus Erfolg haben.
[img_assist|nid=14162|title=|desc=|link=node|align=left|width=133|height=200]Mit ITCHY POOPZKID trat die erste namhafte Band auf und sorgte für eine erfrischende Abwechslung mit ihrem Spaß-Punkrock um die beiden Sänger Sibbi und Panzer und ihrem Schlagzeuger Sailor (Saikov). Die 3er-Formation aus Eislingen/Fils konnte auch schon einige Fans zum Pogen, Mitklatschen und Mitsingen animieren.
Auf der Sounds for Nature Bühne kamen heimatliche Gefühle auf, denn SMOKE BLOW waren genau wie wir aus dem hohen Norden angereist. Ihren Auftritt wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, denn die Jungs waren bei bester Laune und zum Spaßen aufgelegt. Ihr testosteronüberschüssiger, großkotziger und pöbelnder Auftritt verscheuchte sicherlich den einen oder anderen "Neuling", denn Ansagen wie: "Endlich mal 'ne Punkrockband und nicht immer dieses Scheiss-Indiegeseiere" dürfte an diesem Wochenende nicht jeder lustig gefunden haben.
[img_assist|nid=14163|title=|desc=|link=node|align=right|width=133|height=200]SMOKE BLOW hauten den Fans dann Hits wie "Dancing With The Dead", "Dark Angel", "Alligator Rodeo" oder auch "Diabolical" um die Ohren, dass die Schwarte krachte und den Zuschauern nichts anderes übrig blieb, als den Finger in die Luft zu heben und lauthals mitzusingen. Lediglich die wenigen Songs vom letzten Album "Colossus" konnten uns weder zum Mitsingen, noch zum Mitfeiern bewegen, auch wenn "Zombie auf'm Klapprad" live durchaus zu gefallen wusste.
Mit der norwegischen Kombo KATZENJAMMER erwartete uns zur späteren Stunde die Überraschungsband des Festivals. Die 4 Frauen aus Oslo stellten sich als Multitalente heraus, so beherrschte jedes Bandmitglied gleich mehrere Instrumente. Musikalisch mischen sie verschiedene Elemente aus Jazz, Rock, Balkanmusik, Folk, Country, Chanson zusammen und Instrumente wie Bass-Balalaika, Akkordeon, Mandoline, Klavier, Schlagzeug, Geige, Mundharmonika, Banjo, Trompete und Glockenspiel gehören zum Standardrepertoir. Wenn sie weiter so machen wie bisher, könnte ihr kommendes Debütalbum ein durchschlagender Erfolg werden und ihnen somit weitere Auftritte in Deutschland sichern. Nachdem wir uns bei den Jungs vom St. Pauli-Stand anschließend noch zwei Bier gegönnt und uns noch ein wenig an guter Punkmusik erfreut hatten, war dieser Tag für uns vorbei.
[img_assist|nid=14164|title=|desc=|link=node|align=left|width=200|height=129]Der Samstag begann für uns mit den englischen THE SUBWAYS um Sänger Billy Lunn, der mit freiem Oberkörper die Bühne betrat und von Anfang an in die Saiten haute und dem Publikum mit seiner Bassistin Charlotte Cooper, die mit ihrem knappen, schwarzen Outfit über die Bühne fegte, einheizte. Es war ein grundsolider Auftritt, bei dem ihr großer Hit
"Rock & Roll Queen" natürlich nicht fehlen durfte.
[img_assist|nid=14165|title=|desc=|link=node|align=right|width=133|height=200]Über FLOGGING MOLLY, die im Anschluss spielten, muss nicht viel gesagt werden, denn wie immer wurde ein Hit nach dem anderen rausgekramt und die Fans dankten ihnen diese gelungene Show mit "Flogging Molly"-Gesängen und lautstarken Zugaberufen, die auch prompt von der Band aus Los Angeles bedient wurden. FLOGGING MOLLY dürften im Nachhinein betrachtet zu den heimlichen Gewinnern des Wochenendes gehören, denn hier haben wirklich alle gefeiert und getanzt.
