Antillectual - Start From Scratch
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Antillectual - Start From Scratch
Vor einigen Tagen wurde bei Sony der letzte Walkman gefertigt und auch dem Medium der CD geht langsam aber sicher der Saft aus, könnte man meinen. Das Internet rückt immer mehr in den Mittelpunkt, wenn es um den Vertrieb von Musik geht und Dinge wie ein gelungenes Artwork und ein informatives oder ansehnliches Booklet treten immer mehr in den Hintergrund. Sicher, es ist schon eine bequeme Alternative, ein Album zu erwerben, ohne auch nur vom Sofa aufzustehen und in der Lage zu sein, sich die Songs nur Sekunden später direkt anzuhören. Allerdings gibt es eine immer breitere Front von Musikliebhabern, die einem solchen Trend entgegentreten und das „ganze Paket“, sei es nun in Form einer CD oder einer Vynil-Ausgabe eines Albums, fordern. Ich selbst würde mich ebenfalls zu der Fraktion zählen, die darauf Wert legt, mit Stolz auf das eigene CD-Regal und nicht bloß auf die Ordnerstruktur einer Festplatte blicken zu können, vor allem, wenn das Auge auf derart gute „Pakete“ wie „Start From Scratch“ von ANTILLECTUAL fällt.
Allein das gesamte Drumherum an „Start From Scratch“ verdient schon einmal einen Ehrenlumpi, so gelungen ist das Artwork und das sehr persönliche Booklet, das neben den Texten der zwölf Songs auch zu jedem Track eine kurze Erzählung, Zusatzinformation oder nähere Erläuterung enthält. Noch bevor man den ersten Ton des Albums gehört hat, weiß man, dass „Start From Scratch“ ein Album von Musikliebhabern für Musikliebhaber ist, bei dem man sich nicht nur um die Musik, sondern um das Gesamtpaket Gedanken gemacht hat.
Musikalisch geben sich ANTILLECTUAL dann ebenso sympathisch, wie es das Drumherum der CD nahe legt: Was man hier in etwa 35 Minuten geboten bekommt, ist sehr melodischer Mid-Tempo-Punkrock mit zumeist sozialkritischer Message (Keine Angst, erhobene Zeigefinger gibt es nur wenige), der irgendwo zwischen NO FUN AT ALL und PROPAGANDHI zu verorten ist, was nicht zuletzt am Gastauftritt von Chris Hannah höchstpersönlich (bei „Cut The Ground From Under Our Feet“) liegt. Wirklich große Hits oder zeitlose Punkrock-Hymnen gibt es bei ANTILLECTUAL zwar nicht wirklich zu bestaunen, dafür zaubert das holländische Trio allerdings jede Menge überdurchschnittlicher Songs aus dem Hut, die sowohl eine klare Linie als auch ein gewisses Maß an Abwechslung erkennen lassen. „Start From Scratch“ besitzt neben der lyrischen Tiefe, die allerdings nie kryptisch oder unverständlich wird, sondern immer einen Bezug zur Realität behält, auch eine für eine Punkband erstaunliche musikalische Tiefe, die sich in der Spieltechnik, vor allem aber im Songwriting, zeigt.
Dasjenige Klischee, dass der letzte Song eines jeden Albums eine lahmärschige Ballade sein muss, verkehren ANTILLECTUAL dann auch noch gekonnt ins Gegenteil, wenn die Band beim Rausschmeißer „So Much More“ die Akkustikgitarre auspackt und einen Schlusspunkt setzt, der die Band von ihrer besten Seite zeigt. Somit bleibt als einziger echter Kritikpunkt am dritten Album der Niederländer die schwache Produktion übrig, die den Gesang für meinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund stellt. Insgesamt bleibt „Start From Scratch“ aber ein aussagekräftiges Gesamtwerk, das man sich schleunigst ins CD-Regal stellen sollte, solange das Medium noch existiert.
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