[img_assist|nid=14166|title=|desc=|link=node|align=left|width=133|height=200]Beim Blick auf die Programmübersicht hatten wir die Wahl zwischen THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY und IN EXTREMO. Wir entschieden uns in diesem Fall für IN EXTREMO, was vor einigen Jahren wohl undenkbar gewesen wäre, denn da hätten wir uns einen Auftritt von T(I)NC nicht entgehen lassen. Dass unsere Entscheidung aber die richtige sein sollte, stellte sich kurze Zeit später raus, als IN EXTREMO eine Pyroshow vom Feinsten auf der Bühne abfeuerten. Das war Entertainment für's Auge pur. Sicherlich ist die Musik der Berliner / Thüringer nicht jedermanns Geschmack, aber einen Auftritt kann man sich trotzdem getrost anschauen - soviel steht nach diesem Festival fest.
[img_assist|nid=14167|title=|desc=|link=node|align=right|width=200|height=133]Dann kam für mich mein persönliches Highlight, denn nach 2 Jahren sah ich FARIN URLAUB RACING TEAM, die zugleich auch Headliner an diesem Abend waren, endlich wieder. Leider hatte Farin Urlaub offensichtlich Anfangs Probleme mit dem Sound, was man ihm auch ansah, aber seine Backroundsängerinnen schafften es mit spontanen Wortwitzen, ihn wieder aufzumuntern, was er dankend aufnahm und an die Fans weitergab. Ein Set querbeet durch die Alben "Am Ende der Sonne", "Endlich Urlaub" und dem aktuellem Album "Die Wahrheit übers Lügen" brachte das Publikum zum textsicheren, lautstarken Mitsingen. Wie gewohnt ließ er sich für die geschätzten 12.000 Fans ein interaktives Spiel nach dem anderen einfallen und natürlich wurde fleißig mitgemacht, wie bei "Alles Dasselbe", wo man Krähen, Lachen, einen Blitz und ähnliches imitieren musste. Nach 1 1/2 Stunden und Hits wie "Karten", "Niemals", "Zehn", "Sonne", "Unsichtbar", "Unscharf" und einer Zugabe, machten FURT wieder einmal deutlich, dass sie keine DIE ÄRZTE-Kopie sind, sondern eine
eigenständige gute Band.
Aber das sollte es noch nicht gewesen sein, denn auf der Steinbruchbühne ging es mit den MONSTERS OF LIEDERMACHING weiter, von denen wir aber leider nur noch die letzten 4 bis 5 Songs mitbekamen. Die Band verbreitete wie immer ausgelassene Stimmung mit lustigen und wortgewandten Texten, welche das Publikum aus dem FF konnte.
[img_assist|nid=14169|title=|desc=|link=node|align=left|width=200|height=133]Der Sonntag begann für uns und die geschätzten 800 Besucher schon am frühen Nachmittag mit der SONDASCHULE aus Nordrhein-Westfalen. Mit ihrem deutschsprachigen Skapunk bewegten sie die Massen zum Pogen, Mitsingen, Betrinken und Feiern wie es keine andere Band um diese Zeit geschafft hätte.
[img_assist|nid=14170|title=|desc=|link=node|align=right|width=133|height=200]Leider hatten die darauffolgenden ZEBRAHEAD aus dem sonnigen Kalifornien kein Glück mit der Technik, denn die versagte auf ganzer Linie und machte ihren Auftritt leider zunichte und so verließen wir das Gelände schon nach kurzer Zeit. Sehr schade für die Band um Sänger Matty Lewis, die mit ihren melodischen Punk- und Crossover-Einflüssen hierzulande noch keinen durchschlagenden Erfolg verbuchen konnten.
Da ich CLUESO aus früheren Zeiten und Auftritten kannte, wollte ich ihn mir unbedingt anschauen, was er mit eigener Band heutzutage so fabriziert. Leider wurde ich auf ganzer Linie enttäuscht, da die alten Songs im neuen Arrangement nicht mehr den Drive hatten und eher langweilig und eintönig daher kamen. So verließ ich mit schmerzenden Ohren und fluchtartig nach 5 Songs das Gelände.
[img_assist|nid=14171|title=|desc=|link=node|align=left|width=133|height=200]Doch dann konnten TAKING BACK SUNDAY die Stimmung mit ihrem New Yorker Rock bei mir wieder um einiges anheben. Songs wie "Liar", "One-eighty By Summer" oder "New Again" röhrten aus den Boxen und Sänger Adam Lazzara zeigte artistische Einlagen mit seinem Mikrofon. Leider sprang der Funke nicht auf das Publikum über; vielmehr wurden "Wir wollen die Hosen sehen"-Rufe laut und die Band verließ 10 Minuten vor dem offiziellen Ende die Bühne. Das hatten TAKING BACK SUNDAY an diesem Abend wahrlich nicht verdient, auch wenn es schwer ist vor einem Auftritt von den TOTEN HOSEN, die Fans zu begeistern.
Sei es drum, denn 45 Minuten später folgte der Abschlussheadliner des Festivals, DIE TOTEN HOSEN. Und überraschenderweise überzeugten die Düsseldorfer in der ersten Halbzeit auf ganzer Linie. Mit "Strom" wählten sie einen guten Opener und die restlichen Songs bestanden eher aus alten Alben mit Sing-a-Long-Hits wie "Opelgang", "Carneval in Rio", "Wünsch dir was", "All die ganzen Jahre" und noch einige mehr, was unsere Herzen und Stimmen aufblühen ließ.
Textsicher und mit voller Freude trällerten wir die Songs mit. Bei "Paradies" zeigten sich die Jungs fannah und großzügig, denn ein weiblicher Fan wurde einfach auf die Bühne geholt. Arabell hieß die Glückliche und musste sich dem harten Hosen-Publikum stellen und "Paradies" performen, welches dann von den Fans beurteilt wurde. Glücklicherweise sang sie originalgetreu schief und wurde bejubelt und abgefeiert, dass sie später ihren Enkelkindern noch davon erzählen kann.
Nachdem die erste Halbzeit vorbei war und DIE TOTEN HOSEN wieder die Bühne betraten, dachten wir, dass sie jetzt richtig alte Schinken a la "Disko in Moskau", "Verschwende deine Zeit", "Eisgekühlter Bommerlunder" oder ähnliches raushauen würden, aber leider täuschten wir uns und so spielten sie eher neuere Sachen, die entweder unbekannt waren oder einfach nicht gefallen wollten. Somit fiel die zweite Halbzeit eher ernüchternd aus. Trotzdem konnten DIE TOTEN HOSEN auch mit einer sehr beindruckenden Videoshow punkten: Mehrere große und kleine Videowürfel ließen verschiedenartige Bilder und Farben durchlaufen. Die Fans schwenkten ihre Fahnen und zündeten bengalische Fackeln an, was schon seit jeher Tradition ist. Mit dieser Show fanden die Veranstalter einen würdigen Abschlussheadliner für dieses wunderschöne Festival.
[img_assist|nid=14168|title=|desc=|link=node|align=right|width=200|height=133]Fazit: Zu einem Festival gehören nicht nur gute Bands, Campen, Grillen und Betrinken, auch die Atmosphäre und das Optische ist für ein Festival entscheidend. Da ist das Taubertal Festival meines Erachtens nach Vorreiter und es sollten einige Punkte zum Standart für andere Festivals werden. Da das Festival inmitten eines Landschaftsschutzgebiet liegt, war es beispielsweise den Campern im Tal untersagt, die Nacht zum Tag mit riesigen Soundanlagen zu machen, was der nächtlichen Erholung sehr gut tat. Auch entsorgte ein Umwelt-Team zwei mal am Tag das gesamte Gelände vom Müll und selbst die hohe Polizei- und Securitypräsenz störte nicht, da sie stets freundlich und bei guter Laune waren. So scherzten und lachten die Securitys mit den Besuchern, was auch nicht unbedingt auf jedem Festival der Fall ist.
Wie Eingangs erwähnt, ist es das wohl schönste Festival, da es im Tal zwischen Bäumen, Wiesen, grünen Hängen, bunten Blumen und der Tauber liegt. Bilder, die man sonst nur in Reisekatalogen sieht, gehören hier zur Tagesordnung. Ein Muss für jeden Festivalbesucher!
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Kommentare
Guter Bericht! Kann mir zwar nicht vorstellen, dass die Toten Hosen und FURT wirklich gut waren, aber das ist halt wohl einfach Geschmackssache.
...jaaaa klasse festival. konnte mir FURT und die HOSEN hinter der Bühne anschauen und bin immer noch in euphorischer stimmung!!!bin nächstes jahr auf alle fälle wieder mit dabei!!
lg an ronny ;o)))
surfzwerg77
Schöne Fotos und umfangreicher Bericht, bei Festivalhopper gibts einen kurzen Bericht zum Parallelfestival Open Flair: http://bit.ly/11MFbS
Guter Bericht, nur ein kleiner Fehler. Der erwähnte Zebrahead-Sänger Justin Mauriello verließ 2004 die Band. An seiner Stelle steht seit 2005 Matty Lewis ;)